Das übermichste „Über mich“ ever.

Offenheit ist etwas, das ich extrem schätze. Zu verbergen habe ich nichts. Und deshalb öffne ich heute die Tür zu meinem Backstagebereich und stelle mich auf eine etwas andere Weise vor. Herzlich willkommen bei meinem Lebens-Striptease und prost.

Ich wurde am 6.6., um 18 Uhr 12, in Zimmer Nummer 6 und als 6. Kind des Tages in einer Schwandorfer Klinik geboren, weshalb, und das ist nicht gelogen, die 80-jährige Nonne/Hebamme zu meiner Mutter sagte: „Höhö, das wird mal ne Sexbombe!“. Ich bin Rechtshänderin, spiele aber mit links Federball. Ich liebe den Duft von frisch gemähtem Gras, feuchtem Beton und geraspelten Salatgurken. Ich hatte eine glückliche Kindheit und es macht mich traurig, dass das eine Ausnahme zu sein scheint. Ich habe als Teenager ein Jahr lang in einer Can-Can-Truppe getanzt. In meinen Händen sind ein Meerschweinchen und ein Graupapagei gestorben und eine Zeitlang dachte ich deshalb, ich bringe den Tod.

Ich vertrage Unmengen klaren Schnapses, aber nur ganz wenig Bier oder Wein. Softdrinks jeder Art lasse ich als Getränke nicht gelten, Karotten- oder Rote-Bete-Saft hingegen schon. Ich bin unglaublich ungeduldig. In meiner Hosentasche trage ich stets irgendeinen glatten Stein herum, den ich in der Hand halte, wann immer es geht. Das beruhigt mich. Ich kann keine Menschen respektieren, die stinken, weil ich ihnen unterstelle, dass ihnen andere egal sind. Ich bin so süchtig nach Lesen, dass ich in Abwesenheit von Büchern auch Packungsbeilagen oder Texte auf Milchtüten verschlinge. Ich finde, dass Männer Helden sein sollten, weil Zivilcourage sexy ist.

Während meiner beiden Schwangerschaften war mir nicht ein einziges Mal übel. Unser Sohn kam 5 Wochen zu früh auf die Welt, aber obwohl er nicht mal zwei Kilo wog, machte ich mir keine Sekunde lang Sorgen um ihn, weil ich wusste, dass er okay ist. Vielleicht liegt das daran, dass ich ihn quasi rauslachte, denn die Wehen kamen vor lauter Lachen über den Film „Verrückt nach Mary“. Alles weist darauf hin, dass er ein überlebender Zwilling ist. Sein Bruder hat sich in der 9. Schwangerschaftswoche verabschiedet und ich fühle mich schlecht dabei, dass ich darüber sogar ein bisschen froh bin, weil ich mir nämlich Zwillinge absolut nicht zugetraut hätte.

Nach landläufiger Meinung habe ich vielleicht ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und fühle mich prächtig damit. Ich wusste bis zu meinem 18. Lebensjahr nicht, was mein Vater wirklich arbeitet, und seit ich es wusste, hatte ich dauernd Angst um ihn. In der 7. Klasse veränderte sich aus heiterem Himmel mitten in der Zeile meine Handschrift derartig, dass mir der Lehrer nicht glauben wollte, dass das alles ich geschrieben hatte. Ich habe jeansblaue Augen, aber wenn ich untergetaucht oder z.B. vom Duschen nass bin, sehen sie türkis aus. Ich bin ein Naturtalent, was das Schießen mit großkalibrigen Revolvern sowie Pfeil und Bogen angeht, also seid besser nett zu mir. Als Dreijährige schlafwandelte ich regelmäßig. Einmal ging meine Mutter mir nach und erlebte live mit, wie ich in der Küche die Eckbank aufklappte, hineinpinkelte, den Deckel wieder zuklappte und zurück ins Bett ging.

Wenn ich an einem Bahnhof jemanden verabschiede, schaue ich niemals zurück. Meiner Meinung nach gibt es keine großartigeren Worte als „fei“ und „mei“ im Bairischen. Ich habe eine bekloppte, aber wundervolle Katze namens Suna, die ihren Namen nach dem Titel meines Lieblingsbuchs trägt. Gegen Katzen bin ich ziemlich allergisch, aber nur, wenn ich Milchprodukte esse.

Bei der Namenswahl unserer Kinder haben wir zweimal voll in die Top-Ten-Kiste gegriffen und es macht nichts. Ich bin eine miserable Näherin und Strickerin, kann aber unsichtbar Socken stopfen. Wenn ich daran denke, was in meinem Leben alles gut ist, könnte ich schreien vor Glück. Ich habe früher selbst geraucht und bin heute der militanteste Nichtraucher der Welt. Ich gehe regelmäßig zum Blutspenden. Ich habe Blutgruppe A positiv. Vor zwei Jahren habe ich beim Pilzesuchen im Wald eine Leiche gefunden. Ich besitze ein riesiges Regal voller Heilkräutertees und habe 2017 endlich die längst überfällige Ausbildung in Phytotherapie gemacht.

Im Gymnasium wurde ich regelmäßig aus irgendwelchen Unterrichtsstunden geworfen, weil ich immer wieder unkontrollierbare Lachanfälle hatte. Ich verkleide mich wahnsinnig gern, finde Karnevalsgedöns aber lästig und blöd. Ich hätte den Mann, mit dem ich zwischen 15 und 23 zusammen war, beinahe geheiratet; seine Tochter heißt durch Zufall genauso wie unsere und sein Sohn beinahe genauso wie unserer. Außerdem ist er in die Wohnung meines Exmannes eingezogen, ohne es zu wissen. Bei manchen Filmen fange ich bereits bei Einsetzen der Titelmelodie an zu weinen; manchmal reicht schon die „merci“-Werbung. A propos merci: Schokolade ist absolut nicht mein Ding, Peperonichips dafür umso mehr. Die einzige Süßigkeit, mit der man mich kriegen kann, sind fiesbunte Kaubonbons oder Gummibärchen, die wochenlang offen herumgelegen haben und steinhart geworden sind.

Ich kann Literaturklassikern wie „Der kleine Prinz“ oder „Winnie the Pooh“ nichts abgewinnen; Lebensuntüchtigkeits-Literatur wie „Kleiner Mann – was nun?“ macht mich aggressiv. In meinem Bücherregal stehen mehrere Meter Bücher von Stephen King und Ephraim Kishon, mein Lieblingsbuch ist jedoch Otto Nebelthaus „Vom heiteren Kochen“ aus dem Jahr 1936. Ich habe nie gelernt, Noten zu lesen, enttarne aber jeden falschen Ton. Ich singe gern, viel und gar nicht so übel, würde es aber niemals vor anderen Leuten tun. Eine Zeitlang habe ich Gesangsstunden genommen, weil ich „Gabriellas Song“ von Helen Sjöholm lernen wollte. Dafür gibt es Gründe, denn das Lied … ach, egal. (BITTE schaut Euch diesen Film an!)

Ich habe auf Treppen und Balkonen Höhenangst, aber Ballonfahren war okay. Ich bin elterlicherseits halb Schwäbin, halb Oberpfälzerin, wuchs aber in Hessen und Bayern auf. Die Dialekte aller dieser Gegenden beherrsche ich ziemlich gut, aber im Alltag spreche ich ein derart glasklares Hochdeutsch, dass alle irre werden, weil sie mich nicht einordnen können. Meine Kindergartengruppe hieß „Fuchsbau“ und mit meiner Bad Hersfelder Kindergärtnerin von damals sind meine Eltern noch heute fest befreundet, was ich sehr putzig finde. Komplimente machen mich unheimlich nervös und meist reagiere ich albern. Während meiner Konfirmandenzeit habe ich kurz überlegt, Pfarrerin zu werden. Ich habe letztens einen der besten Texte meines Texterinnenlebens geschrieben, weil mich das Thema auf genau die richtige Weise gleichzeitig wütend und traurig machte.

Ich träume manchmal luzide. In einem dieser Träume traf ich meine Oma, konnte haargenau beeinflussen, was ich tat und sagte, und wachte von meinem eigenen beglückten Lachen auf. Ansonsten träume ich ganz oft davon, irgendwo runterzufallen, etwas zu vergessen oder zu verpassen. Mein rechtes Auge sitzt einen guten halben Zentimeter weiter oben als das linke. Vor 6 Jahren ließ ich meine Kurzsichtigkeit lasern. An einem Auge ging es schief und heute brauche ich wieder eine Brille, was mich total ankotzt. Rohe Karotten oder Äpfel machen mich noch hungriger anstatt satt. Von grünem Tee, Trockenpflaumen und Traubensaft bekomme ich Kopfweh. Mir graut vor Schwimmbädern, weil ich einmal sah, wie ein alter Mann beim Schwimmen einen kapitalen Popel verlor.

Eine Stoffpuppe, die ich seit Babytagen besitze, liegt noch heute in meinem Bett und manchmal schlafe ich mit ihr im Arm ein. Sie wäre eines von sehr wenigen Dingen, die ich mitnähme, wenn das Haus brennt. Ich wählte fürs Abi nur deshalb den Leistungskurs Latein, weil der Grundkurs nicht zustande gekommen wäre und ich das Fach ansonsten verloren hätte. Meine Latein-Facharbeit schrieb ich über die Verwendung von Aromata (Medizin, Küche, Schönheitspflege) im antiken Alltag. Nach dem Abitur begann ich, Biologie zu studieren, und schmiss es nach nicht mal einem Semester hin; nicht wegen des Faches, sondern weil mich die Lebensuntüchtigkeit meiner Kommilitonen fassungslos machte und mir das Ganze überhaupt viel zu theoretisch war.

Einer meiner Lieblingsfilme ist „Juno“ und ich wünschte, ich wäre wie sie. Ich schlafe am besten allein, obwohl ich Kuscheln toll finde. Wenn ich auf der Seite liege, muss ich ein Kissen oder ein Stück Decke zwischen die Knie klemmen, weil ich das Meine-Haut-auf-meiner-Haut-Gefühl nicht mag. Der schnellste Weg, Erinnerungen bei mir zu wecken, sind Gerüche oder Musik. Ich mag viel lieber Bier (und dann auch noch aus der Flasche) als Wein oder gar Champagner und habe damit schon manche romantische Begegnung versaut. Ich habe dieselbe kleine Schuhgröße wie meine Großmutter, die Nase meines Vaters und die Lachbäckchen meiner Mutter. Homöopathie hat mir einmal das Leben gerettet und ich habe ganz ohne entsprechende Ausbildung ein ziemlich gutes Händchen bei der Anamnese und Mittelwahl für andere.

Ich versteinere, wenn irgendwo Lieder der Rolling Stones gespielt werden, weil der Tag meines ersten und letzten Stones-Konzerts nicht nur mein 29. Geburtstag, sondern auch einer der beschissensten Tage in meinem Leben war. In der 12. Klasse erfand ich zusammen mit einer Freundin eine tussige Kuh namens Vroni, die in einem Luxusstall wohnte. Es gab Comics, Gerüchte und sogar Merchandising-Artikel und Vroni wurde Kult. Unsere Abizeitung war als Fernsehzeitung aufgemacht, die Leute waren jeweils nach Serien eingeteilt und ich rangierte als Else Kling aus der „Lindenstraße“, ähömm.

Ich glaube, ich werde mal eine coole Oma. Ich bin echt blond, meine Wimpern und Augenbrauen sind jedoch von Natur aus schwarz. Ich habe mich schon einmal allein in eine Stimme verliebt. Ich kann gut einparken – links rückwärts sogar besser als rechts – und fahre meistens etwas zu schnell. Ich machte einmal Campingurlaub in Jesolo mit drei Kfz-Mechanikern, zwei Paletten 5-Minuten-Terrinen und drei Paletten Löwenbräu in Dosen, wir machten stundenlange Rülpswettbewerbe und das war die lustigste Woche, an die ich mich erinnere. Mein erstes Auto war ein babyblauer VW Käfer, dessen Motorhaube ich nach dem Verkauf ins Wohnzimmer hängte, weil alle meine Freunde darauf unterschrieben hatten. Einer von ihnen, der beste Freund meines Ex, erhängte sich im Alter von 23 Jahren in dem Wald, in dem meine Kinder heute oft spielen, und bis heute weiß niemand, warum dieser dumme Idiot das getan hat.

Ich mag Füße nicht und nein, nicht mal meine eigenen. Ich habe seit fast 20 Jahren einen Tinnitus, der mich manchmal wahnsinnig macht. In der Schule spielte ich Theater; einmal war ich Asterix bei „Asterix im Wilden Westen“. Ich hatte eine große Schwester, die aber bald nach ihrer Geburt starb. Ich vermisse sie, ohne sie je gekannt zu haben. Ich kann absolut keinen Goldschmuck tragen, weil schon das geringste Stückchen Gold an mir sofort dazu führt, dass ich aussehe wie eine Wasserleiche. Hohe Absätze sind bei mir eine nahezu hundertprozentige Sicherheit für den nächsten Bänderriss und ich wanke darauf herum wie eine Fregatte in schwerer See. Ich bin in einer innigen Liebesbeziehung mit meinem Heizlüfter, aber sagt es bloß nicht weiter.

Bevor ich aufhörte, Fleisch zu essen, liebte ich Nürnberger Rostbratwürste mit Apfelmus. Ich antwortete einmal auf eine ernst gemeinte Liebeserklärung mit „Hey! Cool!“ und nippte weiter an meinem Caipirinha. Vor einigen Jahren habe ich bei einer Psychologin eine Rückführung gemacht und es war wahnsinnig gruselig, wenn auch aufschlussreich. Ich mag Shirts und Hoodies mit bescheuerten Sprüchen drauf; am liebsten solche mit Daumenlöchern. Ich ging lange jede Nacht ins Zimmer meiner Kinder und schaute mir an, wie harmlos sie schliefen, um zu verhindern, dass ich sie beim nächsten Zoff irgendwo an der Autobahn aussetze. Ich würde alles für sie tun, und mit „alles“ meine ich ALLES.

Ich lerne Sprachen im Handumdrehen, aber der Teil, der für Zahlen zuständig ist, fehlt offenbar in meinem Gehirn. Ich bin ziemlich sicher, dass ich irgendwann Niederländisch lernen werde – einfach nur, weil ich die Sprache lustig finde. Bei den Bundesjugendspielen habe ich es tatsächlich einmal geschafft, mit dem Schlagball minus 2 Meter zu werfen, weil er mir beim Ausholen hinten (!) aus der Hand fiel. Meine Kinder sind höchst irritiert über meine Fähigkeit, rein nach Gehör zu wissen, was sie gerade wo im Haus treiben. Früher ging ich ständig auf Rockkonzerte, ließ es aus unerfindlichen Gründen jahrelang bleiben und habe es in meiner neuen Beziehung gottseidank wieder angefangen.

Ich hasse Lilien. Ich bin gerne am, aber nicht so gerne im Meer. Ich vertrage Hitze schlecht und habe deshalb einen zehntägigen Urlaub auf Mauritius weitgehend kotzend im Bett verbracht. Es gibt nichts, was mich wütender macht als Ungerechtigkeit und Feigheit. Bei einem Besuch des Freilichtmuseums Glentleiten hatte ich in einem Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert einen derartig plastischen Hier-und-so-habe-ich-schon-mal-GELEBT!-Flash, dass ich beinahe in Ohnmacht gefallen wäre. Ich bin wohl die einzige Frau auf diesem Planeten, die ein winziges Schwäbeln bei Männern anziehend findet und Bairisch sowieso. Ich habe eine lustige Narbe in Form eines Vierzehnfüßlers am Oberschenkel und eine entchenförmige am Knöchel. Dass die Oberschenkelnarbe unmittelbar mit Wodka zu tun hat, obwohl ich erst 6 war, als das passierte, wird wohl kaum jemanden wundern. Wenn ich (immer vegetarisch) koche, ist das zumeist derart diszipliniert und effizient, dass die Küche danach im Normalfall nicht anders aussieht als vorher. Beherrscht das jemand anderes nicht, macht mich das ganz so hibbelig dass ich unauffällig hinter ihm herräume. Ansonsten lebe ich in einem gemütlich-bunten Chaos und würde von Operationen am offenen Herzen in meiner Wohnung eher abraten.

Mit 13 habe ich in einem Supermarkt einen Miniaturkaktus geklaut und wurde erwischt. Ich kann einfach keine Bücher lesen, die gerade auf einer Bestsellerliste stehen. Genauso geht es mir mit Mode, die mir wirklich piepegal ist. Als ich nach meinem schlimmen Unfall wieder Auto fahren durfte, hatte ich mehrmals das Verlangen, das Lenkrad herumzureißen und entgegenkommende Autos frontal zu crashen, konnte mich aber immer gerade noch zusammennehmen. Seit diesem Unfall habe ich am Handgelenk Narben, die aussehen wie von einem Selbstmordversuch und die meine wohl erogenste Zone sind. Ich finde sie wunderschön.

Als Kind habe ich auf einem Lottoschein fünf Richtige getippt und meine Mutter hat vergessen, den Schein abzugeben. Ich kenne mich extrem gut mit Heil- und Wildkräutern aus, aber fragt mich bloß nicht nach Bäumen oder Blumen. Als ich 12 war, las mir ein Astrologe quasi alles, was bisher passiert ist, aus der Hand; eine seiner Aussagen war, dass ich meine große Liebe erst mit 40 finde et voilà. In meinem Schrank hängen vier klassische Dirndl, in denen ich mich so weiblich wie in keiner anderen Klamotte fühle. Ich glaube, mit ein bisschen Übung könnte ich wieder einen Spagat schaffen.

Meinen ersten Knutschfreund hatte ich mit 12. Ich habe ständig Hunger und müsste bei den Mengen, die ich verdrücke, eigentlich längst 100 Kilo wiegen. Als ich nach meiner Trennung Wonneröllchen im Wert von fast 10 Kilo verlor, wurde ich von Töchterchen Liebreiz dafür wüst geschimpft, weil sie meinen weichen Bauch doch so mochte. Ich werde dauernd von allen möglichen Leuten gebeten, ein lustiges Buch zu schreiben, glaube aber nicht, dass ich das kann. Ich will auf keinen Fall weitere Kinder, weil mich Babys inzwischen nerven. Ich habe nicht das geringste Problem damit, Fehler zuzugeben, und finde, dass konstruktive Kritik das beste Coaching ist.

Als ich 11 war, nahmen meine Eltern für fünf Jahre ein vietnamesisches Pflegekind auf, an dessen Intrigen unsere Familie beinahe zerbrochen wäre. Ich bin seitdem überzeugt davon, dass es Kinder gibt, die schon böse geboren werden. Ich finde es grässlich, zu schwitzen, und habe deshalb fast 20 Jahre lang quasi keinen Sport gemacht bis auf kurze, wenig ambitionierte Ausflüge ins Ballett und Tae Bo. Das hat sich inzwischen geändert. Ich habe Angst vor Spinnen, aber erst seit ich Mutter bin. Die einzige bei uns im Haus, die Spinnen ohne Schaudern einfangen kann, ist meine Tochter und das ist doch wohl peinlich. Ich habe meine tote Oma und unseren toten Nachbarn gesehen und beide angefasst. Es war überhaupt nicht schlimm. An meinem rechten Mittelfinger ist noch immer dieser Hornhautknubbel, den ich mir vom vielen Schreiben mit der Hand in meiner Jugend holte. Wenn ich ihn anschaue oder erfühle, muss ich grinsen. Ich schnarche manchmal ein kleines bisschen. Ich bin Inhaberin des bronzenen Tauchabzeichens und habe mit Haien getaucht, aber niemals das Seepferdchen gemacht.

Wenn ich von etwas überzeugt bin, kann ich schon mal ins Missionieren kommen. Ich finde, es gibt neben Katzen keine cooleren Haustiere als Schnecken. In der Grundschule war ich grundsätzlich in rothaarige Außenseiter-Jungs verknallt. Ich habe eine Zeitlang als Passform-Model für MORE & MORE gejobbt. Ich hatte noch niemals PMS. Es gibt Menschen, die ich so sehr liebe, dass ich für sie töten und in den Knast gehen würde. Ich dachte immer, es gäbe auch Menschen, die ich so sehr hasse, dass ich sie töten würde, aber das stimmt nicht. Ich bin 44 Jahre alt und als meine schlesische Großmutter so alt war wie ich jetzt, hatte sie schon seit 8 Jahren Enkel.

40 Comments

  • SatansTochter

    Hut ab, vor soviel Offenheit und Ehrlichkeit zu sich selbst! Auf eine Art und Weise ein beeindruckender Text!

  • doppelfish

    (also, an ’nem anderen Finger! Am Daumen, keine Ahnung, wie der da hin kam.)

  • Miriam

    Hier auch ein Knubbel am rechten Mittelfinger.. vom Nuckeln!
    Ein hinreißend ehrlicher und entzückender Text! <3

  • TIMMAY

    Das ist ja fantastisch. Alles. Wenn ich Luftballons hätte, würde ich sie fliegen lassen und Konfetti werfen. Dem Text fehlen Dinosaurier, aber er wird auch so Geschichte schreiben oder heimlich kleine Herzchen an Schulklotüren malen.

    Jetzt möchte ich sowas auch. Aber ich brauche sowas eigentlich gar nicht. Glaube ich. Ich schreibs auf nen Zettel und leg den in meine Schreibtischschublade.

    Immer rocken!
    Timmay

  • textzicke

    Lieber Timmay,

    erstens: vielen Dank. Da werde ich ja gleich rot (die Sache mit den Komplimenten).
    Zweitens: Doch, mach! Ich werde es ebenso wohlwollend lesen wie Du meines. 🙂

  • Sandra

    Sehr beeindruckend, inspirierend, Mut machend, nachdenklich stimmend. Und noch viel mehr, aber das muss erst durch meinen Kopf wandern. Sehr ehrlich gemeintes Danke dafür.

  • larifariabel

    Liebe @textzicke, das ist der wahrscheinlich ehrlichste, nackteste und zugleich sympathischste Post, den ich bisher las. Ich schmunzelte, schniefte, grübelte und erkannte wieder. Danke sehr für diesen Herz-Leben-Royal Flush.

  • Jens

    Wunderschön. Es werden Fragen beantwortet und es bleiben dennoch Fragen offen. Bei der Sache mit dem Schwimmbad habe ich fast eingepullert vor Lachen. Aber bei anderen Passagen wurde ich nachdenklich.
    Danke!

  • Stefan Tastaton

    Hey Lilian,
    schön, dass dieser Beitrag „lebt“ und es sich immer lohnt, mal wieder reinzuschauen.
    Habe gesehen, dass Du meinen Blogpost auch verlinkt hast, oder zumindest wolltest 😉 Der Link tut aber nicht, wie er soll und ist durchgestrichen. Kannst/magst Du das ändern? Sieht irgendwie komüsch aus…
    Viele Grüße
    Stefan
    P.S.: Brauchst diesen Kommentar natürlich nicht freizuschalten!

  • Solitude

    Zufällig hier gelandet und den bisher schönsten Moment des heutigen Tages mit diesem Text gehabt.

  • rike

    Super sympathisch geschrieben, musste ein paar mal gut lachen. deine mia is auch voll süß, meine heißt minki, aber die nervt mich zurzeit wieder. Vor nem Monat noch son Katzenbaum gekauft und den hat sie permanent unter Beschuss, ich hoffe der hält noch ne Weile 😉 Und danke für den Verweis auf die ursprüngliche Idee, das werde ich mir jetzt mal durchlesen. Lg Rike

  • Markus

    ja, ähemm… ich steh hier grad wegen derselben Ovationen ob deines Textes… ja, ich dachte, es wäre einer der üblichen Selbstskizzen. Aber nein, es ist unglaublich detailreich und schön zu lesen. Ok, ich gebs zu… ich hab ihn jetzt zum dritten Mal gelesen.

    Danke, dass ich den tweet dazu zufällig gelesen habe. Es gibt sie halt doch, die wunderbaren Menschen und die schönen Zufälle 🙂

    lieben Gruß
    Markus

  • Gaby

    Gelächelt, bedauert, gekichert, bewundert, geprustet, geseufzt, genickt, verstanden, gemocht.
    Verschlungen und genossen.

    Danke dir. Sehr. 🙂

  • Lonesome

    Auf dem Weg nach Haus in der Bahn gelesen. Trotz dieser Tatsache völlig entspannt und irgendwie befreit ausgestiegen. Während des Lesens gelächelt und gefreut, mich selbst, aber auch mir sehr nahe stehende Menschen im Text wiedergefunden.

    Einer der schönsten, offensten und deshalb bemerkenswertesten Texte, die bisher lesen durfte.

    Danke dafür, danke @textzicke!

  • sonderbayer

    Ich dachte immer ich bin der Einzige Oberpfälzer bei Twitter. Dabei sind wir 1,5 <3.

  • Manuela

    Eine kurze Selbstdarstellung? Eher unmöglich. Der Beitrag ist ziemlich lange und es wurden praktisch alle Aspekte deines Lebenslaufes behandelt. Ich stelle mir auch mal oft die Frage, wer ich eigentlich bin, wieso ich eigentlich zur Welt gekommen bin und wozu mich Gott geschaffen hat? Bisschen philosophische Frage aber ich glaube, ich bin nicht der Einzige, der sich selber solche Fragen stellt. Ich halte dich jedenfalls für eine echt interessante Person.

  • Tanja

    Toll. Liebe Lilian.
    Wunderschön geschrieben und ich mochte Dich vorher schon und jetzt noch mehr.
    Natürlich habe ich jetzt sofort Lust, auch sowas zu schreiben. Aber ich glaube nicht, dass ich es im Internet sehen möchte.

  • derChristoph

    Hui, da geht’s hurtig dahin. Ein Selbstportrait wie es sein soll, kurzweilig aber lang. Aber dann doch wieder zu kurz, weil man sich wünscht, dass da noch ein Absatz kommt. Und noch einer.

  • Egomane

    Ich… Ich… Ich… Ich…

    Was ist an dir so besonders?

    Selbstdarstellung ist schon immer dein Ding gewesen richtig?

  • textzicke

    Was an mir so besonders ist? Vermutlich ebenso viel oder wenig wie an Dir. 🙂

    Aber weißt Du, das Gute ist doch, dass Du es nicht lesen musst. Und Du musst auch nicht eine ähnliche Darstellung Deiner Selbst irgendwo online stellen, wenn das Deinem Wesen weniger entspricht.
    Ich fand es einfach interessant und witzig, mal zu resümieren, was in meinem Leben eigentlich bisher so abgegangen ist. Die somehow witzigen oder krassen oder entscheidenden Momente habe ich dann geteilt. So einfach ist das. 🙂

    Peace, dude! <3

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