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Gänseblümchen oder Feldsalat?

Facebookgruppen sind ja Fluch und Segen zugleich.
Dort findet man z.B. tolle Tipps oder Gleichgesinnte zu Themen, in denen man selbst ein bisschen nerdig unterwegs ist. Bei mir sind das – wer mich kennt, weiß Bescheid – Wildkräuter und Heilpflanzen. Ich bestimme sie, ich esse sie, ich verarbeite sie zu phyotherapeutischen Heilmitteln wie z.B. einem Anti-Allergie-Mundspray und einem Anti-Infekt-Mittel. Grüne Kräuterliebe 4ever eben.

 

Zwei lange Regalborde voller Kräuterbestimmungsbücher vor einer sonnengelben Wohnzimmerwand
Eine kleine Auswahl aus meiner Kräuterhexen-Bibliothek 

 

Folgerichtig meldete ich mich vor ein paar Jahren zu einigen einschlägigen Gruppen an. Aber jessas, was taten sich da – selbstverständlich mit ausgesprochen netten Ausnahmen – für Abgründe auf! 😮

Beinahe könnte man den Eindruck gewinnen, dass ausgerechnet Menschen, die sich für Wildkräuterküche, Heilpflanzenkunde etc. interessieren, sämtlich einen an der Waffel haben. Denn leider muss ich sagen, dass mir selten so dermaßen unüberlegte, naive und teils passiv-aggressive Antworten begegnet sind wie dort. 🙁

Zum Beispiel sind wir uns hoffentlich darüber einig, dass es der Sinn einer Wildkräuter-Bestimmungsgruppe ist, Fragen zu stellen und Antworten zu bekommen. Warum müssen manche darauf doof reagieren? (Gern genommen z.B. Formulierungen wie “Google soll ja angeblich helfen” oder “Ein Blick in Pflanzenbestimmungs-App XY wäre wohl zu viel verlangt?”)

Ist doch super, wenn jemand sich neues Wissen aneignen will und zu diesem Zweck andere Menschen fragt statt einer App! Nicht jeder hatte in seinem Leben die Gelegenheit, sich mit dem ganzen Grünzeux am Wegesrand zu befassen.*
Besser spät als nie, right? Und warum tritt jemand einer Wildkräuterbestimmungs-Gruppe bei, wenn er nicht gefragt werden will? Mannmannmann.

Die zweite – und nochmals weit entbehrlichere – Antworten-Kategorie kann sogar gefährlich werden. Dann nämlich, wenn unsichere Vermutungen als Fakten dargestellt werden.

Folgendes einigermaßen wörtlich zitiertes Beispiel ist zwar harmlos, weil Gänseblümchen ebenso ungiftig und fast so lecker sind wie Feldsalat. Aber es zeigt recht eindrücklich, dass manche Gruppenmitglieder

    1. nicht einmal eine Minute darauf investieren, bisherige Antworten flugs querzulesen (und sich damit eine weitere ggff falsche zu verkneifen),
    2. lieber ins Blaue hinein raten, als einfach mal die Klappe zu halten und
    3. komplett unbelehrbar sind.

 

Bodenrosette eines Gänseblümchens im Frühling
Unübersehbar: Gänseblümchen (Bellis perennis) samt Blütenknospe. 

Seid ihr bereit? Here we go:

Frage mit Foto: “Was ist das für ne Pflanze? Wächst überall zwischen dem Kies und in der Wiese auch.”
Antworter 1: “Feldsalat.”
Ich: “Nein, das sind eindeutig Gänseblümchen. Guckstu die Knospe.”
Antworterin 2: “Wilder Feldsalat, und zwar richtig schöne Blätter!”
Fragerin: “Aber woher sollte plötzlich Feldsalat kommen?”
Antworter 1: “Unkraut vergeht nicht und die Sprossen sind imstande nach jahrelanger Inaktivität irgendwann zu keimen.”
Ich & andere fachkundige Person: “Ähm nein, das sind wirklich Gänseblümchen. Guckstu hier, Vergleichsbild.”
Antworterin 3: “Oh, wilder Feldsalat! Ist bei uns selten, du Glückspilz.”
Andere fachkundige Person: “Tippe auf Bellis, Feldsalat sieht anders aus.”
Fragerin: “Was ist Bellis?”
Antworterin 3: “Sie meint Gänseblümchen. Bellis perennis. Auf deinem Bild ist aber Feldsalat zu sehen. Gänseblümchenblätter kräuseln sich nicht so.”
Ich: “Die Blätter meiner Gänseblümchen sehen exakt so aus.”
Andere fachkundige Person: “Meine auch.”
Fragerin: “Es riecht und schmeckt auch gar nicht wie Feldsalat.”
Ich: “Weil es Gänseblümchen sind.”
Antworterinnen 4+5: “Feldsalat.”
Ich: SCHNAPS.
Ja, so läuft das mit ein bisschen Pech in den Wildkräutergruppen. *seufz*
Tatsächlich bin ich deshalb inzwischen aus den meisten davon ausgetreten und kuschle wieder mit meinen >3 Regalmetern Fachliteratur. 🙂
Wer mehr über das wunderbare Gänseblümchen erfahren will, kann übrigens gern in das entsprechende Heilpflanzenprofil reinschmökern. Es war eines der ersten, die ich für das Online-Heilpflanzenlexikon der Sonnenapotheke Waldniel verfasst habe.

*Wusstet ihr schon, dass ich ausgebildete Heilpflanzenkundige bin – und dass man mich im näheren Umkreis von Starnberg für Wildkräuter-Führungen buchen kann? 
Außerdem komme ich auch in Privatgärten und erzähle den Besitzer*innen, welche grünen Schätze sie bisher zu Unrecht als “Unkraut” beschimpft haben. 🙂 
Wenn daran Interesse besteht, meldet euch einfach unter lilian.kura@textup.de. 

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