Seit vielen Jahren beschäftigt mich das Thema „Fleisch essen oder nicht?“.
Ethisch bin ich auf dem Standpunkt, dass es eigentlich ein Unding ist, atmenden Wesen das Leben zu nehmen, um sie dann aufzuessen. Kulinarisch bin ich leider ein Fan von gutem Fleisch. Unter einigermaßen vertretbarem Fleischgenuss verstehe ich aktuell, dass Fleisch äußerst selten auf den Tisch kommt und wenn, dann nur aus Quellen, die ich kenne und denen ich vertraue. Das kann ein Bauernhof in meiner Umgebung sein oder das Fleisch aus dem Bioladen, das seine Herkunft ganz transparent kommuniziert. Ob die Tiere rein bio gefüttert werden, bewerte ich persönlich dabei eher nachrangig – ganz im Gegensatz zu ihrer Haltung. Da wüsste ich gern, dass sie es zumindest gut haben, bis man sie schlachtet. Meine Kinder denken übrigens genauso.

Seit gestern weiß ich, dass man Menschen wie mich/uns als Flexitarier bezeichnet. Schade ist, dass unter diese Kategorie bereits Leute fallen, die „nur 3 x wöchentlich Fleisch essen“ oder die „versuchen wollen, ihren Fleischkonsum zu verringern“. Hallo? „Nur“ dreimal pro Woche Fleisch? Das war für mich schon viel, bevor ich mir auch nur den allerersten Gedanken darüber machte!!! Eigentlich möchte ich ja mit solchen Menschen nicht gern in einem Topf sitzen – genauso wenig wie mit denen, die den – in meinen Augen recht vernünftigen – Vorschlag eines allgemeingültigen „Veggie-days“ mit der lautstark füßestampfend-schmollenden Anrufung ihrer Menschenrechte beantworteten. Derartige Reaktionen kann ich nur mit Kopfschütteln bedenken. Gute Güte, keines Fleischfressers freiheitliche Menschenrechte gehen deshalb flöten, wenn an einem (!) Tag der Woche in der Kantine kein Fleisch auf der Karte steht! Man muss doch wahrlich nicht jeden einzelnen Tag Leichenteile verzehren.
*An dieser Stelle sei gesagt, dass mich persönlich die Diskussion um die CO2-Entlastung durch einen Veggie day null die Bohne interessiert. Mir geht es auch hier rein um die Tiere selbst (und entsprechende Kommentare werde ich gähnend ignorieren). Aber ich schweife ab.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich sitze in der Zwickmühle. Zwischen Gewissen und ökologischen Fakten und omnomnom, da liegt ein gegrilltes Steak mit Kräuterbutter. Mit genau dieser Zwickmühle beschäftigt sich auch Karen Duves sehr empfehlenswertes Buch „Anständig essen“, das ich vor zwei Jahren richtiggehend, haha, verschlungen habe. Nach dem Lesen ihres Erfahrungsberichts aß ich viele Wochen weder Fleisch noch Wurst, aber weiterhin Milch und Eier – was mich zu einer so genannten Lacto-Ovo-Vegetarierin machte. Nee, stimmt nicht ganz, denn Fisch aß ich auch, also war ich eine Lacto-Ovo-Pescetarierin. Hilfe, ist das alles kompliziert! Kurz darauf stellte sich heraus, dass ich eine Unverträglichkeit gegenüber jeglichem tierischem Milcheiweiß habe, die sich in allergischem Asthma bei Katzenkontakt äußert. Also fielen Milchprodukte weg und ich war nur noch Ovo-Pescetarierin. Ach ja, und dann kam die Grillzeit und ich wurde schwach und gab dem Jieper nach einem saftigen Rindersteak und einigen Grillwürschtln (vom Bauernhof) nach. Menno. Seitdem bin ich also Flexitarierin mit gelegentlichen Ausflügen in den Teilzeit-Veganismus, von dem ich wünschte, ich würde ihn durchhalten, weil ich veganes Leben eigentlich die einzig ethisch vertretbare Ernährungsform finde. So viel dazu.*

Ja. Und dann kommt ein kleiner Junge und fasst mit den weisen Worten eines Kindes zusammen, warum es eben verdammt nochmal nicht in Ordnung ist, dass wir Tiere essen, weil wir gefälligst die Aufgabe haben, auf sie achtzugeben! Das Video kursiert schon lange, aber heute passt es hier wieder bestens hin und ich finde, von Luiz können wir alle eine Menge lernen – ich inklusive.

Wenn Ihr gerade dabei seid, könnt Ihr übrigens auch gleich dieses sechsminütige Video zur industriellen Fleischproduktion in China anschauen. Erschreckend, diese … Effizienz. Gruselig. 🙁

Was sagt Ihr dazu? Ist es für Euch okay, Tiere zu essen? (Ohne Polemik und verächtliche Seitenhiebe auf Veganer & Co. bitte – ich gehe jetzt bei „Vegetariern“ und „Veganern“ von der jeweils unverkrampften, nicht-missionarischen Daseinsform aus.)

* Um Jonathan Safran Foers Buch „Tiere essen“ schleiche ich übrigens seit dessen Erscheinung herum, ohne mich dranzuwagen. Viele, die es gelesen haben, versicherten mir nämlich glaubhaft, dass ich nach der Lektüre garantiert schlagartig mindestens Vegetarierin werden müsse. Da ich mich ja sogar zur noch „krasseren“ Form – dem Vegansimus – hingezogen fühle: Warum zum Teufel habe ich dann solche Angst davor, dass mir jemand den Genuss von einem Flück Fleisch hie und da verleiden könnte? Das ist doch total absurd. Dumme Lilian.

 

20 Kommentare zu “Ob wir Tiere essen sollen. Gedanken einer Flexitarierin.”

  1. Sabine sagt:

    Mich treiben diese Fragen auch um. Ich habe Foer vor ein paar Jahren gelesen, habe seine lange Erörterung der Frage „Ist es ethisch-moralisch vertretbar, Tiere zu töten?“ nachvollzogen und bin für mich zu dem Ergebnis gekommen: Ja. Weil ich glaube, dass Tiere im Augenblick leben, keine bewusste Angst vor dem Tod haben (klar, eine instinktive schon) und es daher keine Grausamkeit ist, ihr Leben zu verkürzen. (Und falls jetzt jemand mit geistig benachteiligten Menschen kommt, die man dann aber auch …: Nein, finde ich nicht. Es gibt ein grundlegendes Tabu, die eigene Spezies zu töten.)
    Ich will mir allerdings ebenfalls so sicher wie möglich sein können, dass das Leben der Tiere so „gut“ war wie eben möglich, auch wenn wir da notwendigerweise unsere eigenen und manchmal auch eigennützigen Maßstäbe anlegen. Daher: Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren, unbedingt.
    Was mich aber darüber hinaus antreibt, meinen eigenen Konsum tierischer Produkte ernsthaft zu überdenken und etwas zu reduzieren (und hier darfst Du alles gähnend ignorieren, Lilian): Wenn alle so wie wir, dann Katastrophe. Sprich: Die Ressourcen der Erde reichen nicht aus, um alle Menschen in dem Maß mit tierischen Produkten zu versorgen, wie es hier normal ist. Wenn alle etwas (äh, deutlich) reduzieren, dann reichen die Anbauflächen weiter. Und ja, mir ist klar, dass das ein idealistischer Gedanke ist, der keinerlei Verteilungsprobleme, Weltmarktaspekte etc. berücksichtigt. Aber diese logische Inkonsequenz leiste ich mir.
    Übrigens hat das Video bei mir keinen Aha-Effekt ausgelöst (mal abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass da gar nichts gestellt war). Weil ich finde, dass ein „die armen Tiere“ irgendwie doch zu kurz greift.
    My 2 cents.

  2. mauerunkraut sagt:

    Ich bin ja auch schon seit ein paar Monaten Vegetarierin (dabei mehr Lacto, als Ovo), allerdings weniger aus Tierschutzgründen, sondern weil ich mit der Fleischproduktion wie sie stattfindet ein Problem habe. Und außerdem versuche ich auf diesen Weg wieder etwas bewusster zu essen und mich mehr mit meiner Ernährung auseinanderzusetzen, was bei sehr vielen Menschen ziemlich verloren gegangen ist, dadurch, dass man im Supermarkt nur in ein Regel greifen muss und Werbung uns in bunten Bildern erklärt, dass gezuckerte Lebensmittel ziemlich gesund sind. Mir geht es also mehr um die Gesundheit und das sich Auseinandersetzen mit seiner Umwelt.

    Andererseits ist mittlerweile der Gedanke an das Tier, aus der die Wurst auf der Semmel meines Kollegen gemacht wurde, in aller Deutlichkeit präsent. Und hin und wieder drifte ich etwas philosophisch ab und frage mich: Wenn sich der Mensch als ein „höheres“ Lebewesen sieht, als die übrige Tierwelt, wenn nicht sogar als Krone der Schöpfung, warum hat er es gerade in der heutigen Zeit notwendig Fleisch zu essen?

  3. gearrabbit sagt:

    Ich habe – als ich noch bei meinen Eltern wohnte – täglich Fleisch gegessen. Weil Fleisch immer verfügbar war. Im Kühlschrank lagen Fleischwurst, Salami und Leberwurst einträchtig nebeneinander, meine Mutter kochte abends immer mit Fleisch, hin und wieder hingen Mettendchen neben dem Kühlschrank und Samstags gab es Mett.
    Dass Fleischkonsum unnötig ist, wusste ich natürlich; es hat mich nur nicht interessiert.
    Meinen Fleischkonsum habe ich erst reduziert, als ich auszog und mich selber um den Einkauf kümmern musste. Mir wurde klar: Fleisch ist relativ teuer im Vergleich zu einer vegetarischen Ernährung (objektiv aber eigentlich immer noch viel zu billig).

    Inzwischen esse ich sehr viel weniger Fleisch und stecke in einer ähnlichen Zwickmühle wie du: Grillen ganz ohne Fleisch kann mal ganz nett sein, aber ein saftiges Steak hat etwas. Ein selbstgegrillter Burger ist großartig. Und ein Chili im Winter ohne Hack? Undenkbar.

    Nein, ich habe nichts gegen Fleischkonsum. Aber jeder sollte zumindest reflektieren, ob er wirklich morgens sein Brot mit Fleischwurst belegen sollte, auf der Arbeit dann ein Stückchen Salami „zwischendurch“ essen muss, nur um Mittags in der Kantine den Hackbraten zu bestellen und sich zum Abendbrot dann ein Schnitzel zuzubereiten.
    Denn einige Argumente haben Veganer/Vegetarier ganz sicher auf ihrer Seite: Biologisch ist Fleischkonsum heute nicht mehr notwendig, die Produktion von Fleisch erfordert enorme Ressourcen, die besser genutzt werden könnten und qualvoll für die Tiere ist die (Massen-) Fleischproduktion allemal.

  4. Michaela sagt:

    Meine ganz persönliche Meinung zum Thema:

    Mich nervt das dogmatische unglaublich (nicht in Deinem Text, sondern allgegenwärtig).

    In meinen Augen isst kein vernünftiger Mensch jeden Tag Fleisch. Das ist in der Tat unsinnig, ungesund und völlig daneben.

    Zu einer ausgewogenen Ernährung (z.B. und grade auch bei kleinen Kindern) gehört es dazu. Und damit meine ich nicht den Burger 😉

    Wenn man sich ein wenig Mühe gibt und ein wenig recherchiert (sei es in der eigenen Stadt oder im Internet), findet man ganz ausgezeichnete Möglichkeiten sich auch mit gesundem Fleisch ganz wunderbar zu ernähren.

    Die Problematik ist doch, dass das Angebot (und dadurch auch die Nachfrage) an billigstem , kaputt gezüchteten Fleisch überhaupt besteht. Das sollte man sich wert sein es NICHT zu konsumieren.

    Dieser irre Konsum ist ja durch eine Fleischmafia entstanden. Früher, auf dem Land, gab es den Sonntagsbraten , der auch etwas besonderes war, und unter der Woche eher kaum bis gar kein Fleisch.

    Dazu kommt, dass kaum noch jemand wirklich kochen kann, Lust hat sich mit Lebensmitteln auseinanderzusetzen und natürlich mit deren Verarbeitung.

    Trotzdem bin ich ganz entschieden gegen einen politischen Erlass, auch habe ich keine Lust mir dauernd von „wohlmeinden“ Mitmenschen sagen zu lassen, das ich kurz davor bin als Mörderin zu gelten, weil ich ein gutes Steak, einen tollen Braten oder eine Dorade zu schätzen weiss und es mir schmeckt.

    Geht mir am Allerwertesten vorbei.

    Ich lebe sogar in der (Achtung Ironie:) Bio-Hölle Berlins und kann mir das tgl. wunderbar anschauen wie arme kleine Kinder permanent mit veganen Snacks und/oder Eis malträtiert und von ihren Eltern mit den dazu passenden Mantren infiltriert werden. Das kanns doch auch nicht sein.

    Und nicht zu vergessen: BIO, der Hype um Vegetarier/Veganer ja/nein sein ist auch eine immense Gelddruckmaschine.

    Da halte ich es doch mit einem meiner Händler vom Gemüse/Fleisch/Brotmarkt. Sein Slogan: „Das hier ist alles kein Bio, aber Natur“

  5. Erik sagt:

    Ich frage mich, warum um das Thema Fleisch essen neuerdings so ein Aufhebens gemacht wird. Wem Fleisch nicht schmeckt oder es aus ethischen Gründen nicht verantworten kann, dass Tiere geschlachtet werden soll eben kein Fleisch essen. Tut niemandem weh. Andersrum nervt das Bemühen der Vegetarier, ihren ethischen Standard in Form von Veggie Days oder ständigem Heben des moralischen Zeigefingers anderen aufdrücken zu wollen. In der Natur ist es völlig normal, das Fleisch gefressen wird, kein Löwe wird deswegen ein schlechtes Gewissen haben. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass unsere Fleischtierzucht nichts mit Natur zu tun hat und unterstütze das nicht. Kauft und esst bewusst und alles ist gut.

  6. @JulianForscht sagt:

    Letztendlich ist das deine Entscheidung. In Namibia habe ich gesehen, wie Tiere erschossen wurden. Am gleichen Abend habe ich Fleisch gegessen. Ich nehme in Kauf, dass Tiere erst sterben müssen, damit ich sie essen kann. Hier in Deutschland habe ich das Gefühl, dass die Frage ob man Fleisch isst, gerne verkompliziert wird. Auch die Verbindung zwischen dem abgepackten/portionierten Fleisch und dem Tier an sich, ist gar nicht mehr vorhanden. Wurst ist eben Wurst und die Zutatenliste eine Ansammlung von Worten. Da kommt eben das Hirn des first-world Menschen ins Grübeln.
    Geh doch mal zu deinem Metzger/Bauer des Vertrauens und frag ihn wie er schlachtet. Wenn du den Mut hast, frag ob du dabei sein darfst. Für mich war vieles hinterher einfacher.

  7. Kerstin sagt:

    Bei mir ist es zum Beispiel genau umgekehrt: Ich finde die Vorstellung, Leichenteile – insbesondere von Vierbeinern – zu verzehren, einfach total eklig. Deswegen bekomme ich das nicht herunter. Aber wenn ich sage, dass ich kein Fleisch mag und nicht mal in kleinsten Spuren essen kann, werde ich mit den Worten „Ach, Sie sind Vegetarierin!“ immer sofort in eine ideologische Ecke gedrängt. Das passt mir nicht.

    Wobei ich es eben einfach auch nicht verstehen kann, dass Menschen andere, ihnen nah verwandte Säugetiere wie Schweine (nicht umsonst nennt man den Menschen in manchen Kulturen „Langschwein“) halten, um sie zu töten und zu verzehren. Wahrscheinlich würde mich das also auch dann vom Fleischkonsum abhalten, wenn ich mich nicht sowieso ekeln würde.

    Aber es werden auch Tiere (und übrigens auch Menschen!) misshandelt, die nicht aufgegessen werden. Engagement gegen unhaltbare Zustände sollte sich also nicht auf Vegetariertum beschränken, finde ich. Menschenrechte sind mir dann aber vorrangig vor Tierrechten. Daher passt mir diese Einordnung „Vegetarierin“ nicht.

  8. Nachdenklich sagt:

    Eigentlich wäre es meiner Meinung nach das einzig Richtige und Vertretbare vegan zu leben. Eigentlich weiß ich das und finde es auch nicht ok, Tiere zu essen. Dennoch gibt es hier noch selten Fleisch, wenn auch nur aus Quellen mit denen ich leben kann. Warum? Das ist die Frage. Das Gleiche ist es mit tierischen Produkten allgemein, bei Fisch vergeht einem ja auch schnell der Appetit, wenn man sich einmal näher mit Aquakulturen oder mit dem Fang von Fischen mit allen Konsequenzen beschäftigt. Was noch fehlt, ist die Konsequenz, den Wechsel auch wirklich durchzuziehen…

  9. Kitty Koma sagt:

    Ich habe vor langen Zeiten mal in der gärtnerischen Landwirtschaft gearbeitet. Danach wusste ich, ich muss Pfanzen genauso viel Respekt gegenüber bringen wie Tieren. Pflanzen mögen uns zwar nicht ähnlich sein in ihren Lebensäußerungen, aber sie sind genauso lebendig wie eine Kuh oder ein Schwein. Bestandteil der Schöpfung – wenn man es denn spirituell betrachtet.
    Wir sind als Angehörige einer Nahrungskette – ob dazu nun Tiere oder nur Pfanzen gehören – immer am Töten oder Verhindern von Vermehrung. (Und wir nehmen anderen Lebewesen Nahrung weg.) Tiere essen ist nicht weniger ethisch-moralisch vetretbar wie Pflanzen essen oder in den Naturkreislauf eingreifen und Locknahrung (Früchte, die der Verteilung von Saat dienen) wegzunehmen.
    Angeln, Jagen, Vieh schlachten, Pilze und Beeren sammeln, säen und ernten erfordert Respekt vor dem, was uns die Welt zu nehmen gestattet.

  10. Grober_Unhold sagt:

    Moralempfinden vs. Egoismus

    Interessanter Post.

    An dem Punkt an dem stehst, stand auch ich jahrelang bis ungefähr 2007: Fleischkonsum und ich hatten eine On-Off Beziehung. Seit 2007 bin ich konsequenter Vegetarier, wobei ich mich über längere Strecken auch immer wieder vegan ernähre. Für mich ist es ein guter Kompromiss zwischen dem was ich als moralisch richtig empfinde, nämlich Tierschutz und dem was dem in dieser Hinsicht gegenüber steht: mein egoistisches Bedürfnis nach Geschmack und Genuss.
    Genau dies, nämlich Moral bzw. Moralempfinden und egoistischer Genusssucht ist letztlich der Knackpunkt der von dir geschilderten Situation.
    Nicht nur in Hinsicht auf tierethische Aspekte, sondern in so gut wie allen moralischen Fragen stehen letztendlich persönliche Bedürfnisse, Wünsche – kurz das eigene Ego der Moral gegenüber. Führt man sich das vor Augen und macht sich das klar, bringt das einen im entsprechenden Entscheidungsprozess schon ein ganzes Stück voran, da wir in den meisten Entscheidungsprozessen betreffend Moral reflexartig und automatisch je nach unserer sozialen Prägung und Erziehung reagieren: Den meisten ist ja zum Beispiel eindeutig klar warum wir unseren Mitmenschen keinen Schaden zufügen, obwohl wir in gewissen Situationen und bei einigen Menschen eindeutige Bedürfnisse verspüren. Das hängt damit zusammen, dass wir so erzogen worden und in einer Gesellschaft aufgewachsen sind in der es moralisch eindeutig verpönt ist anderen Menschen Schaden zuzufügen.
    In Hinblick auf Tierethik und den Konsum tierischer Produkte sieht es ganz anderes aus: Unsere Gesellschaft ist ambivalent im Hinblick auf Tierethik: Bestimmte Arten von Tieren (Haustiere, etc.), sowie alle Tiere in bestimmten Hinsichten (Regelungen für die Haltung von „Nutztieren“) werden geschützt – auf der anderen Seite ist das Töten und Essen von Tieren alltäglich.
    In der moralischen Position unser Gesellschaft zu Tieren gibt es also viel Spielraum. Automatische Entscheidungsreflexe ziehen hier also nicht. Hier ist es also tatsächlich gefragt, dass jeder für sich selbst abwiegt und eine persönliche Entscheidung trifft. So lange die Entscheidung ob man seinem moralischem Empfinden oder dem egoistischen Bedürfnis nach Genuss folgen soll, dann auch nicht endgültig getroffen ist – so lange leiden wir dann auch. Ich erlebe das immer wieder im Familien und Freundeskreis: Fleisch wird gegessen, aber man fühlt sich nichts desto trotz unwohl damit und argumentiert ständig mit sich selbst, á la: „Das Essen bestimmter Tiere ist doch in Ordnung“, „ich esse doch nur Biofleisch und nur ganz wenig“, etc. Letztlich sind das Taktiken das eigene Gewissen zu beruhigen, die aber langfristig nicht zu einem Leben führen in dem man mit sich selbst im Reinen ist: Langfristig macht es also nicht glücklich, sondern man quält sich immer weiter und schiebt die eigentliche Entscheidung hinaus. Der entsprechende Leidensdruck entsteht daraus, dass man keine klare Entscheidung trifft, dass man sich in der Schwebe befindet. In Hinblick auf den Konsum von Tierfleisch gibt es eben nur zwei mögliche Entscheidung – der Rest ist nur Selbstbeschwichtigung: Entweder man ißt Fleisch und akzeptiert, dass dafür Tiere getötet werden oder man ißt kein Fleisch. Denn egal wie gut die Haltungsbedingungen für ein Tier bis zu seiner Schlachtung auch sind: Schlachtung bleibt Schlachtung. Unser moralisches Empfinden ist da eindeutig: Es bringt diesbzgl. überhaupt nichts nach möglichen Faktoren zu suchen, die das Töten von Tieren möglicherweise akzeptabler machen: rein moralisch gesehen gibt es die nicht. Alle Versuche Ausflüchte in dieser Hinsicht zu finden laufen nur in moralische Widersprüche.
    Als ich genau diesen Punkt erkannt hatte, habe ich für mich persönlich damals auch den Schluss gezogen, keine Tiere mehr zu essen – weil mir bewusst wurde, dass ich mein Moralempfinden nicht einfach ignorieren kann. Und mir das klar zu machen hat mir geholfen vom Fleischkonsum zu lassen, obwohl ich von frühster Kindheit an eigentlich passionierter Fleischesser war. Letztlich muss jeder die Entscheidung für sich selber treffen: Entweder entscheidet man sich konsequent egoistisch zu sein und eigene Bedürfnisse den Bedürfnissen von Tieren klar über zu ordnen oder man entscheidet sich für den Vegetarismus / Veganismus. Als Flexitarier aus moralischen Gründen bleibt man jedoch meiner Meinung nach auf Dauer unglücklich und unzufrieden. Daher kann ich dir und allen anderen in dieser Situation nur empfehlen sich aufzuraffen und das moralische Dilemma endlich zu beseitigen: Entweder auf die eine oder eben die andere Weise und einen Punkt zu erreichen an dem man moralisch mit sich im Reinen ist. Ess Fleisch oder lass es bleiben – ein Zwischending führt nicht zu einem Leben in dem man mit sich selbst zufrieden und entsprechend glücklich ist.

    Soweit meine Gedanke zu dem Thema.

    Viele Grüße,
    der Grobe Unhold

  11. beckes sagt:

    Ich denke hier gibt es 2 Aspekte:

    1. die Gesundheit. Hier muss jeder für sich entscheiden, was er in sich reinschaufelt.
    Wenn Grillfleisch, Fleischwurst & Co. günstiger als Hundefutter sind, muss man kein Genie sein, um zu begreifen, dass da was nicht stimmen kann.
    Aussagen, dass zu einer ausgewogenen Ernährung Fleisch einfach dazu gehört, stimmen faktisch nicht! Wer als Vegetarier oder Veganer nur noch Chips auf der Couch isst, wird irgendwann natürlich Probleme bekommen.
    Im Gegenteil dazu ist bekannt, dass ein großer Teil der 10 häufigsten Todesursachen in westlichen Industrienationen auf den Konsum tierischer Produkte zurückzuführen sind. Warum man davon so wenig hört? It’s all about the Benjamins, und die Lobby ist sehr groß!

    2. Ethik. hier kommen noch andere Lebewesen ins Spiel. Die Menschen lieben Hunde, Katzen und finden Tiere einfach süß. Portioniert und abgepackt, entfremdet und nicht wieder zu erkennen kaufen wir sie aber gerne zum Essen.
    Müssen wir aber nicht, wir sind darauf nicht angewiesen.
    Argumente für den Konsum lauten z.B. sind doch nur Tiere, schmecken halt so gut oder naja, so viel ess ich doch garnicht.
    Alles Scheinargumente – ethisch gibt es KEIN Argument dafür ein Tier zum eigenen Genuss (essen), Unterhaltung (Zoo, Jagd, Zirkus) oder zum Einkleiden zu töten (Fell, aber auch Leder und Wolle, sowie Daunen).

    Tiere sind mitfühlende Lebewesen, die Empathie, Freude, Angst etc. empfinden können.

    Wer den Mut hat, sollte sich einfach mal Earthlings von Joaquin Phoenix anschauen. Den gibts kostenlos bei Youtube. Danach bitte nochmal überlegen und ggfs. eine zweite Meinung bilden.

    Wenn Schlachthäuser Glaswände hätten, wären wir alle Vegetarier!

    PS. bin weder Vegetarier noch Veganer, doch auf dem besten Weg…

  12. Sandra sagt:

    Mich haben erst die metabolische Ernährung, später dann noch die Kombination mit den Ansichten meiner Yoga-Trainerin (die weiß der Himmel nicht sehr spirituell unterwegs ist) dazu gebracht, kein Fleisch mehr zu essen. Seit März bin ich also, äh … Flexi … Pesce … was auch immer. Ich esse Fisch, Eier, Milchprodukte (lactosefrei). Aber kein Fleisch. Wobei auch der Fisch schon grenzwertig ist, weil es mir um die Tiere geht. Entschieden habe ich mich zu dieser Ess-Form allerdings mehr deshalb, weil es mir ganz banal irgendwann einfach nicht mehr geschmeckt hat. Ich habe Fleisch aus Gerichten aussortiert (beim Geschnetzelten beispielsweise, nur noch Sauce mit Nudeln bzw. Spätzle – ja, mit Ei) und gemerkt: Nö, das gibt mir tatsächlich nix mehr. Und es fehlt mir auch nicht.

    Seit März also. Stattdessen kommt öfter Tofu auf den Tisch, und das schmeckt mir richtig gut. Dabei geht es mir nicht um „Fleisch-/Wurstersatz“ (das habe ich schon viel zu oft diskutieren müssen), sondern um ein Produkt, das mir in seiner Reinform einfach gut gefällt, das ich gerne verwende und das Abwechslung auf meinen Speiseplan bringt.

    Mein persönliches Fazit: Ich esse kein Fleisch mehr, weil es mir nicht schmeckt und ich gesund leben möchte. Wobei ich mir offen lasse, bei Heißhunger jederzeit auch wieder ein Steak zu essen. Aber dann: ein gutes. Eins, von dem ich die Herkunft kenne. Nichts Schlimmeres als die 4,90 Euro Kilosparpacks Putenfleisch. Ein Greuel!

    Übrigens ist es mir oft unangenehm, zu behaupten ich wäre Vegetarier. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht sehr konsequent bin (aufgrund des Fischs), oder dass ich das erst seit März mache. Oder dass ich mir die Hintertür offen lassen will … ich weiß es nicht, antworte aber oft, dass ich nur kein Fleisch esse.

    Die vegane Lebensweise geht mir zu weit – das gebe ich offen zu. Nein, so korrekt und konsequent bin ich nicht und will es auch nicht sein, vorerst. Größten Respekt aber vor all denen, die das durchziehen.

  13. Marie von den Benken (@Regendelfin) sagt:

    Ich bin schon seit vielen Jahren Vegetarierin. Bei mir kam das, als ich meine beiden Katzen bekam. Plötzlich hatte ich zwei kleine Mitbewohner um mich, die nachts auf mir schliefen und deren Herzschlag und Atmung ich fühlen konnte – und ich begann damit, Tiere als wirkliche Lebewesen zu sehen.

    Natürlich hatte ich vorher genüsslich Fleisch und Wurst gegessen. Ohne jemals darüber nachzudenken. Weder habe ich mich über die gesundheitlichen Aspekte informiert, noch über die ökologischen. Auch nicht über das Leid der Tiere. Das tat ich dann und ich muss zugeben: Ich teile die Meinung, dass ein normal denkender (und fühlender) Mensch nach der Lektüre von „Tiere Essen“ oder den einschlägigen Dokumentationen weiterhin guten Herzens Fleisch essen kann.

    Ich habe am Anfang gedacht, dass es möglicherweise sehr radikal ist, andere damit zu konfrontieren. Jeder, der Fleisch isst, nimmt ja gleich so eine Verteidigungshaltung ein, wenn er auf einen Vegetarier oder einen Veganer trifft.

    Mittlerweile habe ich zumindest bei engen Freunden und meiner Familie mit dem fleissigen Verteilen von „Tiere Essen“ und tollen vegetarischen und veganen Kochbüchern – und das führt mal zu mehr, mal zu weniger verständnisvollen und/oder effektiven Diskussionen. Denen stelle ich mich aber. Ohne Anspruch zu missionieren.

    Insgesamt sehe ich es so: Jeder muss das für sich selber entscheiden. Ich werde weder traurig noch sauer noch zickig, wenn ein Freund sich beim Essen ein Steak bestellt. Jeder muss selber wissen, ob er Leichenteile essen möchte, die am Ende nur durch den Einsatz von tagelangen Kühlketten und Unmengen von Gewürzen halbwegs schmackhaft und unverdorben gehalten werden können. Ich suche da keine provozierenden Diskussionen.

    Und ich will auch hier nicht mit irgendwelchen Moral-Keulen wedeln oder mich selber zum Gutmenschen hochsterilisieren („sterilisieren“ – Hallo, Bruno Labbadia).

    Ich kann aber einfach nur jedem raten, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Und sei es nur aus egoistischen Gründen, nämlich dass man sich selber nicht unnötig mit Giften und Medikamenten hinrichtet, die man durch das billige Fleisch aus den Industrieproduktionen zu sich nimmt. Da muss keiner an ein kleines süsses Schwein oder ein tapsiges Kalb denken und traurig werden. Das verlange ich nicht. Ich setze aber voraus, dass man mitdenkt. Zumindest für sich selber. Und ich kenne niemanden, der nicht gerne lange gesund und viele Jahre alt werden würde.

    Daher sind solche Texte wie dieser auch wichtig. Ich finde es ehrlich und hilfreich für andere, wenn man sich so offen mit dem Thema auseinander setzt. Und jeder, der einen Tag in der Woche weniger Fleisch isst, ist doch schon ein Erfolg. Veggie Day oder nicht. Es kann sowieso niemand jemandem das Fleisch essen verbieten. Aber zum Nachdenken anregen, das sollte man noch dürfen. Und das machen Texte wie dieser – also Danke dafür!

  14. Michaela Albrecht sagt:

    Ich habe auch „Tiere Essen“ gelesen und bin seitdem Vegetarierin, ebenso eines meiner Kinder (das andere fällt immer wieder um) und mein Mann. Sehr selten mache ich mal eine Ausnahme, weil ich Fleisch leider auch immer noch lecker finde (vor allem Lammfilets #seufz). Oft, wenn ich mal Lust auf Fleisch habe, denke ich an die geshredderten Hähnchenküken, und dann fällt mir der Verzicht wieder ganz leicht.
    Vegan schaffe ich noch nicht, obwohl ich eigentlich der Meinung bin, dass auch Milchwirtschaft barbarisch ist und obendrein Krebs fördert.
    Es gibt so viele Gründe, kein Fleisch zu essen, dass ich mich eigentlich wundere, dass es nicht viel mehr Vegetarier gibt. Der einzige Grund, Fleisch zu essen, ist: es schmeckt gut. Ist ein bisschen wenig, um dafür so viele Tiere so barbarisch zu behandeln.

  15. textzicke sagt:

    Liebe Kommentatoren,

    vielen Dank für Eure Meinungen! Mit vielen davon kann ich mich (bzw. mein Dilemma) identifizieren, mit manchen gar nicht. Ich sehe aber, dass es fast niemandem einfach so „am Arsch vorbeigeht“, woher das Schnitzel auf dem Teller kommt, wie das Spendertier lebte und was für Auswirkungen Fleischkonsum auf alles Mögliche hat.

    Den Satz, der aber doch alles auf den Punkt bringt, ist dieser hier von @Michaela:
    „Der einzige Grund, Fleisch zu essen, ist: es schmeckt gut. Ist ein bisschen wenig, um dafür so viele Tiere so barbarisch zu behandeln.“

    Danke dafür. Ich habe dem momentan nichts hinzuzufügen.

  16. @TimforTroy sagt:

    Die Frage ist für mich ganz klar beantwortet: Ja!

    Ja zum Fleisch, ja zum Verzehr, ja zur Zucht und vor allem ja zum Genuss. Grundsätzlich ist nämlich rein gar nichts falsch daran. Ebenso wenig daran, es auch ohne zu versuchen und zu leben.

    Fleischverzehr ist natürlich!

    Aber wer kann schon hundertprozentig genießen, nach dem die Skandale der Lebensmittelindustrie ganze Abendsendungen füllen, die Gazetten besetzen und im Internet Festplatte um Festplatte mit Skandalvideos belegen. Diese grundsätzliche Natürlichkeit verliert sich in den weiten der Zucht- und Schlachtbetriebe, auf den globalisierten Märkten, auf denen ein Schnitzel mehr Kilometer auf dem Buckel hat als ein Testfahrer bei VW und deine Lasagne zu Lebzeiten noch unter einem rumänischem Jockey hing.
    Das bringt mich auf meinen springenden Punkt, den Konsum. Konsum und Markt bestimmen die Anforderungen an ein Produkt. Schneller, billiger, effizienter muss alles werden. Das breite Volk will jeden Tag bezahlbare, abwechslungsreiche Spezialitäten in der Kühltheke vorfinden. Das trifft ja nicht nur im Bereich der tierischen Lebensmittel zu.

    Das Problem ist ja nicht der Fleischverzehr an sich, sondern der Weg bis dorthin. In anderen europäischen Ländern greift die Politik stärker in den Markt ein und beugt dem wilden Zusammenstellen von ausländischen Lieferanten und Produktionsstandorten vor. Aber daran ist in Deutschland nicht zu denken. Marktregulierung ist nicht erwünscht in einem Land, in dem alle nur nach bunter Freiheit schreien. Dein Stück Fleisch von einer Kuh kommt aus allen Teilen der EU! Da fehlt es an Transparenz. Wer will denn schon tausende Tonnen von Importfleisch auf Herz und Nieren prüfen? Und das täglich…

    Der Mensch will und kann… Im Bio-Boom der letzten Jahre hat sich das Bewusstsein des allgemeinen Konsumenten wieder deutlich verbessert. Die Leute kriegen wieder ein Gewissen. Sie wollen, dass es dem Huhn und seinem Ei gut geht, und am Frühstückstisch die bereits erwähnten Gazetten lesen, ohne dass sie sofort Produkte vor sich finden, die dort in der Luft zerissen werden. Schön! Aber Bio kostet. Es kostet für viele immer noch mehr als das schlechte Gewissen. Mehr als sein Gesicht im vegetarischen Freundeskreis zu verlieren, wenn man sich als Fan von Billig-Schnitzeln outet. Aber wem will man in Zeiten von Niedriglöhnen und Arbeitslosigkeit schon den „Geschmack“ an billigen Nahrungsmitteln vermiesen. Nicht jeder kann, auch wenn er wollte, des Fleischers frische Thekenware ordern, geschweige denn die gute Bioware auf den täglichen Einkaufszettel kritzeln. Also geht es ab sofort auch ohne Fleisch. Vegetarier überziehen das Land, und das nicht zu unrecht!

    Bei uns hier im Osten halten sich die privaten Höfe wieder eigene Tiere, vermehrt schlecht besuchte Fleischereien hingegen halten nun die Hand vor`m Arbeitsamt auf. Kontrovers! Also welchen Weg gehen wir denn nun, um wieder gewissenhaft in das saftig, gesunde Filet beißen zu können? Wir haben in der Masse viel mehr Einfluss, als wir denken. Aber Vater Staat brauch billige Lebensmittel, um den dauermeckernden Durchschnitts-Michel bei Laune zu halten. Wer satt ist geht nicht auf die Straße…

    Ich finde es auch nicht schlimm, dass Tiere getötet werden. Schon gar nicht, wenn es dazu dient, dass ich am Ende des Tages satt und gesund ins Bettchen falle. Fleisch ist für mich wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung. Da verunsichert es natürlich, wenn Schreckens-Szenarien um Medikamente und Schadstoffe im Fleisch fast schon Alltag sind. Mit Gammelfleisch werden Händler reich! In der Forst sterben Tiere nur um die biologischen Verhältnisse in Wäldern zu regulieren. Kranke Tiere werden geschossen um die Ausbreitung derer zu vermeiden. Wir jagten seit tausenden von Jahren, um uns das Überleben zu sichern. In der modernen Zeit sicherlich keine nützliche Aussage mehr. Heute reicht natürlich der Gang zum Fleischer aus. Man wird aber auch fleischlos alt! Warum auch nicht? Aber in unserer „überhumanisierten“ Welt wird doch schnell übertrieben. Gerade was Zucht und Verzehr von Tieren betrifft . In euren Kommentaren ist dort von „Leichenteilen“ die Rede. Ja geht`s noch? In den großen Schlachthöfen stirbt das Tier weitaus „friedlicher“ als noch vor hundert Jahren. Unser Fleischkonsum ist kein Schrecken des 21. Jahrhunderts, sondern hat eine gewisse Entwicklung hinter sich.

    Ich wünsche mir keinen Veggie Day in der Kantine, befürworte aber eine Öffnung in allen Bereichen, um Flexitariern und Veganern das Leben nicht unnötig schwer zu machen. Das ebnet auch eher den Weg der friedlichen Diskussion. Ich bin für bewussten, geringeren Fleischkonsum, der sich wieder regionaler orientiert und finanziell von politischen Maßnahmen gefördert wird.

    Na dann guten Appetit!

  17. 2m6 sagt:

    Hallo,
    ich schreibe einfach mal drauf los. Herr Troy hat einige meiner Punkte schon vorweggenommen oder zumindest aufgegriffen.

    Ich esse Fleisch und ich werde damit wohl auch nicht auffhören (können).

    Nachfolgendes ist weniger Rechtfertigung, als vielmehr das, was ich seit mehr als 30 Jahren erlebt habe.

    Ich bin quasi mit dem Fleischkonsum aufgewachsen, in dem Sinne, dass mein Opa Jäger und Angler war und er durch seine Frühpensionieren nach der Wende praktisch seinen ganzen Tag mit Hof- und Waldpflege verbrachte. Es war also ganz natürlich, dass am nächsten Morgen eventuell ein Reh oder ein Wildschwein am Baum hing. Auch das, hier so oft als barbarisch beschriebende Zerlegen war für mich normal. Genauso war es beim Angeln. Den Fisch, den man in stundenlanger Ruhe in der Natur fing, selber ausnahm und am Abend auf dem Tisch hatte. Damit bin ich aufgewachsen und ich hatte mir mit meiner kindlichen Naivität nie etwas dabei gedacht.

    Das erste Mal, das ich etwas befremdlich fand, war die Zeit bei meinen anderen Großeltern und meine Hilfe nachmittags im Kuhstall eines ehemaligen LPG-Betriebes. Die Arbeit an sich machte Spaß und wer füttert nicht gern ein neugeborendes Kalb. Was ich als widernatürlich empfand, war die Art der Zucht, die Befruchtung, die Massenabfertigung innerhalb des Stalls. Das hatte nichts mehr mit Eigenversorgung und Bauernhof zu tun.

    Bevor ich abschweife.

    Ich frage mich, ob der menschliche Körper für den konsequenten Fleischverzicht gemacht ist. Unser Verdauungssystem ist für vorgegarte Nahrung gemacht. Landwirtschaft gibt es erst seit einigen tausend Jahren. Evolutionsbiologisch zu wenig Zeit, damit sich der Körper ändert. Ich hörte von Menschen aus dem Gesundheitssystem, dass sich bei einigen Veganern/Vegetariern Autoimmunkrankheiten gebildet hätten.

    Auf der anderen Seite macht übermäßiger Fleischkonsum krank. Färdert Rheuma und viele andere Krankheiten.

    Ich persönlich kann nicht auch noch auf Fleisch auf meinem Speiseplan verzichten, da ich sowohl auf normale Milchprodukte verzichten muss, als auch auf die gängigen Getreidesorten. Fleisch trennt mich quasi vom Veganismus, die Vegetarierstufe überspringend. Würde ich mich dem Verzicht hingeben, bekäme ich arge Probleme durch übermäßigen Verzehr von Ballaststoffen, woraus Gemüse und Obst nunmal zum großen Teil bestehen.

    Ein anderer Punkt ist der Anbau von Soja für die Herrstellung von Sojaprodukten aller Art.
    Es werden schon jetzt riesige Flächen für die Anbau benötigt. Soja braucht zudem spezielle klimatische Bedingungen und wächste deshalb nicht überall. Der Anbau verändert ganz Landstriche, nicht zugunsten der Natur.
    Eine Kuh grast im kärgesten Wüstenland und brauch nicht annähernd so viel Fläche.

    Egal, hier wurde schon fast alles gesagt. Zusammenfassend würde ich mir wünschen, dass jeder über seine Ernährung nachdenkt, was den Fleischkonsum einschließt. Es muss nicht jeden Tag in der Woche Fleisch auf den Tisch. Lieber nur ein-, zweimal dafür Fleisch aus der Region, am besten unter biologischen Aspekten „hergestellt“. Fleischessern das Fleisch essen vermiesen zu wollen, ist genauso abartig, wie Vegetarier und Veganer zu denunzieren. Wir müssen weg von Massentierhaltung, Weg von Sojawahn, weg jederzeit verfügbarem, exorbitant vielfältigen Lebensmittelangebot. Bio muss bezahlbar werden, für alle, ohne Verlust der Standards und der Qualität.
    Selber kochen und zubereiten, das Essen schätzen lernen, was da vor einem steht.

    Ich könnte das Thema Lebensmittel noch weiter ausführen, was dann aber nichts mehr mit Zickes Kernfrage zu tun hat.

    Eines zum Schluß:
    Ich denke mir oft, der Mensch ist das einzige Säugetier auf dieser Erde, welche sich gewissensbisse um seine Nahrung macht. Der Wolf im Wald, der Vogel im Nest, die Löwen in der Steppe und alle anderen Tierarten philosophieren nicht darüber, was sie da gerade tun, wenn sie Beute erlegt haben.

    Dass der Mensch dies tun kann und es auch zelebriert, zeigt mir nur wieder den humanen Egoismus. Das „sich über Alles stellen“.

    Es wird der Zicke sicherlich nicht großartig weiterhelfen in ihrem Dilemma und sie möge mir auch alle Textfehler um 1 Uhr nachts verzeihen.

  18. Tanja sagt:

    Vielen Dank, liebe Textzicke, für das Thema! Ich habe das Gefühl, dass in der letzten Zeit viele Menschen um mich herum darüber nachdenken, zumindest zeitweise vegetarisch oder vegan zu leben oder es bereits tun. Seit einigen Wochen denke ich auch verstärkt über meinen/unseren Fleischkonsum nach. Allerdings nicht, weil ich keine Tiere töten möchte.

    Ich persönlich habe gar kein moralisches Problem damit, Tiere zu essen. Wie hier schon geschrieben wurde, ist Fleischessen (und daher auch Fleischjagen und Tieretöten) grundsätzlich ein natürlicher Vorgang für Mischköster wie uns Menschen. Ich sehe keinen Grund, uns das abzutrainieren, nur um uns zu den moralisch „höheren“ Lebewesen zu machen. Ich möchte KittyKomas Post dick unterstreichen „Angeln, Jagen, Vieh schlachten, Pilze und Beeren sammeln, säen und ernten erfordert Respekt vor dem, was uns die Welt zu nehmen gestattet.“ Das hat ganz einfach auch etwas damit zu tun, dass wir uns langfristig schaden, wenn wir ständig in die Natur eingreifen und dauerhaft mehr nehmen als wir brauchen bzw. da ist, also Rohstoff- und Nahrungsquellen ausbeuten.

    Ich finde es allerdings schwierig, meine Moral und meinen Respekt vor dem Leben und der Natur nur dann einzuschalten, wenn mich Tiere mit hübschen Kulleraugen anschauen. Pflanzen sind auch Lebewesen, die wir zu unserem Nutzen ausbeuten. Und was ist mit denen, die wir kaum sehen und nicht im Blickfeld haben? Wenn ich über eine Wiese gehe, zertrete ich Ameisen und viele Insekten. Das muss ich in Kauf nehmen, wenn ich hier leben will. Ohne mit der Wimper zu zucken, töte ich Mücken, kurz bevor sie mich stechen wollen. Motorradhelme sind voller blutiger Fliegenleichen nach der Autobahnfahrt. Wir sind groß und nehmen viel Raum ein auf dieser Welt.
    Aber das ist keine Schuldfrage, sondern Teil des Systems.

    Die Probleme, die mich selbst in die Schuld nehmen, haben (für mich) nichts mit dem Thema „Tiere“ speziell zu tun, sondern mit einer weltweit völlig unvernünftigen Nutzung der Ressourcen dieser Erde – die nicht nur langfristig zu großen Problemen führen wird, sondern auch gegenwärtig zu einer starken Ungleichverteilung, zu Ausbeutung, zu einem riesigen Macht- Gesundheits- und Wohlstandsgefälle und auch zu Quälerei von Mensch und Tier führt. Mir fällt es sehr schwer, das Tierthema daraus zu isolieren. Und ich kann mich nicht mit Vegetarismus von der Schuld freikaufen, dass ich auf der Sonnenseite stehe, auf der ich mir tatsächlich aussuchen kann, was ich esse und wie viel ich esse.

    Aber ich kann diese Tatsache nutzen. Und entscheiden, zukünftig weniger Fleisch zu essen und auf die Produktionsbedingungen zu achten. Und auch meinen gesamten Konsum und Energieverbrauch immer wieder zu überdenken.

  19. Annette sagt:

    Ich bin ebenfalls eine bekennende Flexitarierin – und das ist meines Erachtens auch eine sehr gesunde Art der Ernährung. Vor allem, wenn die Produkte, die täglich auf den Tisch kommen, von einem Demeter-Bauernhof stammen. Ich bin in der glücklichen – und deutschlandweit sicher privilegierten – Situation, Mitglied einer Wirtschaftsgemeinschaft zu sein, die ihre Lebensmittel nahezu ausschließlich einem Demeter-Bauernhof verdankt (siehe http://www.buschberghof.de, Achtung – gruselige Webseite, die wird zurzeit gerade überarbeitet und erscheint demnächst hoffentlich in schönerer Form). Wir bekommen viermal im Jahr Fleisch und Wurst vom Rind und Schwein, zweimal auch vom Lamm und einmal – zu Weihnachten – gibt es eine Ente oder eine Gans. Uns reicht das völlig. Wir essen ca. 1-2mal in der Woche ein Fleischgericht, hin und wieder Fisch (weil ich für dessen Erwerb einmal quer durch die Stadt in den weltbesten Fischhandel der Schwestern Schlüter fahren muss, das tue ich nicht so oft). Das Fleisch, das wir vom Bauernhof bekommen, ist erstklassig.
    Diese Form der wohnortnahen Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten ist für mich die beste, die es gibt. Und vielleicht tragen die Lebensmittelskandale unserer Zeit dazu bei, dass sich diese Form der „community based agriculture“ weiter verbreitet.
    Eine gesunde Mischung aus pflanzlicher und tierischer Kost scheint mir dem menschlichen Organismus angemessen – jedenfalls hier in Westeuropa. Wenn jemand – aus welchen Gründen auch immer – kein Fleisch oder keine tierischen Produkte essen mag: bitte. Jeder nach seiner Façon. Daraus jedoch weltanschauliche Dogmen zu machen, hat mich schon immer gestört.
    Den Veggie-Tag fand ich allerdings eine sinnvolle Maßnahme, um dem Gemüse zu mehr Respekt zu verhelfen. Denn dass wir nicht jeden Tag Fleisch essen sollen, das ist doch eine Binse. Und da die meisten Menschen viel zu viel Fleisch essen – was zu den bekannten Problemen der Massentierhaltung geführt hat – kann man da ruhig ein bisschen erzieherisch nachhelfen. Warum sich hier gleich die halbe Republik in ihren Menschenrechten bedroht fühlt, kann ich nicht nachvollziehen.
    Und auch wenn man nicht zu so einer Wirtschaftsgemeinschaft gehört, kann man auf die Qualität der Lebensmittel achten. Das Demeter-Siegel ist mit das strengste, das es in Deutschland gibt – da ist man immer auf der richtigen Seite. Viele geben einen Haufen Geld für alle mögliche Elektronik und Riesen-Flachbildschirme aus – warum nicht mehr Geld in das investieren, was für unsere Gesundheit mit am wesentlichsten ist: die Ernährung.

  20. doppelfish sagt:

    Achja, „Veggie Day“, da war doch neulich was. Einmal pro Woche sollte in der Mensa oder Kantine ausschließlich Pflanzenleichen auf den Teller kommen.

    Denn Pflanzen erfüllen genauso die fünf Merkmale des Lebens wie Tiere. Was sie natürlich nicht bieten können, ist das Kindchenschema, auf das wir Säugetiere ansprechen wie die Bienen auf die Farbe der Blüten.

    Genauso wenig, wie eine Kuh ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie die Grashalme abreist, oder der Löwe, wenn er eine Antilope reißt, habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich ein gutes Stück Fleisch verzehre.

    Zumal, wenn das Fleisch aus einer Quelle kommt, die für moderne und für das Tier schmerzlose Tötungs- und Schlachtmethoden bekannt ist.

    Warum es aber immer noch sein kann, daß Tiere leiden müssen, ob es jetzt Säugetiere sind, die zu Tode gequält werden, oder Fische, die in den Netzen der Fischer zappeln, bis sie erstickt sind, ist tatsächlich ein Mißstand.

    Diesem Mißstand kommen wir nicht bei, indem wir den Köchen vorschreiben, was sie zu kochen haben. Sondern, indem wir da hingreifen, wo das Leiden verursacht wird, bei einer nicht tiergerechten Zucht, Haltung, Fang und Schlachtung der Tiere. Und indem wir da hingreifen, wo die eigentliche Macht liegt, nämlich bei den Menschen, die es tagtäglich in der Hand haben, das billige Fleisch beim Discounter zu kaufen, oder das (deutlich) teurere Fleisch, das aus einer ethisch vertretbaren Produktion stammt.

    Denn die Fleischlieferanten, denen man vorwirft, sie würden die Tiere unwürdig behandeln und grausam schlachten, machen dies nicht zum Spass. Sondern weil sie damit Geld verdienen. Geld, daß immer aus unserer Tasche kommt – wenn wir es denn ausgeben.

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