Seit vielen Jahren besch├Ąftigt mich das Thema „Fleisch essen oder nicht?“.
Ethisch bin ich auf dem Standpunkt, dass es eigentlich ein Unding ist, atmenden Wesen das Leben zu nehmen, um sie dann aufzuessen. Kulinarisch bin ich leider ein Fan von gutem Fleisch. Unter einigerma├čen vertretbarem Fleischgenuss verstehe ich aktuell, dass Fleisch ├Ąu├čerst selten auf den Tisch kommt und wenn, dann nur aus Quellen, die ich kenne und denen ich vertraue. Das kann ein Bauernhof in meiner Umgebung sein oder das Fleisch aus dem Bioladen, das seine Herkunft ganz transparent kommuniziert. Ob die Tiere rein bio gef├╝ttert werden, bewerte ich pers├Ânlich dabei eher nachrangig – ganz im Gegensatz zu ihrer Haltung. Da w├╝sste ich gern, dass sie es zumindest gut haben, bis man sie schlachtet. Meine Kinder denken ├╝brigens genauso.

Seit gestern wei├č ich, dass man Menschen wie mich/uns als Flexitarier bezeichnet. Schade ist, dass unter diese Kategorie bereits Leute fallen, die „nur 3 x w├Âchentlich Fleisch essen“ oder die „versuchen wollen, ihren Fleischkonsum zu verringern“. Hallo? „Nur“ dreimal pro Woche Fleisch? Das war f├╝r mich schon viel, bevor ich mir auch nur den allerersten Gedanken dar├╝ber machte!!! Den Rest des Beitrags lesen »

Ein gutes Herz.

1. Dezember 2012

Heute sortierte ich alte Kinderzeichnungen und -basteleien aus, denn man kann ja nicht alles behalten, stimmt’s? Herzerw├Ąrmende „Liebesbriefchen“ beider Kinder kamen da zum Vorschein, viele niedliche Buntstiftbilder und einige recht kryptische Klebe-Installationen. Ich bin sehr froh, die Kunstwerke jeweils r├╝ckseitig mit Namen, Datum und teils Erl├Ąuterungen versehen zu haben – denn nicht bei jedem St├╝ck erschlie├čt sich die Bedeutung auf Anhieb. ­čśë
Ein Klebe-, nun … -dings fiel mir besonders auf. So sieht es aus:

Sieht eher … unspektakul├Ąr aus, ich wei├č. Das ist aber ein riesiges Missverst├Ąndnis! Denn was man hier sieht, hat Zauberkr├Ąfte, die die Welt ver├Ąndern k├Ânnen. Gefragt, was er denn da gebastelt habe, erkl├Ąrte der damals Dreij├Ąhrige n├Ąmlich dies:

„Das ist doch eine Zaubermaschine! Wenn man die irgendwo hinlegt und ‚Simsalabim!‘ sagt … dann kriegen alle armen Kinder Pizza.“

So schlicht, so wunderbar denken Kinder. Und deshalb sollten wir unsere Augen und Ohren weit aufsperren und jeden Tag von ihnen lernen.

Wer ich bin.

24. November 2012

Vor einiger Zeit hat ein noch sehr junger, aber schon sehr weiser junger Mann einen Blogbeitrag ver├Âffentlicht, der mich zu diesem hier inspirierte*. Den jungen Mann kenne ich unter dem Twitternamen @mitnichten, sein Artikel hei├čt ÔÇ×Autobiografie ÔÇô Zusammenfassung meines bisherigen LebensÔÇť und er ist gro├čartig. Zum einen, weil er auf eine schlichte Art gut geschrieben ist ÔÇô und zum anderen, weil beim Lesen ein derart genaues Bild des Schreibenden entsteht, dass man fast ein bisschen verlegen wird vor so viel Offenheit.

Offenheit ist nun etwas, das ich extrem sch├Ątze. Zu verbergen habe ich nichts. Und deshalb ├Âffne auch ich heute die T├╝r zu meinem Backstagebereich ein wenig und stelle mich auf eine etwas andere Weise vor. Herzlich willkommen bei meinem Lebens-Striptease und prost.

Ich wurde am 6.6., um 18 Uhr 12, in Zimmer Nummer 6 und als 6. Kind des Tages in einer Schwandorfer Klinik geboren, weshalb, und das ist nicht gelogen, die 80-j├Ąhrige Nonne/Hebamme zu meiner Mutter sagte: „H├Âh├Â, das wird mal ne Sexbombe!“. Ich bin Rechtsh├Ąnderin, spiele aber mit links Federball. Ich liebe den Duft von frisch gem├Ąhtem Gras, feuchtem Beton (!) und geraspelten Salatgurken. Ich hatte eine gl├╝ckliche Kindheit und es macht mich traurig, dass das eine Ausnahme zu sein scheint. Ich habe als Teenager ein Jahr lang in einer Can-Can-Truppe getanzt. Ich vertrage Unmengen klaren Schnapses, aber nur ganz wenig Bier oder Wein. Softdrinks jeder Art lasse ich als Getr├Ąnke nicht gelten, Karotten- oder Rote-Bete-Saft hingegen schon. Ich bin unglaublich ungeduldig. In meiner Hosentasche trage ich stets irgendeinen glatten Stein herum, den ich in der Hand halte, wann immer es geht. Das beruhigt mich. Ich kann keine Menschen respektieren, die stinken, weil ich ihnen unterstelle, dass ihnen andere egal sind. Ich bin so s├╝chtig nach Lesen, dass ich in Abwesenheit von B├╝chern auch Packungsbeilagen oder Texte auf Milcht├╝ten verschlinge. Ich finde, dass M├Ąnner Helden sein sollten, weil Zivilcourage sexy ist. W├Ąhrend meiner beiden Schwangerschaften war mir nicht ein einziges Mal ├╝bel. Unser Sohn kam 5 Wochen zu fr├╝h auf die Welt, aber obwohl er nicht mal zwei Kilo wog, machte ich mir keine Sekunde lang Sorgen um ihn, weil ich wusste, dass er okay ist. Vielleicht liegt das daran, dass ich ihn quasi rauslachte, denn die Wehen kamen vor lauter Lachen ├╝ber den Film „Verr├╝ckt nach Mary“. Alles – medizinisch wie systemisch – weist darauf hin, dass er ein ├╝berlebender Zwilling ist. Sein Bruder hat sich in der 9. Schwangerschaftswoche verabschiedet und ich f├╝hle mich schlecht dabei, dass ich dar├╝ber sogar ein bisschen froh bin, weil ich mir n├Ąmlich Zwillinge absolut nicht zugetraut h├Ątte. Den Rest des Beitrags lesen »

„Sitzen vier Polen im Auto“. Also nee. Von Titel und Einband her h├Ątte ich dieses Buch wohl nie gekauft. Da hat sich der Verlag m.E. keinen Gefallen getan.
Zum Gl├╝ck aber gibt es Blogs ÔÇô und Twitter! Denn dort lese ich Alexandra Tobor (aka @silenttiffy) schon seit Jahren. Hie und da machte sie Andeutungen zum Werdegang des Buches, und eines Abend fand ich mich in einer M├╝nchner Twitter-Veranstaltung wieder, auf der sie ein erstes Kapitel vorlas ÔÇô unter der Ansage, dass sie keine Ahnung habe, ob dieses Buch je ein Buch und wenn ja, ob es je fertig w├╝rde, aber sie l├Ąse es halt jetzt mal. ­čÖé Ich lauschte und war gefesselt. Das musste ich sofort haben, sobald es gedruckt war. Irgendwann die Ank├╝ndigung: Es gibt einen Erscheinungstermin! Selten habe ich so schnell etwas vorbestellt.

Und das Warten hat sich gelohnt! „Sitzen vier Polen im Auto“ ist ein wahres Juwel unter den Kultur-Aussiedler-Heimat-Kindheits-Kom├Âdien-Dramen. Mit einer unglaublich bildhaften, nie eitlen Sprache beschreibt die Autorin das Abenteuer „Rausfahren“. So nennen es die Erwachsenen um die kleine Hauptfigur Ola herum, wenn sie das sozialistische Polen heimlich verlassen ÔÇô immer auf der Suche nach dem Westen, der besseren Zukunft, dem s├╝├čeren Leben.
Die kindliche Erz├Ąhlperspektive ist klug gew├Ąhlt, denn so erh├Ąlt die Geschichte eine naive Aufrichtigkeit, die zu Herzen geht und gleichzeitig absolut glaubw├╝rdig sowie zwerchfellzerfetzend witzig ist. Den Rest des Beitrags lesen »

Gemalt. Gen├Ąht.

16. Juli 2012

Wenn man sich in Ideen verlieben kann, dann ist mir das gerade passiert. Und zwar mit „Child’s Own Studio“, einem an Charme kaum zu ├╝berbietenden Handmade-Projekt der Kanadierin Wendy Tsao. Sie n├Ąht Stofftiere – aber nicht irgendwelche Teddys von der Stange, sondern die individuellsten Kuschel-, nun … -dingse der Welt.

Der Plan ist ebenso einfach wie genial: Eine Kinderzeichnung dient als Vorlage, Wendy Tsao n├Ąht das Motiv als Figur aus Stoff. Die Ergebnisse sind ihren eindimensionalen Urspr├╝ngen derart ├Ąhnlich, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Quelle: www.childsown.com

Was ich fair und cool finde: Da Wendy Tsao – verst├Ąndlicherweise – aus der Flut von Anfragen nicht mehr rauskommt, hat sie auf der Seite „Softiemaker Showcase“ weitere Textilk├╝nstler und -k├╝nstlerinnen aufgelistet, die ├Ąhnlich arbeiten.

ISCH. M├ľSCHTE. DAS.

Und zu dieser gro├čartigen thail├Ąndischen Anti-Rauchen-Werbekampagne sage ich mal nicht viel au├čer: Verdammte Schei├če nochmal, Ihr Raucher da drau├čen habt auch eine Vorbildfunktion! Nehmt diese Verantwortung endlich ernst! Und Eure eigene Gesundheit auch. So.