Das Gewissen eines Kindes.

Ich bin gerade schrecklich stolz auf mein Turbosöhnchen (10). So stolz, dass ich platzen könnte. Und das nicht deshalb, weil er ein super Leistungsturner und ein unfassbares Kreativitätsbündel ist. Auch nicht, weil ihn – zumindest bis heute – die Hängehosen-Pseudocoolness seiner Altersgenosen nicht schert. Ich bin stolz auf ihn, weil einer meiner wichtigsten Werte bei ihm angekommen ist und er dafür einsteht.

Es geht um Verantwortung der Natur gegenüber. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir uns aussuchen können, was wir wo einkaufen. Wir sind keine Vegetarier, doch gequältes Vieh kommt bei uns nicht auf den Tisch. Wurst und Fleisch gibt es selten und wenn, dann entweder vom Bauern im Nebendorf oder aus dem Bioladen.

Gestern Abend dann eine der großen Ausnahmen. Ich ging gegen 18 Uhr mit Töchterchen Liebreiz noch schnell einkaufen. Vor dem Supermarkt stand einer dieser Brathendl-Wagen. Sie wissen schon – die, aus denen es immer so absolut unwiderstehlich duftet. Diese Hendl, obwohl unbestritten köstlich, kaufe ich nicht.

Der Grund ist ein einleuchtender: Brathühner, die man dort auf Spieße steckt, sind mit die ärmsten Kreaturen auf diesem Planeten. Sie schlüpfen aus maschinenbebrüteten Eiern, gelegt von mit Medikamenten vollgepumpten, zu Tode gestressten Käfighühnern. Von den frisch geschlüpften Küken haben die männlichen keine Lebensberechtigung und wandern – zarte Gemüter hören bitte jetzt auf zu lesen und sehen sich keinesfalls (!) die folgenden Links an – bei lebendigem Leib in den Schredder. Die verbleibenden Hühnchen pfercht man dicht an dicht in dunkle Hallen und mästet sie mit den Leichen gemahlener Artgenossen, Antibiotika sowie fiesem Kraftfutter. Sonne, Sand und weiche Nester lernen sie ihr „Leben“ lang niemals kennen. Sind sie fett genug, holt man sie aus ihrem Gefängnis und hängt sie (bei vollem Bewusstsein) kopfüber an den Füßen in ein fahrendes Gestell, das sie endlich, endlich der Guillotine zuführt. Irgendwelche anderen Maschinen brühen und rupfen die Kadaver. Menschen, die in solchen Fabriken arbeiten, müssen ihr Herz zuhause lassen, um das zu überstehen.

Ich schweife ab, sorry. Aber vielleicht ist jetzt klar, wie es möglich sein kann, ein halbes gebratenes Lebewesen für läppische 3,99 € zu erwerben. Meine Kinder habe ich mit Details zu artgerechter Tierhaltung und der dahinter steckenden Ethik nie verschont. Gerade so viel Input gab es, dass sie noch einigermaßen gut schlafen konnten. Aber sie wissen um die Hintergründe meiner „fleischlichen Sparsamkeit“ und pflichten mir bei. Respekt dem Leben gegenüber ist eine der wenigen Säulen unserer Erziehung, die offenbar funktioniert.

Gestern nun schaffte es die Liebreizende, die Brathendl über alles liebt, mich zu der höchstens einmal jährlich stattfindenden Ausnahme zu überreden. Wir kamen nach Hause mit drei duftenden halben Hendln sowie einer Riesentüte Pommes – sie strahlend, ich unsicher. Der Gatte, eher robust und wenig kopflastig in solchen Dingen, freute sich auf die seltene Speise. Turbosohn jedoch setzte sich an der Tisch und betrachtete mit Entsetzen, was da auf seinen Teller sollte: „Brathendl? Mama, aber die sind aus gequälten Hühnern! Das esse ich nicht. Ist zwar lecker, aber nein, das esse ich nicht. Niemals.“

Der Gatte hub an, dem Kind das Hendl vielleicht doch noch schmackhaft zu machen, ich fiel ihm jedoch  ins Wort und versicherte dem Turbosohn, er könne stattdessen gern ein Brot haben, denn ich fände seine Einstellung großartig. Ich entschuldigte mich zudem dafür, dass ich meine eigentlich feste Überzeugung gebrochen hatte. Mein Hendl schmeckte auch nicht und wird es auch nie wieder, denn dies wird die letzte Ausnahme gewesen sein. Wenn künftig Brathendl gewünscht werden, mache ich sie aus glücklichen Bauernhof-Hühnern selbst. Da sehe ich, wie sie gehalten werden, und kenne den Menschen, der sie letztendlich schlachtet. In solchen Fällen ist Fleischgenuss okay. Finde ich.

Fazit: Kindererziehung ist eine anstrengende Sache. Oft kostet mich meine Brut den allerletzten Nerv. Sehr oft frage ich mich, was ich da eigentlich tue, weil unsere Bemühungen null zu fruchten scheinen. Aber Sachen wie diese gestern – die entschädigen mich für alles, alles, alles.

33 Comments

  • Susi

    Ja, ähnliches habe ich hier angesichts eines Bratens etc. auch schon erlebt: „Mama, wir essen die Flecki doch aber auch nicht!“

    (Flecki ist eine unserer Katzen.)

    Ich finde das auch ganz großartig! Und würde Kinder nie zu Fleisch zwingen, denn ich verstehe den Gewissenskonflikt völlig.

  • twarma

    Wow, schlucke den Kloß im Hals runter und gratuliere Dir zur tollen artgerechten Erziehung Deiner Brut! Der Mutterstolz ist mehr als gerechtfertig. *ThumbsUp*

  • textzicke

    Nicht dass jetzt hier Lobeshymnen auf meine Erziehungsqualitäten aufkommen: In erschreckend vielen anderen Bereichen mühen wir uns seit 10 Jahren vergeblich. Aber dass ausgerechnet DIESER eine Wert angekommen zu sein scheint, erfüllt mich tatsächlich mit riesiger Freude!!!

  • textzicke

    Stellnse sich vor, Herr gissmog, sowas haben wir tatsächlich hier und nutzen es. Coole Sache das! 😉

  • der_sprachlose

    Hallo Textzicke,
    schwieriges Thema. Ich selber esse für mein Leben gerne Fleisch, aber auch lieber was weniger und dafür weiß ich, wie’s „hergestellt“ wurde. Ich finde es grundrichtig, den Kindern (und auch sonst allen) einen Respekt vor Lebensmitteln einzuimpfen, aber auch die Akzeptanz, das ein Tier sterben muß, wenn ich Fleisch essen will. So gesehen bin ich recht froh, dass ich diesen Spagat nicht an Kinder vermitteln muß! Aber es scheint, Du hast das recht gut angegangen!
    Grüße
    Markus

  • Juliachristiena

    Super!
    Da sage ich als Pädagogin: BEIDE DAUMEN HOCH!
    Pädagogisch 1-A gelöst.

    Auch ansonsten zeigt dein Denken und Handeln viel Idealismus und noch mehr Authentizität.
    Da haben deine Kinder ein starkes Vorbild. 😉

  • Moni

    Es beruhigt zu wissen, dass es Menschen wie dich und deinen Turbosohn gibt 🙂

  • Abdu

    Eine Mutter zu sein, ist nicht einfach. Die Aufgabe der Erziehung, der Prägung des Kindes geht bis ans Lebensende weiter. Nein, sogar darüber hinaus.

    Welche Mutter ist nicht stolz auf sein Kind, wenn so etwas passiert, wie du es beschrieben hast? Ich kenne da so einige Familien, in denen kein Wert auf Liebe, Zuneigung und Stolz gelegt wird. Die Kinder in diesen Familien sind oft eigenartig. Fast schon herzlos. Das trifft natürlich nicht auf alle zu.

    Vor ca. einem Jahr wohnten wir noch in einem Zweifamilienhaus. Über uns wohnte eine griechische Familie. Es heißt zwar, dass Türken und Griechen sich hassen, aber bei uns war das ganz anders. Wir waren sehr gute Nachbarn. Falls einer in den Urlaub fuhr, wurden die Schlüssel getauscht. Das Vertrauen war groß.

    Diese Familie hatte zwei Jungs, Zwillinge, die genauso alt waren, wie mein Bruder. Täglich spielten sie miteinander. Als die „wichtige Schulphase“ begann, dritte Klasse Grundschule, änderten sich so einige DInge.

    Wenn eine Note schlechter als 3 auf den Tisch kam, gab es lautstarke Streitereien. Hausarrest. In der vierten Klasse wurde alles schlimmer.

    Wenn eine Note schlechter als 2 unter dem Dokument stand, gab es Prügel. Anfangs nur Ohrfeigen, nehme ich an. Aber es wurde immer dreister.

    Ich erinnere mich an viele Tage, an denen die Zwillinge nicht raus durften, sondern lernen mussten. Sie mussten in der Schule ALLES mit Bleistift schreiben und zu Hause dann mit Füller nachtragen. Es gab Prügel, wenn sie sich weigerten. Jeden Tag lernen. Stundenlang. Fast den ganzen Tag.

    Eines Tages kam mein Bruder mit dem Ergebnis der letzen Mathearbeit nach Hause. Wir waren stolz. Denn das hieß, dass er es auf die Realschule schaffen würde. Bei den Nachbarn sah es ganz anders aus, obwohl beide Arbeiten um die Zwei angesiedelt waren.

    Nachmittags gab es laute Worte, gepaart mit Ohrfeigen. Die Wände in diesem Haus waren sehr dünn. Man konnte jeden Schritt, jeden Ruf hören, der oben gemacht wurde.

    Abends, gegen zehn Uhr, als der Vater nach Hause kam, eskalierte die Situation. Ich hörte die Schreie. Diese heiseren Stimmen. Den brüllende Vater. Die weinende Mutter. Die Gegenstände die durch das Zimmer flogen. Und all das über mir. Denn das Kinderzimmer befand sich über meinem Zimmer.

    Der Vater ging aus dem Kinderzimmer, zornig, wie ich aus den Schritten heraushören konnte. Die Kinder allein. Weinend. Die Mutter war schon verstummt.

    Nach kurzer Zeit kam er wieder. Und ich hörte wieder Schreie. Aber noch nie hatte ich solche Schreie gehört. Ich wusste nicht was er tat, aber es hörte sich schrecklich an. Dieses Wimmern. Dieses dumpfe Geräusch. Vielleicht eine Stange. Vielleicht ein Stuhl. Vielleicht heißes Eisen. Oder eine Axt.

    Ich war gelähmt. Ich konnte mich nicht bewegen. Nicht schreien. Heute glaube ich sogar, dass ich das Atmen vergessen habe. Ich spürte nur, wie mir Tränen die Wange herunterflossen. Bittere, salzige Tränen.

    Meine Eltern waren zu Freunden gegangen. Ich war verzweifelt. Und allein. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.

    Kann ich helfen, wenn ich hochgehe? Soll ich die Polizei rufen? Was passiert dann? Kommen die Kinder ins Heim? Darf ich in das Leben unserer Nachbarn eingreifen? In das Leben anderer? Was wird aus mir? Werde ich verfolgt? Werde ich geschlagen? Ermordet?

    Ich hatte panische Angst und konnte nichts machen. Meine einzige Rettung waren die Kopfhörer auf dem Nachttisch. Weghören. Wie feige. Aber mir blieb nichts anderes übrig. Ich musste mich betäuben.

    Tränen verschmiert hörte ich per Shuffle-Funktion den Song „Don’t Speak“. Wie konnte mir der iPod das nur antun. Es war die reinste Folter. Diese Stimme im Kopfhörer. Die Schreie von Oben. Mein Herz pochte stärker denn je.

    Vermutlich bin ich eingeschlafen. Aus Angst. Aus Verzweiflung. Als ich aufwachte, war nichts mehr zu hören. Es war drei Uhr nachts.

    Ich ging in das Schlafzimmer. Meine Eltern waren schon längst wieder da und schliefen. Ich wecke meine Mutter auf und erzählte ihr das „Miterlebte“. Seit diesem Tag hat das Wort „Mitleid“ eine ganz andere Bedeutung für mich.

    Meine Mutter, stark besorgt, entschloss sich, mit unserer Nachbarin zu reden. Sie besuchte sie noch am selben Tag und sprach mit ihr.

    Als sie zurückkam, war sie total bleich. Sie erzählte mir, dass die Nachbarin nicht wusste, was falsch an ihrem Verhalten sei. Als meine Mutter versuchte, ihr die Fehler aufzuzeigen, merkte sie, dass es nutzlos sei. Denn es wurde den Nachbarn in die Wiege gelegt: Gewalt.

    Solche Menschen werden es nie verstehen. Denn sie kennen es nicht anders. Und leider, das schmerzt sehr, werden diese Kinder es nie anders kennenlernen. Vermutlich werden sie das selbe tun. Hoffen wir das Beste für diese armen Seelen.

    Das war einer der Gründe, aus diesem wundervollen, tollen Haus auszuziehen. Denn es war nicht mehr zu ertragen.

    Ich hatte meinen persönlichen Horror erlebt. Kein Film und auch kein Buch wird je an mein „Erlittenes“ „herankommen“.

    „Eine Mutter zu sein, ist nicht einfach. Die Aufgabe der Erziehung, der Prägung des Kindes geht bis ans Lebensende weiter. Nein, sogar darüber hinaus.“

    Sehr oft träume ich von dieser Situation. Und jetzt weiß ich, warum mir diese Situation immer noch zu schaffen macht: Die Erinnerung unterscheidet nicht zwischen Wirklichkeit und Traum.

  • textzicke

    Lieber Abdu,
    Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Es ist grausame Kälte, was diese Kinder erfahren haben. Du fühltest Dich machtlos, weil Du selbst noch ein Kind warst. Dass Deine Mutter versucht hat zu intervenieren, finde ich gut. Dass sie nicht „dranblieb“, steht auf einem anderen Blatt. Keinesfalls solltest Du Dir mehr als nötig Vorwürfe machen, denn die „Großen“ hätten handeln müssen, als Du ihnen den wichtigen Hinweis gabst.
    Genau deshalb sind es auch wir Erwachsene, die den Kindern das Rüstzeug für schwierige Situationen mitgeben müssen. Den Blick zu öffnen für die hilflose Kreatur – in meinem Blogpost die Tiere -, ist nur ein winzig kleiner Anfang.

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  • manomama

    Es gibt keinen Fahrplan für Kindererziehung. Auch mich kostet Filius oft den letzten Nerv. Aber genau die Momente, wie du eben beschrieben hat, sind es, die mich glücklich werden lassen: „Es hat einen Sinn!“. vielen Dank für die wunderschöne Geschichte.

  • Abdu

    Es ist ja nicht so, dass meine Eltern gleich aufgegeben haben. Sie haben immer wieder versucht, auf dieses Thema zu kommen. Auf die Probleme hinzuweisen. Ein halbes Jahr lang. Doch die Familie wollte es nicht verstehen. Sie selbst wurden so erzogen und sahen ihre Probleme nicht ein.

    Stell dir ein rotes Bastellpapier vor, das du vor deine Augen hältst. Wenn du es nach einiger Zeit wieder wegnimmst, werden deine Augen kein Rot mehr sehen. Und so ist das, glaube ich, bei dieser Familie. Sie sehen vor lauter Gewalt den Schaden nicht, den sie anrichten.

    Aber – und das gibt mir ein wenig Hoffnung – wenn sich die Augen „erholt“ haben, sehen sie wieder das ganze Farbspektrum. Und ich hoffe aus tiefsten Herzen, dass die Eltern dieser Kinder es noch früh genug einsehen werden.

    Die Kinder müssten aktuell in der sechsten Klasse sein. Also ist noch Zeit, „etwas“ verändern, zu retten.

    Wie du sagst, „Den Blick zu öffnen für die hilflose Kreatur“ ist sehr wichtig. Und ich danke meiner Mutter und meinem Vater dafür, dass sie mich so geformt haben, wie ich heute bin. Wobei auch das Umfeld eine Rolle bei der „Formung“ spielt. Doch das Elternhaus ist der Grundpfeiler.

    Du kannst stolz auf dich sein, deinen Kindern Werte wie diese mitgegeben zu haben / mitgeben zu dürfen. Und stolz erst recht dann, wenn du die Werte in deren Verhalten wiedererkennst.

    „Çoçukluk Hafısanın en güçlü olduğu Zamanlardir. Büyü, büyü’de bu günleri anlat.“
    – Yurdanur Eroğlu

    Heißt so viel wie:
    „Die Kindheit ist die Zeit, in der das Gedächnis am aktivsten ist. Werde groß und erzähle uns von deinen Tagen, deinen Erlebnissen.“

    Eine „echte“ Kindheit kann durch nichts ersetzt werden.

  • tintenfisch

    Hallo textzicke, eine schöne Geschichte! Und sie erinnert mich daran, wie oft ich inkonsequent bin. Da kaufe ich im Bioladen, hole Milch beim Bauern und dann sündige ich bei McDonalds. Fortan wird Dein Turbosöhnchen bei meinen Entscheidungen „auf der Schulter sitzen“! 😉

  • Julia

    Oh Mann! Dein Sohn hat ein reineres Gewissen als ich. Ich hab gerade am Wochenende wieder mal gesündigt, weil der Discounter noch auf hatte, aber der Bioladen nicht mehr, und es stand doch nun mal Hühnchen auf dem Speiseplan …
    Mist. Jetzt fühle ich mich (noch) schäbig(er). Ich finde deinen Sohn toll, könntest du ihm das bitte ausrichten?

    Julia

  • Oliver_Schwab

    Brav, Textzicke!

    Der Bub und Du macht alles richtig!

    Ein Freund von mir ist Landwirt bei uns im Landkreis und ich weiß genau, wie viele Stunden und Liebe er in seine Viecher stecken muss. Leider weiß ich auch, wieviel dabei hängen bleibt… das ist nicht viel für den zeitlichen Einsatz.

    Ich finde, unsere Biobauern haben einen tollen Beruf, also dürfen sie ruhig etwas mehr verdienen, als wenn sie vom Großhandel abgezockt werden.

    Weiter so!

    Der Oli

  • schalalaoleole

    Schöne, kleine „Randnotiz“ vom Turbosohn. Respekt. In meinem Bekanntenkreis kriegen im Moment alle – leicht panisch – Kinder. Wenn mal wieder eine pre-Geburts-Panikattacke im Anmarsch ist, sage ich ihnen immer, dass Kinder natürlich nen Berg voll Stress und Theater bedeuten, aber es immer wieder diese kleinen, tollen Momente gibt, die dann immer wieder alles rechtfertigen. Und das Beste an Kindern ist ja irgendwie, dass sie noch so schön ungefaked sind. Ehrlich halt. Ich schweife ab … war für Dich sicher auch so ein „Moment“ 🙂

  • moe

    ich kann mir nur die Lebensmittel und insbesondere das Fleisch aus dem Discounter leisten.

    Ich hoffe euch ist klar, dass diese perfekte, freundliche, BIO-Welt eine Scheinwelt ist, die für das Gros der Menschheit nicht erreichbar ist.

  • textzicke

    Liebe/r moe,

    das ist nicht ganz richtig. Ich kenne viele Familien, die mit EXTREM kleinem Budget auskommen müssen und dennoch so viel wie möglich bio kaufen, vor allem Fleisch. Wenn man die Augen offen hält, saisonal vernünftig und auch mal auf Vorrat einkauft, IST das möglich. Dann gibt es eben nur einmal die Woche Fleisch (das gibt es bei uns sowieso, obwohl es vom Geld her auch öfter ginge) und eben keine Erdbeeren im Dezember. Und, by the way, auch keine Zigaretten oder sky-Abonnements. Komischerweise reicht es nämlich bei knapper Kasse für diese Dinge, aber nicht für ordentliches Gemüse (und hey, ich unterstelle Dir das hiermit KEINESFALLS, nicht dass Du ich missverstehst!)

    Die ersten beiden Bücher in diesem Link http://bit.ly/dluVBm befassen sich mit genau dieser Thematik.
    Recht geben muss ich Dir bei der Kritik an der „schönen heilen Bio-Welt“. Es ist absolut nicht alles bio, wo’s draufsteht, und nicht alles bio ist sinnvoll. Aber als halbwegs aufgeklärter Mensch wird man das mit der Zeit zu unterscheiden lernen.

    Herzliche Grüße!
    Lilian

  • SusanneWeigelt

    Großes Lob! An deinen Sohn natürlich, ich finde es toll, wenn Kinder ihre Überzeugungen so konsequent vertreten. Und dir natürlich auch für die gute Erziehung 🙂

  • gundl

    Wieso „zum Platzen stolz“ auf ein Kind ,das seinem Verstand und seinem natürlichen Mitgefühl folgt ?
    Ich selbst habe keine Kinder ,soll heißen , daß ich keine Erklärungen für Mutterstolz brauche.
    einem Verzicht auf Turbohühnern sollte m.E. auch der Verzicht auf Turbokinder folgen.

  • textzicke

    Liebe @gundl,
    was für ein seltsamer Kommentar. Ich enthalte mich einer spitzfindigen Antwort, grinse jedoch mitleidig in mich hinein und bin gespannt, ob vielleicht meine anderen Leser etwas dazu zu sagen haben? 😉

  • Nosupermom

    Eine der Sternstunden des Mutterdaseins!

    Ich kann deinen – berechtigten – Stolz gut verstehen! Du machst das prima!

  • Sinneswandlerin

    Ich weiß nicht, ob du schon einmal versucht hast von ca. 350€ im Monat zu leben oder gar ein Kind adäquat zu versorgen. Wenn du damit deinem Kind eine gute Bildung zukommen lassen möchtes, ihm Sportverein, Musikschule, Ferienfahrten usw. ermöglichen möchtes, dann kommt Fleisch nämlich selbst dann nur 1x in der Woche auf den Tisch, wenn es im Discounter gekauft wird, an Luxus wie Zigaretten und Sky-Abo ist erst recht nicht zu denken. Ich finde es erschreckend, wie du in deiner luxusgewohnten Welt es anscheinend nötig hast, dich über solche Menschen auch noch zu erheben und dich mittels deiner Kinder zu profelieren. Eins jedoch beruhigt mich, da du deinen Kindern problemlos jegliche Art von Förderung und Bildung zukommen lassen kannst, werden sie sich sicher eines Tages, Dank dieses Beitrags, ordentlich für ihre Mutter schämen.

    *dirmalgepflegtvordiefüssekotz*

  • textzicke

    Liebe @Sinneswandlerin,

    wie schade, dass Du gleich so aggressiv reagierst. 🙁
    Mir ist entgegen Deiner Meinung völlig bewusst, dass ich derzeit (!) in einer privilegierten Situation bin. Mein Mann und ich sind beide selbstständig und arbeiten beide täglich hart für unseren Unterhalt. Das klappt im Moment deshalb gut, weil die Wirtschaft unser beider Berufe gerade sehr braucht … aber ich kenne es auch ganz, ganz anders. Du wirst mir vielleicht nicht glauben, dass auch ich schon am Ende des Monats Pfandflaschen wegbringen musste, um Kartoffeln zu kaufen, mit zwei Kleinstkindern am Bein fulltime arbeitete und mich fragte, von was die Miete bezahlt werden soll. Der Firma meines Mannes ging es zu einer Zeit extrem mies und plötzlich hat er, hochqualifizierter Informatiker, abends nach der Arbeit (die plötzlichh nichts mehr einbrachte) Tennisstunden gegeben, während ich neben der Texterei auf Flohmärkten erworbenes Sammlerzeugs auf ebay vertickte. Das Konto war leer, wir hatten beide nicht mal eine Altersvorsorge und trotzdem habe ich auch damals versucht, so ethisch wie möglich zu kaufen. Es ist – und an der entsprechenden Eindringlichkeit mangelt es in meinem Artikel vielleicht – in finanziell engen Situationen besonders wichtig, Prioritäten zu setzen. Da Bio-Gemüse UND Bio-Fleisch gleichzeitig nicht drin waren, habe ich mich damals entschieden, konventionelles Gemüse (das leidet wenigstens nicht) und dafür, wenn auch sehr selten, „gutes“ Fleisch zu kaufen. Dass das geldfressende Auto weg musste, war klar, ebenfalls fielen sämtliche teuren Freizeitaktivitäten aus. Irgendwie ging das, und irgendwann ging es gottlob auch wieder aufwärts … nur hätte ich auch damals an allem gespart, nur nicht am Fleisch. Und hätte das nicht irgendwie geklappt, hätte es eben gar kein Fleisch mehr gegeben.
    Das und nichts anderes wollte ich mit meinem Artikel ausdrücken. Ich unterstelle beileibe nicht jedem Supermarktfleisch-Esser, dass er die ganze Kohle für Zigaretten ausgibt … das in nach meiner Beobachtung zwar in vielen, aber längst nicht allen Fällen so (bei Dir offenbar nicht). Schlimm finde ich die Fälle, in denen es sehr wohl so ist; ausschließlich diese prangere ich an.

    Aus oben genannten Gründen finde ich es schade, dass Du mich als hochnäsig empfindest und tatsächlich denkst, meine Kinder müssten sich eines Tages für mich schämen. Ich bin sicher, Du bist eine gute Mutter und gibst, was Du kannst – genau wie ich. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Du ein Problem mit meiner Aussage hast, ich wäre STOLZ darauf, dass dieser eine Wert bei meinem Sohn ankam. Warum? In vielen anderen Punkten versage ich als Mutter jämmerlich, in diesem einen nicht. Kannst Du mir diesen kleinen Stolz nicht lassen? Überdies finde ich nicht, dass ich mich für meine finanziell derzeit entspannte Lage (und das kann sich schwuppdiwupp ändern!) entschuldigen muss. Wir tun sehr viel dafür.
    Was auch immer Dich so bitter gemacht hat: Ich wünsche Dir, dass es bald wieder besser und leichter wird. Was hätte ich denn davon, wenn nicht. 🙁

    Herzliche Grüße
    Lilian

  • Sinneswandlerin

    Ich weiß nicht wie du darauf kommst, dass ich in meinem Posting von mir sprach. Wenn ich von mir persönlich spreche, dann schreibe ich auch „ich“ 😉 Dennoch weiß ich deinen Versuch der Anteilnahme durchaus zu schätzen, auch wenn er unangebracht ist. Vielleicht ist auch dies genau dein Problem. Du machst dir ein Bild von Menschen, ohne diese zu kennen. Mein Beitrag bezog sich auch viel eher auf deine Antwort auf moes Kommentar. Er/sie schrieb lediglich, dass er/sie sich leider nur Fleisch vom Discounter leisten kann und sofort unterstelltest du ihm/ihr und allen anderen Menschen in ähnlicher Situation, dass das daran läge, dass sie ihr Geld für Zigaretten usw. verschwenden würden. Diese Stammtischparolen waren der Grund für meine Kritik.
    In deinem eigentlichen Artikel berichtest du davon, dass dein Sohn ein konventionelles Brathähnchen ablehnte. Geschehen sei dies vor etwa einem Jahr. In deiner Antwort an mich beteuerst du jedoch, schon als deine Kinder noch sehr klein waren nur Biofleisch gekauft zu haben. Erkenne da jetzt nur ich einen Widerspruch? Leider hast dich dadurch noch unglaubwürdiger gemacht und konntest mein Bild von dir nicht im geringsten revidieren. Schade.

    Also, liebe Lilian, frohe Weihnachten! Alte Busenfreundin 😉

  • textzicke

    Liebe @Sinneswandlerin,

    ich finde leider die Stelle in meiner Antwort auf @moes Kommentar nicht, in der ich ihm angeblich etwas unterstelle. Im Gegenteil tue ich es ausdrücklich NICHT, siehe Klammer.
    Und ja, die Episode mit dem Brathähnchen trug sich vor etwa einem Jahr zu. Ich schrieb auch, dass ich schon sehr lange möglichst Biofleisch kaufe, bisher aber (sehr selten und jetzt eben gar nicht mehr) mit konventionellen Brathendln „sündigte“. Einen Widerspruch zum Timing meiner Geschichte sehe ich nicht – wahrscheinlich, weil es keinen gibt. 😉

    Zu den „Stammtischparolen“ muss ich teilweise einlenken. Es klingt wirklich blöd. Sehr schwer, das auf einen tatsächlichen Personenkreis zu begrenzen und so zu formulieren, dass es nicht nach Allgemeinplatz klingt. Doof.

    Und ich versichere Dir, dass ich hier keine Storys erfinde. Weil Du ja an meiner Glaubwürdigkeit zweifelst. Es wäre schön, wenn Du das glauben könntest.

    Herzliche Grüße
    Lilian

  • Christian

    Wie wahr, wie aktuell (habe den artikel heute erst in Bezug auf einen neuen Dioxinskandal gelesen). Eine Ursache des Übels ist auch die Menge, warum muss täglich Fleisch und Wurst auf den Tisch?

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