„Er ist seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt.“
„Trotz ihrer Behinderung strahlt sie Lebensfreude aus.“
„Tapfer meistert sie ihr Schicksal.“

Nett gemeinte SĂ€tze wie diese lesen wir in Berichten ĂŒber Menschen mit Behinderung tĂ€glich. Dass sie bei den – haha – „Betroffenen“ (merken Sie was?) das genaue Gegenteil bewirken, ist den Artikelschreibern selten bewusst.
Warum? Weil Menschen, die eben aus diesen oder jenen GrĂŒnden „anders“ (waaahhh!) sind, allermeistens kein Mitleid wollen – und erst recht keine mitleidige Berichterstattung!

Ganz im Sinne der Inklusion hat die Seite leidmedien.de nun Tipps und Meinungen zusammengetragen, die fĂŒr das Thema „Berichten ĂŒber Menschen mit Behinderung“ sensibilisieren sollen.

Zum Beispiel kommentiert der Rolli-Fahrer Michael Z. aus Berlin den „an den Rollstuhl gefesselt“-Satz so:

„Ein Rollstuhl ist keine EinschrĂ€nkung, sondern ein Fortbewegungsmittel. Sollten Sie tatsĂ€chlich jemanden treffen, der an den Rollstuhl gefesselt ist, binden Sie ihn los!“

Er hat Recht. NatĂŒrlich! Aber auf die Idee muss man ja erstmal kommen, wenn man selbst auf zwei gesunden Beinen durch die Gegend hopst. Auch dass der völlig gelĂ€ufige Ausdruck „geistig behindert“ viel unfreundlicher – und unrealistischer! – ist als einfach „Mensch mit Lernschwierigkeiten“, liegt normal Begabten (halt! Darf ich das denn nun wieder sagen oder nicht?) zunĂ€chst fern.

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Kette. Mit Blindtext.

26. April 2012

Gesehen, gewollt, gekauft – so einfach geht das manchmal. Aktuell passiert mit dieser Kette, an der, aus schwarzem Acrylzeugs gesĂ€gt, zwei kleine Worte hĂ€ngen: „LOREM IPSUM“. Menschen außerhalb von Texterei oder Designgewerbe werden das zwar nicht kapieren, aber mein Herzchen pochte laut, sobald ich das SchmuckstĂŒck mit dem Blindtext erblickte. Hach!


Quelle: http://fab.de/aktion-plastique

Lektorenleid, Teil 1.

5. April 2012

„Danach ist die PrĂŒfung so zu planen und durchzufĂŒhren, dass Unrichtigkeiten und VerstĂ¶ĂŸe, die sich auf die Darstellung des durch den Jahresabschluss unter Beachtung der GrundsĂ€tze ordnungsmĂ€ĂŸiger BuchfĂŒhrung und durch den Lagebericht vermittelten Bildes  der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlich auswirken, mit hinreichender Sicherheit erkannt werden.“

Mit solchen SĂ€tzen darf sich die Lektorin von heute rumschlagen – idealerweise, ohne dabei verrĂŒckt zu werden. Ich möchte also nie wieder einen Ton ĂŒber zu hohe Korrektoratshonorare hören, klaro? Wir verbuchen das unter „Schmerzensgeld“, wir armen Rotstiftheldinnen und -helden. So.

„Fuck the diet“ lautet der neue Slogan der Magermarke du darfst. Er tritt damit die Nachfolge des Claims „Ich will so bleiben, wie ich bin“ an, der zwar angeblich zu den nachhaltigsten WerbesprĂŒchen zĂ€hlt, auf mich aber immer einen eher … sagen wir’s mal diplomatisch … ironischen Eindruck machte. Anders konnte ich mir die Botschaft jedenfalls bislang nicht erklĂ€ren.

Denn hallo, natĂŒrlich wollen sich die KĂ€uferinnen und KĂ€ufer von Light-Zeugs eben nicht so bleiben, wie sie sind! Sonst wĂŒrden sie die großteils geschmacksneutralen Produkte wohl kaum in den Einkaufskorb packen. Sag ich jetzt mal so. Von der Sinnhaftigkeit einer fettreduzierten und sĂŒĂŸstoffgepimpten „ErnĂ€hrung“ wollen wir jetzt mal gar nicht reden. Und von der daraus resultierenden Geschmacksknospen-DĂŒrre erst recht nicht.

Aber hey, Ihr da von du darfst: Rettung naht! Eine wonneröllchenbewehrte Texterin ohne Spocht und Radl, dafĂŒr aber mit umso mehr Hunger auf echtes, leckeres Essen, eilt Euch zur Hilfe in der Not! Hier ist mein Slogan-Vorschlag, der wenigstens ehrlich ist und keine falschen Erwartungen nĂ€hrt (höhö, „nĂ€hrt“):

[FĂŒr meine sehbehinderten Leser: Man sieht einen Tweet von mir mit dem Text „Hallo, Ihr da von „du darfst“. Viel ehrlicher als „Fuck the diet“ wĂ€re doch „Ich will so bleiben wie ich bin – du darbst!“ #Textercontent]

Sie sind Autor und Ihr Manuskript wurde schon wieder bei allen möglichen Verlagen abgelehnt? Das ist schade, aber kein Beinbruch. Vielleicht ermutigt es Sie, dass das auch den GANZ GROSSEN schon passiert ist. Viele, viele Male.

So musste z.B. Stephen King (oh, ich vergöttere ihn!) in einem der zahlreichen Ablehnungsschreiben zu seinem spĂ€teren Weltbestseller „Carrie“ Folgendes lesen:

We are not interested in science fiction which deals with negative utopias. They do not sell.

„Do not sell“ – ja nee, is klar. Hat sich auch nur siebenunddrölfzigtausend Milliarden Mal verkauft, wurde verfilmt, verschaffte Mr King den Durchbruch und machte ihn somit zu einem der reichsten Autoren weltweit.

Joanne K. Rowlings erster Harry-Potter-Roman „Harry Potter und der Stein der Weisen“ wurde von insgesamt 12 (!) Verlagen abgelehnt. Dass Harry Potter heute vermutlich in keinem Kinderzimmer mehr fehlt, haben wir indes einem siebenjĂ€hrigen MĂ€dchen zu verdanken: der Tochter des Inhabers des kleinen Londoner Verlags Bloomsbury (man verzeihe mir an dieser Stelle meine ausgeprĂ€gte Genitivitis). Sie kriegte irgendwie dieses Manuskript in die Finger, fand es unglaublich und lag ihrem Dad dann so lange in den Ohren, bis er das Ding 1997 entnervt veröffentlichte. Dieser Tage ist Joanne K. Rowling die vermögendste Schriftstellerin der Welt und ich kenne ein paar Verlage, die sich fĂŒr diese verpasste Erst-Entdeckung heute kollektiv in den Allerwertesten beißen – darunter Riesen wie PenguinBooks und HarperCollins. HA, HA, HA! ^^ Den Rest des Beitrags lesen »

Die bayrischen Pfingstferien stehen vor der TĂŒr und damit eine freie Woche fĂŒr mich samt Familie. Wir werden die hoffentlich erholsamen Tage am Gardasee verbringen. Den Kopf freikriegen, Sie verstehen.

Nun ist aber leider das „frei“ in „Kopf freikriegen“ & „Freiberufler“ nicht immer wörtlich zu nehmen. SpĂ€testens seit iPhone, Roaming und Surfstick ist nĂ€mlich die Versuchung groß, doch mal eben in dem Mail-Eingang zu linsen (alternativ auch auf die Schnelle ein paar Blog-Statistiken abzufragen oder flugs die Lieblingsnetzwerke querzulesen), wĂ€hrend sich die Brut am Strand tummelt. Dass das nicht gerade der Sinn eines Urlaubs ist, wissen wir Freelancer durchaus … aber hey, es könnte doch gerade heute dieser wahnsinnig lukrative Auftrag per eMail reingekommen sein! Man stelle sich vor, auf genau diese Mail nicht zu reagieren! Was denkt denn der potenzielle Kunde von mir, wenn ich nicht gleich antworte!? Panik galore.

ClipArt-Bild "Frau im Bikini auf dem Liegestuhl mit Laptop"

Das Geheimrezept dafĂŒr, aus dem Freelancer-Urlaub doch die maximale Erholung rauszupressen, heißt Abwesenheitsnotiz* (am effektivsten mit den Add-ons „Egal2.1“ und „EntspannDich.BETA“). Fast jeder eMail-Client bietet diese fabelhafte Möglichkeit, automatische Antworten auf eingehende Mails zu generieren. Theoretisch wusste ich das natĂŒrlich schon immer. Aber heute habe ich einen Artikel gelesen, der das Thema akut wieder auf den Tisch holt. Den Rest des Beitrags lesen »