Heute m├Âchte ich mit Euch, liebe Leserinnen und Leser, ├╝ber eine Frage nachdenken, die uns Freelancer immer wieder umtreibt:

„Sollte ich unter irgendwelchen Umst├Ąnden kostenlos arbeiten?“

Die Antwort, so wird mir der geneigte Leser zustimmen, lautet vern├╝nftigerweise meist „Nat├╝rlich NICHT, hallo, geht’s noch?“. Trotzdem ger├Ąt man als Freelancer immer wieder in die Situation, den vermeintlichen guten Argumenten potenzieller Leistungserschleicher begegnen zu m├╝ssen. Auch mir ist es – vor allem in den ersten Jahren meiner Freiberuflichkeit – durchaus schon passiert, dass ich mich von blumigen Versprechen und dreisten L├╝gen einlullen lie├č. F├╝r diese F├Ąlle hat die amerikanische Typo-K├╝nstlerin und Illustratorin Jessica Hische die Mindmap „Should I work for free?“ erstellt. Schritt f├╝r Schritt f├╝hrt sie den gezwickm├╝hlten Freelancer durch die┬á Entscheidungsfindung, ob man angeblich ruhmreiche, folgeauftragsschwere und karmaf├Ârdernde Projekte ohne Honorar bearbeiten sollte. Fazit: Solange der/die Anfragende nicht Deine Mutter, Dein bester Freund oder eine coole Band oder Non-profit-Organisation ist, mit deren Zielen Du Dich 100% identifizierst: lass es!

Die Mindmap gibt es jetzt auch auf Deutsch (├╝bersetzt von Patrick G. Stoesser) und hier ist sie:

Nichts davon ist wirklich v├Âllig neu, aber mir gef├Ąllt die humorvolle Herangehensweise an schwierige Gedanken. F├╝r mich habe ich daraus mitgenommen, dass ich Anfragen nach „Arbeiten f├╝r lau“ noch kritischer be├Ąugen … und noch selbstbewusster ablehnen werde. Gute Arbeit kostet eben. Punkt.

4 Kommentare zu “Warum man nicht kostenlos arbeiten sollte.”

  1. Markus sagt:

    Generell sage ich auch, fair ist, Arbeit entsprechend zu entlohnen. Punkt. Aber wenn ich Auftr├Ąge zu vergeben habe, mache ich auch Ausschreibungen, die die kostenlose Erstellung eines Grundkonzepts beinhalten. Ganz einfach, weil wir eine NGO sind und das Geld nicht in nicht verwendete Konzepte stecken m├Âchten. Aber auch: Sollte je ein Teil der Arbeiten verwendet werden, gibts auch nachhinein Geld daf├╝r. Eins ist, den Vorschlag kostenlos f├╝r die Entscheidungsfindung zu erhalten und es – bei Nichtgefallen – nicht zu verwenden. Das ist das Risiko des Angebotserstellers. In jedem Fall w├Ąre es verwerflich, diese kostenlosen Teile eines Angebots dann zu verwenden. Da steht auch bei mir als Angebotseinholer ein klares NEIN. Man sieht, doch alles ein bisschen „ja schon, aber trotzdem“ ­čÖé ganz schwarz/weiss ist eben selten.

  2. Michael Kieweg sagt:

    Ich habe auch schon ohne Bezahlung gearbeitet; f├╝r Freunde oder f├╝r Projekte und Organisationen, die ich unterst├╝tzen wollte.
    Wichtig dabei ist mir, da├č ich wirklich kostenlos arbeite.
    Das h├Ąlt mir die M├Âglichkeit offen jederzeit aus dem Projekt auszusteigen.
    Meine Leistung ist sozusagen ein Geschenk und da bestimme ich ganz alleine, wie weit es reicht.

    Alte Freiberuflerregel – Arbeite entweder zum vollen Satz oder kostenlos. Alles dazwischen bringt blo├č ├ärger.

  3. Martina Bloch sagt:

    Danke, dass du den Artikel aufgreifst, Lilian. Warum aber ist das Akquiseblog durchgestrichen?

    Auf alle F├Ąlle arbeite ich schon mal kostenfrei. Dann wenn ich es so will. Weil es Gr├╝nde gibt, die f├╝r mich daf├╝r sprechen. Mit vollem Bewusstsein und vollem Einsatz. Ohne mich sp├Ąter dar├╝ber zu ├Ąrgern, wenn das, was ich mir davon erhoffe nicht eintrifft.
    Weil ich gut zu meinen Entscheidungen, auch wenn sie fehlerhaft sind, stehen kann.
    Was ich nur nicht mag ist, wenn jemand von mir erwartet, dass ich kostenfrei arbeite. Das ist in meinen Augen einfach nicht in Ordnung und ich lehne es ab.

  4. Thomas sagt:

    Im Aquiseblog steht ja auch recht plausibel drin, was eigentlich „Bezahlung“ ist. Auch ein „Guthaben auf der Gef├Ąlligkeitsbank“ kann dazugeh├Âren ­čÖé

    Wichtig ist meiner Meinung nach, dass beide beteiligten Parteien die gleiche Sprache sprechen. Vielen (potenziellen) Auftraggebern ist gar nicht klar, dass es um einen Leistungstausch geht. Das muss nicht unbedingt Bargeld sein! Wenn auf jedem „ordentlichen“ Flyer oder Plakat eines Vereins das Logo einer ├Ârtlichen Werbeagentur deutlich sichtbar ist und auf allen „selbstgebastelten“ nicht dann sorgt das f├╝r viel positive Sichtbarkeit. Der Agentur muss dann aber auch klar sein, dass man den scharenweise heranstr├Âmenden Neukunden klarmachen muss, dass der Verein eben die Werbefl├Ąche & eine Spendenquittung zahlt.

    Beide Seiten sprachlich und inhaltlich zusammenzubringen ist aber oft schwer – diverse Tauschringe haben das in der Vergangenheit probiert, sind aber wohl auch weitgehend im Abschwung…

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