Gerade kichere ich mal wieder wie verrĂŒckt ĂŒber das linguistische FundstĂŒck des Jahrhunderts: Die Gesellschaft zur StĂ€rkung der Verben nĂ€mlich hat sich auf die Fahnen geschruben, den armen schwachen Verben den RĂŒcken zu stirken und damit einer Verödung der Grammatik zu entgegenwarken.

Sie so: „HĂ€h?“ Ich so: Guckstu.

Ab sofort wird mit gezunkenen Karten gespielt, verwolkene Blumen werden weggeschmissen, Geiger gagen, Vergleiche hanken, man hat sich mit weniger Geld begnogen, der Lehrer schak den SchĂŒler zum Direktor, wir verwandten den verborßenen Algorithmus.

Überhaupt haben die Initiatoren auffallend Recht mit ihrer Feststellung:

Warum heißt es: ich sterbe, ich starb, ich bin gestorben, aber nicht ich erbe, ich arb, ich habe georben?

Und hey: Warum sollte man das Verb „verabscheuen“ nicht wie folgt beugen: verscheut ab, verschund ab, verschĂŒnde ab, verscheue ab, abverschunden? Denkbar wĂ€re auch, dass ich mich mit einem peinlichen Kommentar in die Nesseln gesotzen oder das Kind in der Musikschule angemolden habe. Und was ist so abwegig daran, hĂ€ssliche Substantiv-Endungen wie „-igkeit, -lichkeit, -ikation oder -ilitĂ€t“ zu eliminieren und z.B. aus der unattraktiven „Möglichkeit“ ein heroisches Mögnis zu machen?

Hach. Was fĂŒr eine tolle Sache fĂŒr Sprachspieler wie mich. Aber Vorsicht: Festlese-Gefahr! 😉

(Und vielen Dank an die liebe Sandra Vogel vom piepmatz Verlag, die den Link auf Twitter postete!)

13 Kommentare zu “Von gezunkenen Karten und gagenden Geigern.”

  1. nedfuller sagt:

    Ich sage schon seit Jahren: ich habe geblunken anstatt ich habe geblinkt. Klingt viel besser!

  2. Sandra Vogel sagt:

    Und alles nur, weil ich „schrub“ googlete 😀

  3. Katja sagt:

    Da stockt das Sprachhirn!

    Die Gesellschaft zur StĂ€rkung der Verben kam aber schon vor vielen Jahren in dem Krimi „Und oben sitzt ein Rabe“ von Gisbert Haefs vor. (Abgesehen davon hat mich das Buch allerdings nicht so begeistert.)

  4. doppelfish sagt:

    Und nun, liebe Kinder, ĂŒben wir das mit ein paar Verben. Lilian! Beuge „bloggen“!

  5. annette sagt:

    DafĂŒr! Ich sage zuweilen auf die Frage: „Woher hast Du das?“: „Das habe ich geschanken gekrochen.“ 🙂 Überhaupt finde ich Gesellschaften zur StĂ€rkung von irgendwas meistens gut.

  6. textzicke sagt:

    Also, @doppelfish, ich versuch’s mal:
    Du bloggst, du blugst, du hattest geblogen, du blögest, du hÀttest geblogen haben können, blöge!
    So, Herr Lehrer?

  7. @papa_gorilla sagt:

    Also bei uns in Tirol hat es jedenfalls gestern geschnieben und nicht geschneit…

  8. VolkerK sagt:

    Vor einigen Jahren schrub Gisbert Haefs in einem ob seiner schnörkligen Sprache genialen Krimi auch von der Gesellschaft und ich frug mich, warum wir nicht ĂŒberhaupt viel mehr Verben stark sein lassen.

  9. DK.FineArt sagt:

    Ha….ha….hahaha! Und dann wĂŒrde ich gerne den neuen EinbĂŒrgerungstest gesehen haben werden wollen. Oder jemanden der aus dem Stegreif einen kompletten Satz so fehlerfrei formulieren kann. Grauenhaft!

  10. atelierfuernichts sagt:

    da wird mir ja ganz schwummrig…schummrig…was du da mit den worten machst…da kann ich mich ja setzten…6..ellzett…du wirst das nicht/nie verstehen…
    aber ich komme gerne hier vorbeivirtualt und schaue digital..digitÀler..
    herzlich ellzett

  11. Deditte sagt:

    …manchmal könnte ich Dich einfach mal knutschen. Sehr, sehr hĂŒbsch.

  12. doppelfish sagt:

    Sehr gut, Lilian, setzen. 😀

    Das „blögest“ gefĂ€llt mir am bösten. Äh, am besten.’e‘.

  13. MorphusDominus sagt:

    Wahnsinn.
    Da wird man als Schweizer in der ersten Fremdsprache (Schriftdeutsch) gedrillt, bis man „gewinkt“ hat, anstelle „gewunken“ und dann GrĂŒnden ein paar Deutsche Geniusse eine Gesellschaft zur Integration Schweizer Volksfehler in der deutschen Schriftsprache und nennen sie getarnt anders 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.