Genau mein Humor.

9. Mai 2014

Aufkleber

(gesehen auf der Toilette des entz├╝ckenden veganen Caf├ęs „Die kleine Chaostheorie“ in Berlin.)

 

Imagefilme! Kennste einen, kennste alle.
Von Synergien, Wertsch├Âpfung und Kompetenz ist da die Rede. IMMER.
Die Anspr├╝che des Marktes werden innovativ bedient, man ist zukunftsorientiert und ein Vorreiter in der Branche. IMMER.
Nicht zu vergessen, dass es die Menschen sind, die z├Ąhlen, man f├╝r Tradition und Leidenschaft steht und Nachhaltigkeit lebt. IMMER.

Kurz gesagt: Die meisten Imagefilme sind Bullshit-Bingo vom Feinsten.

Genau wie dieser hier, vom Obststandl Didi in M├╝nchen: „‚S Lebn is a Freid“. Mit dem kleinen Unterschied, dass er exakt dieses Bullshit-Bingo komplett auf die Spitze treibt – mit unschlagbarer Ironie und einem Augenzwinkern, das geradezu knirscht. ­čÖé

Mein Fazit: Eine gro├čartige, superkreative Leistung aus der M├╝nchner Ideenschmiede* al Dente Entertainment. Respekt!
(Pssst: Braucht Ihr alDentinos gerade Texter? Hier! Ich! *schnipsundhops* ;-))


 

*auch so’n sch├Ânes Bullshit-Bingo-Wort. Gnihi!

 

Jochen Mai, Betreiber des ziemlich fabelhaften karrierebibel-Blogs, hat zur Blogparade getr├Âtet und ich habe den Ruf vernommen. Das Thema: „Bewerbungs-Ghostwriter: Darf man das Anschreiben von Profis pimpen lassen?

Ich finde: ja. Allerdings innerhalb sehr, sehr eng gesteckter Grenzen, auf die ich gleich n├Ąher eingehe.
Als Werbetexterin biete ich durchaus meine Hilfe bei der Erstellung aussagekr├Ąftiger Bewerbungen an – unter der Vorgabe (!), dass bereits etwas vorliegen muss. Und zwar ein vollst├Ąndig selbst verfasstes Anschreiben, in dem der Bewerber alles verwurstet, was eben in ein Bewerbungs-Anschreiben so hineingeh├Ârt:

  • Warum bewerbe ich mich ausgerechnet um diese Stelle?
  • Welchen Nutzen hat der potenzielle neue Arbeitgeber davon, wenn er ausgerechnet mich einstellt?
  • Welche berufliche/schulische Laufbahen habe ich bisher vorzuweisen?
  • Wie sehen meine Gehaltsvorstellungen aus (wenn das in der Stellenanzeige so gew├╝nscht ist)?

Dazu gebe ich auf Wunsch vorher nat├╝rlich Tipps f├╝r Reihenfolge, Gewichtung, Dos/Don’ts und dergleichen. Liegt mir diese Rohfassung vor, geht sie meist noch einmal zur├╝ck an den Verfasser, versehen mit Anmerkungen, an welchen Stellen es hapert, was zu erg├Ąnzen ist usw. Erst diese zweite, manchmal auch dritte Fassung lektoriere und korrigiere ich, achte aber weiterhin penibel darauf, keinesfalls mich bzw. meinen Stil einzubringen. Was also durchaus bedeuten kann, dass am Schluss eine zwar fehlerfreie, aber nicht perfekte Bewerbung dabei herauskommt – ein Risiko, dessen sich mein Auftraggeber bewusst sein muss.

Warum? Darum:
Bei Bewerbungs-Anschreiben ist es wichtig, dass die Pers├Ânlichkeit des Bewerbers maximal erhalten bleibt! Eine komplett fremdverfasste Bewerbung w├Ąre ihrer Vorsilbe nicht wert und w├╝rde ihren Urheber als etwas verkaufen, das er nicht ist. Entt├Ąuschungen beim Empf├Ąnger w├Ąren dann vorprogrammiert. Deshalb ├╝bernehme ich hier das Schreiben „von Grund auf“ niemals v├Âllig, sondern fungiere eher als eine Art Schreib-Coach mit anschlie├čendem Lektorat/Korrektorat. Authentizit├Ąt rulez!

Bredouill├Âs wird die Sache dann, wenn es sich um eine Stelle mit schreibenden Aufgaben handelt (Sekretariat, Onlineredaktion, Lehrt├Ątigkeit & Co.), der mir vorgelegte Text aber von vorne bis hinten davon zeugt, dass der Verfasser des Schreibens schlicht nicht m├Ąchtig ist. In diesen gottlob seltenen F├Ąllen bekommt er von mir schon mal zu h├Âren, dass er seine Berufswahl eventuell ├╝berdenken sollte. Sch├Ân ist das nicht – f├╝r keine der beiden Seiten.

Wie handhaben meine Texter-Kolleginnen und -kollegen das? Pimpt Ihr Bewerbungen im Kundenauftrag ├Ąhnlich vorsichtig wie ich oder geht Ihr bewusst ans Eingemachte? Lehnt Ihr Anfragen f├╝r „Bewerbungs-Ghostwriting“ vielleicht grunds├Ątzlich ab und wenn ja, aus welchen Gr├╝nden? W├╝rde mich mal interessieren.

 

Als ich mich heute in einer E-Mail an eine Kollegin vertippte, hat mir wohl mein Texterinnenherz die Feder gef├╝hrt. Da stand dann n├Ąmlich das hier (klar, dass ich es sofort twittern musste):

Ja, ich bin Freuberuflerin, denn ich bin meine eigene Chefin in einem Job, der mich ausgesucht hat statt umgekehrt. Es trifft sich hierbei gut, dass ich eine so kinderfreundliche Chefin bin, denn so konnte ich vom ersten Atemzug meiner Kinder an immer genau so viel arbeiten, wie jeweils gerade m├Âglich war. Was f├╝r ein Luxus!*

Dass ich mal „was mit Schreiben“ machen wollte, war ├╝brigens klar, sobald Klein Lilian im Kindergarten die ersten Buchstaben krakelte. Dass in meiner Familie B├╝cher schon immer allgegenw├Ąrtig waren (kein Wunder mit einem Lektoren-Opa), spielte dabei sicher eine wichtige Rolle. Okay, es ist nun Werbung und Lektorat/Korrektorat geworden und keine Schriftstellerei. Aber hey, das ist eben so. Und wer wei├č, vielleicht habe ich ja doch pl├Âtzlich irgendwann ein Manuskript in der Schublade. Momentan bin ich aber sehr gl├╝cklich mit genau dem, was ich tue.

Nee, Moment, stimmt nicht ganz. Es gibt etwas, das ich gern viel h├Ąufiger t├Ąte: brainstormen. In Agenturen oder Unternehmen gehen, die ideenm├Ą├čig im Tr├╝ben schippern. Die sich in Sachen Marketing neu ausrichten oder ihre bestehende Werbestrategie aufpolieren wollen. Denen – nicht nur rein textlich – ein frischer Wind fehlt. Denen es h├╝lfe, wenn jemand von au├čen auf ihr Ding schaut und es schonungslos auf Tauglichkeit auseinandernimmt. Und Slogans. Ja, Slogans will ich in Zukunft viel mehr machen. Oder Produktnamen. Je kreativer, desto besser – das kann ich n├Ąmlich richtig gut.

So. Und jetzt gehe ich mit einem fetten Grinsen im Gesicht zur├╝ck an meinen aktuellen Text. Es geht um vegetarisches Catering; danach ist medizinisches Fachsprech ├╝ber Mikron├Ąhrstoffe dran.
(Erw├Ąhnte ich dass ich meinen Job liebe? Ich liebe meinen Job. Danke, dass das so sein darf – und danke an die vielen treuen Kunden, die meine Arbeit zu sch├Ątzen wissen.)

Herz

* Jaaa, klar hat die Freiberuflickeit auch Nachteile. Die manchmal unsichere Auftragslage etwa, oder dass man sich in Ermangelung von Vorgesetzten selbst disziplinieren muss. Mir ist es das aber alles wert. Nichts ersetzt mir die Freiheit, meine Zeit selbst einzuteilen und Auftr├Ąge abzulehnen/weiterzuleiten, die nicht „meins“ sind. Das wird von Jahr zu Jahr besser, weil ich inzwischen fest auf meinen Textersf├╝├čen stehe. Ich w├╝nsche allen Freelancerkollegen in egal welchen Berufen, dass sie in ihrer Arbeit ebenso froh sind wie ich mit meiner.

Wie ich schon in meinem Artikel „Leidmedien? Berichte(n) ├╝ber Behinderung“┬á geschrieben hatte, gibt es bei der Berichterstattung ├╝ber Themen au├čerhalb der Spie├černorm eine ganze Menge Fallstricke. Man sollte als Journalistin oder Journalist eine besondere Sensibilit├Ąt entwickeln, um hier sprachlich stets objektiv, korrekt und wertsch├Ątzend zu bleiben.

Heute stie├č ich nun auf einen Artikel des Onlinemagazins meedia.de, der sich mit der Berichterstattung ├╝ber Homosexuellen-Themen befasst. Er verweist auf eine Brosch├╝re, die jetzt vom Bund Lesbischer und Schwuler Journalisten (BLSJ) ver├Âffentlicht wurde: „Sch├Âner Schreiben ├╝ber Schwule und Lesben“ (Download hier, Pressemitteilung zum Sprachleitfaden hier).

Brosch├╝re des BLSJ:

Ein Beispiel:
Warum sollte eine Frau „bekennend lesbisch sein“? Homosexualit├Ąt ist kein Verbrechen nichts, dessen man sich sch├Ąmen und das man deshalb ├Âffentlich hervorheben m├╝sste, sondern ein v├Âllig nat├╝rlicher Zustand, also gibt es hier nichts zu „bekennen“. Klare Sache – sagt man nicht, schreibt man nicht.

Ein bisschen schwierig finde ich hingegen den Passus,

dass man bei verheirateten homosexuellen Paaren nicht von „verheiratet“ und „Ehepaar“┬á sprechen soll, sondern besser von „verpartnert“ und „Lebenspartner/in“.┬á

Zwar verstehe ich irgendwie den Einwand, dass die v├Âllige Gleichstellung mit heterosexuellen Ehepaaren noch in weiter Ferne liegt und deshalb auch sprachlich keine Gleichstellung vorgespiegelt werden solle. Aber hey, findet Ver├Ąnderung nicht zuerst im Kopf und ganz bald danach in der Sprache statt? Bei mir schon. Ich empfinde homosexuelle Paare als v├Âllig gleichgestellt, auch wenn es sch├Ąndlicherweise in der Praxis nicht ganz so ist. Sagen w├╝rde ich es dennoch. Selbst meine Kinder waren letztens baff, als im Radio ├╝ber die „sensationelle“ ├änderung in Sachen Ehegattensplitting bei homosexuellen Lebenspartnerschaften berichtet wurde. Ob das vorher denn nicht so gewesen sei, hallo? Wie bescheuert das sei und wie ungerecht? Die seien eben verliebt und verheiratet – und wen habe das ├╝berhaupt zu interessieren, ob das nun Mann & Frau oder Mann & Mann oder Mann & Frau oder Frau & Frau oder Frau & Transgender oder Mann & Transgender oder irgendeiner davon & bisexuelle Person sind?

Da k├Ânnen wir uns also wieder mal eine Scheibe von der Generation nach uns abschneiden. <3

Heute m├Âchte ich mit Euch, liebe Leserinnen und Leser, ├╝ber eine Frage nachdenken, die uns Freelancer immer wieder umtreibt:

„Sollte ich unter irgendwelchen Umst├Ąnden kostenlos arbeiten?“

Die Antwort, so wird mir der geneigte Leser zustimmen, lautet vern├╝nftigerweise meist „Nat├╝rlich NICHT, hallo, geht’s noch?“. Trotzdem ger├Ąt man als Freelancer immer wieder in die Situation, den vermeintlichen guten Argumenten potenzieller Leistungserschleicher begegnen zu m├╝ssen. Auch mir ist es – vor allem in den ersten Jahren meiner Freiberuflichkeit – durchaus schon passiert, dass ich mich von blumigen Versprechen und dreisten L├╝gen einlullen lie├č. F├╝r diese F├Ąlle hat die amerikanische Typo-K├╝nstlerin und Illustratorin Jessica Hische die Mindmap „Should I work for free?“ erstellt. Schritt f├╝r Schritt f├╝hrt sie den gezwickm├╝hlten Freelancer durch die┬á Entscheidungsfindung, ob man angeblich ruhmreiche, folgeauftragsschwere und karmaf├Ârdernde Projekte ohne Honorar bearbeiten sollte. Fazit: Solange der/die Anfragende nicht Deine Mutter, Dein bester Freund oder eine coole Band oder Non-profit-Organisation ist, mit deren Zielen Du Dich 100% identifizierst: lass es!

Die Mindmap gibt es jetzt auch auf Deutsch (├╝bersetzt von Patrick G. Stoesser) und hier ist sie:

Nichts davon ist wirklich v├Âllig neu, aber mir gef├Ąllt die humorvolle Herangehensweise an schwierige Gedanken. F├╝r mich habe ich daraus mitgenommen, dass ich Anfragen nach „Arbeiten f├╝r lau“ noch kritischer be├Ąugen … und noch selbstbewusster ablehnen werde. Gute Arbeit kostet eben. Punkt.