Kennen Sie Axel Hacke? Ein gro├čartiger Schreiber. Seine Kolumne „Das Beste aus meinem Leben“ im allfreit├Ąglichen Magazin der SZ hat, zumindest im s├╝ddeutschen Raum, l├Ąngst Kultstatus erreicht. Neben Herrn Hackes Familie spielt sein guter und alter Freund Bosch eine tragende Rolle in vielen Episoden. Bosch ist einer dieser wunderbaren alten, emaillierten Nachkriegs-K├╝hlschr├Ąnke mit runden Ecken und einem Stromverbrauch wie eine kleine Stadt.

bosch1 Auch ich besa├č einen Bosch. So einen wie hier links abgebildet. Den Zwilling des ber├╝hmten Hacke-Bosch sozusagen, aus dem Erbe der Oma v├Ąterlicherseits rechtm├Ą├čig ergattert. Baujahr 1952 – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Durch diese Gemeinsamkeit f├╝hlte ich mich den Hacke’schen Kolumnen immer besonders verbunden. Klar, oder? Aber weiter im Text.

Der Bosch, ├╝ber den ich so oft las, ist also Herrn Hackes n├Ąchtlicher Gespr├Ąchspartner. Auf seine Meinung legt der Autor gro├čen Wert, denn Bosch bewahrt naturbedingt meist einen k├╝hlen Kopf. Meist, sage ich – denn einmal ging, wie die Kolumne verriet, alles schief. Eine hyperaktive Entr├╝mpelungsfirma vermasselte ihren Job und transportierte Bosch mitsamt dem echten Ger├╝mpel einfach ab! Erst in letzter Sekunde konnte er aus den F├Ąngen der Ramsch-H├Ąndler errettet werden, und alles h├Ątte gut werden k├Ânnen … doch fortan war Bosch verstummt und die Hacke’sche K├╝che blieb n├Ąchtens still. Zu dieser Zeit hatte ich ein kleines Problem: Aus Gr├╝nden, die sich Ihnen gleich erschlie├čen werden, suchte ich ein neues Zuhause f├╝r meinen Bosch. Zettel-Aush├Ąnge bei den ortsans├Ąssigen Superm├Ąrkten, Zeitungsanzeigen und nat├╝rlich ebay wurden als potenzielle Besitzerb├Ârse konsultiert – erfolglos. Und dann wandte sich mein Bosch per Brief an Herrn Hackes Bosch.

bosch_seite1

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Ich selbst merkte von alledem nichts – es passierte ja hinter meinem R├╝cken. Bosch, der Schlingel! Hellh├Ârig bzw. -sichtig wurde ich erst, als ich in der darauf folgenden Woche das SZ Magazin meine Lieblingskolumne aufschlug. Das ist sie:

kolumne11

Un├╝bersehbar, dass man hier von uns sprach! Eine gute Idee war es von meinem Bosch ja gewesen, an Herrn Hacke zu schreiben, das musste ich ihm lassen. Auch wenn sich keine L├Âsung f├╝r das zugrunde liegende Problem ergab, machte man sich zumindest Gedanken um uns. Fand ich irgendwie nett. Zumal ich am n├Ąchsten Tag den Briefkasten ├Âffnete und diesen Brief vorfand:

hacke_umschlag_vorne

Was war das wohl? Ich drehte den Umschlag um und war ├╝berrascht:

hacke_umschlag_hinten

Na sowas! Herr Hacke selbst schrieb mir! Gespannt ├Âffnete ich den Umschlag und las:

hacke_brief

Okay, okay, das mit dem Asyl bei Hackes konnte ich dann wohl endg├╝ltig vergessen. Auch der K├Âlner Restauratorenfreund, flugs angerufen, konnte meinen Bosch nicht brauchen: akuter K├╝hlschrank-Overkill, kein Platz frei.

Wie es weiterging? Nun, mein Supermarktzettel zeigte Wirkung. Eine sehr nette Dame kam irgendwann bei uns vorbei, lud Bosch in ihr Auto und verstand meinen Abschiedsschmerz. Als ich beil├Ąufig erw├Ąhnte, dass ich betreffs meines alten Freundes sogar schon mit Axel Hacke korrespondiert hatte, stutzte sie und fragte: „Nein. Aber das ist jetzt nicht der Bosch, der letztens in der SZ-Kolumne …!?“ Er war es. Die Dame fuhr sehr stolz ob ihres ber├╝hmten Neuzugangs nach Hause und schwor mir, ihn in Ehren zu halten. Ich weinte trotzdem ein bisschen, k├Ąmpfte dann mein schlechtes Gewissen nieder und fuhr fort, mein Umfeld mit Feng Shui zu tyrannisieren.

Weitere zwei Wochen sp├Ąter gab es eine Axel-Hacke-Lesung im Nachbarort und ich ging hin. Nat├╝rlich erwarb ich das neueste Buch und lie├č es am Schluss signieren. Als der Autor fragte, was er denn reinschreiben solle, meinte ich „Wie w├Ąr’s mit ‚f├╝r Frau K. aus Starnberg und ihren Bosch‘?“. Er stutzte, sah mich ├╝ber den Brillenrand hinweg an und sagte: „Ach – SIE sind das! Dann gr├╝├čen Sie ihren alten Kumpel mal von mir.“ Und so schloss sich der Kreis.

6 Kommentare zu “Axel Hacke. Sein Bosch. Mein Bosch.”

  1. nessa sagt:

    Och ja, klar hab ich die Kolumne damals gelesen. Das du das warst!

    Kann ich verstehen, deinen Abschiedsschmerz!
    Nessa

  2. Michael J├Ąger sagt:

    Wenn ich solche Zeilen von solchen Schicksalen lese, m├Âchte ich Dich am liebsten als Gastschreiberin auf meinem Blog sehen. Wundersch├Ân geschrieben. Liebe Gr├╝sse, Michael

  3. textzicke sagt:

    Nichts lieber als das. Gib einfach Laut, wenn’s soweit ist! Ich f├╝hle mich ├╝brigens sehr geehrt von solch netten Worten. *knicks*

  4. bosch sagt:

    Sch├Âne Geschichte. Ich bin ├╝brigens jeden Freitag, wenn das SZ Magazin erscheint, ein wenig traurig, denn Axel Hackes Kolumne hei├čt ja nun „Das beste aus aller Welt“ – und in der hat sein alter K├╝hlschrank und Freund keinen Platz mehr.

  5. textzicke sagt:

    Ja. Tragisch. Und doof. Ich hoffe, die Welt wird Herrn Hacke irgendwann demn├Ąchst langweilig und Bosch reaktiviert.

  6. tina de luxe sagt:

    Wie cool! ­čÖé

    Wir hatten auch einen, aus dem Erbe der Oma m├╝tterlicherseits. Der ist mit dem Haus ver├Ąu├čert worden und konnte so am angestammten Platze verweilen:

    Also ich hoffe mal, dass die neue Haus-und-Bosch-Besitzer auch die Hackesche Kolumne lesen. ­čÖé

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