Mich wĂŒrde mal Eure (werbeprofessionelle und private) Meinung zum neuen EDEKA-Weihnachtsspot interessieren.

Denn ich als Werberin sage:
… ein Geniestreich. Auch wenn ich bezweifle, dass dadurch direkt mehr EinkĂ€ufe generiert werden. MarkenimagestĂ€rkung natĂŒrlich top.

Als Mensch hingegen sage ich:
… GrĂ€sslich. Geht gar nicht. Wie können die nur?!
Und das nicht, weil ich solche (wahren, aber schlimmen) Botschaften nicht aushalte. Einfach weil es einen Step zu krass ist, mit den tiefsten inneren Ängsten zu „spielen“ und zu manipulieren.
WĂ€re ich eines der erwachsenen Kinder im Spot, ich wĂ€re auf den Vater sowas von stocksauer – auch wenn ich mich ertappt fĂŒhlen wĂŒrde, klar. So richtig funktioniert die Botschaft nĂ€mlich dann doch nicht – außer in moralischer Hinsicht. Und ich bin total hin- und hergerissen, ob ich das gut finden oder verurteilen soll.

Ein weiterer Punkt: Als Tochter, der es im Traum nicht einfallen wĂŒrde, jemals die Eltern zu einer solchen Nebensache verkommen zu lassen, macht mich der Spot wĂŒtend. Auf die, die es einfach nicht raffen. Weil es fĂŒr mich persönlich eben total selbstverstĂ€ndlich ist, engen Kontakt mit den Eltern zu haben. Nun wohne ich ja quasi Wand an Wand mit den meinen (gottseidank) … aber ich schwöre: So weit weg könnte ich nicht wohnen, dass ich es nicht wenigstens zu Weihnachten möglich machen wĂŒrde, sie zu sehen.
[Hier wird gleich der – berechtigte – Einwand fallen „Aber wenn man im Streit mit den Eltern ist, was dann?“. Diesen möchte ich hier außen vor lassen, denn im Spot scheint es nicht so, dass irgendwer mit irgendwem im Clinch ist. Hier geht es einfach um PrioritĂ€ten.]

Sollte der Spot allerdings dazu fĂŒhren, dass nur ein erwachsener Sohn oder eine erwachsene Tochter dadurch endlich wieder auf die wichtigen Dinge um Weihnachten herum besinnt, nĂ€mlich die Familie 
 dann ist mir alle Werbepsychologie und alles „too much“ piepegal und ich sage: Danke, EDEKA. Saustark.

Was meint Ihr dazu?

Dass das Versicherungsunternehmen ALTE LEIPZIGER nicht umsonst ein Adjektiv im Namen trĂ€gt, das pure Verstaubung impliziert, zeigt sein neuester „Geniestreich“: zwei ErklĂ€rvideos zu den Themen BerufsunfĂ€higkeit und Privathaftpflicht.

Wir möchten vor dem Lesen des hervorragenden Blogposts meiner Kollegin Birte Vogel kurz innehalten, auf den Kalender schauen und uns versichern (gnihi! „versichern!“), dass wir tatsĂ€chlich das Jahr 2015 schreiben.
Und nun stelle ich Euch kurz die Hauptdarsteller der zwei Filmchen vor, an denen sich gerade zu Recht die GemĂŒter erhitzen:

Quelle:  http://thea.pressevogel.com/keiner-will-mehr-eine-gesellschaft-wie-in-den-50er-jahren-wirklich/

Quelle:
http://thea.pressevogel.com/keiner-will-mehr-eine-gesellschaft-wie-in-den-50er-jahren-wirklich/

– DER VATER (selbstverstĂ€ndlich !!! Alleinverdiener, respektabel schnauzbĂ€rtig und pullundertragend, anpackend, alleswissend, an alles denkend, streng-aber-gerecht, in Erziehungsdingen DIE INSTANZ, wie sich das eben fĂŒr einen deutschen Familienvater gehört)

– DIE MUTTER (selbstverstĂ€ndlich !!! 100% Hausfrau/Gattin/Mutter ohne eigenes Einkommen, leicht dĂŒmmlich, 100% lebensuntĂŒchtig ohne den fabelhaften, mehrmals tĂ€glich anzuhimmelnden Gatten, wie sich das eben fĂŒr eine deutsche Hausfrau gehört)

– DER SOHN (selbstverstĂ€ndlich !!! super Skateboarder, dafĂŒr aber schlecht in der Schule; ein echter Rabauke – wie sich das fĂŒr einen richtigen Buben eben gehört)

– DIE TOCHTER (selbstverstĂ€ndlich !!! niedliches Zopf-und-Rock-Görl, vermutlich ebenso dĂŒmmlich wie ihre Mutter, wie sich das fĂŒr ein richtiges MĂ€dchen eben gehört; in allen Filmen maximal als namenlose Randdekoration gebraucht)

– DIE NACHBARIN (siehe DIE MUTTER – weil das in guten deutschen Familien eben so ist -, nur auf der anderen Seite des Gartenzauns)

Und jetzt kopfĂŒber rein in die LektĂŒre (Achtung, Schleudertraumagefahr).

Was meiner Netzwerkkollegin Mela Eckenfels passiert ist, als sie es wagte, das Unternehmen via offenem Brief auf seine weltanschauliche RĂŒckstĂ€ndigkeit anzusprechen, kann man ebenso kopfschĂŒttelnd und strahlkotzend hier nachlesen:

Und nun entschuldigt mich bitte, ich muss mich um das Lieblingsessen des Mannes kĂŒmmern und den rosa Bademantel bĂŒgeln, in dem ich am Gartenzaun immer die neuesten Rezepte mit der gleichdĂŒmmlichen Nachbarin austausche.

Ach nee, Moment, falscher Film: Ich muss den Text ĂŒber Hyperthyreose fĂŒr MEINEN Kunden fertigschreiben, dafĂŒr eine buchhalterisch korrekte Rechnung stellen, die Umsatzsteuer-Voranmeldung fertigmachen, die FRITZ!box konfigurieren, den aktuellen Goldkurs checken, meinen selbst bezahlten Leasingvertrag abheften, aus Interesse § 1356 BGB* konsultieren, ein Inkassoverfahren gegen einen sĂ€umigen Exkunden einleiten und dann, naja dann gehe ich heim und koche und wasche fĂŒr meine Kinder. Wie so ne dĂŒmmliche Hausfrau.

UPDATE:
Meine Netzwerkkollegin Daniela Warndorf beleuchtet in ihrem Blogpost zum selben Thema eine weitere Seite des Dramas: die völlige Planlosigkeit der ALTEN LEIPZIGER in Sachen Social Media und Shitstorm-Management. Uiuiui, die mĂŒssen aber noch viel lernen.

UPDATE vom UPDATE:
Die ALTE LEIPZIGER hat die ErklĂ€rvideos des Anstoßes mittlerweile vom Netz genommen. Wer auf den „Play“-Pfeil im Vorschaubild klickt, erhĂ€lt immerhin folgendes Popup mit einer allgemeinen Entschuldigung:

Alte_leipziger_Erklärvideos_wegIch finde: Viel besser als nix, aber immer noch ganz schön spĂ€t, ganz schön versteckt „irgendwo auf der Seite“ und deshalb – sorry – ganz schön schwach. Schade auch, dass die Filme nun ja weg sind und Interessierte sich gar nicht mehr ansehen können, um was es ursprĂŒnglich ging. Oder kann man die noch irgendwo anders im Netz nachsehen? FĂŒr Hinweise bin ich dankbar!

 

*Bis zur GesetzesÀnderung im Jahr 1977 (!)
– Abschaffung der so genannten „Hausfrauenehe“ –
stand in besagtem § 1356 BGB tatsÀchlich:

„Die Frau fĂŒhrt den Haushalt in eigener Verantwortung.
Sie ist berechtigt [sic!!!], erwerbstĂ€tig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie [sicissimo!!!]  vereinbar ist.“

… WTF.

Die Montagsinterviews von texterella sind legendĂ€r. Kein Wunder: Bloggerin und Allround-Wonderwoman* Susi Ackstaller gestaltet die Interviews mit so viel Herzblut, Achtsamkeit und Geschmack, dass man nicht anders kann, als sich hochgradig geschmeichelt zu fĂŒhlen, wenn sie einen fragt, ob man nicht die NĂ€chste sein möchte. So geschehen nun auch bei mir – da ich nun endlich auch dieses Dingsda mit der 4 vorne dran geknackt habe, unter der Rubrik „Frauen ab 40“.

Susi, ich knickse artig und danke sehr. Es hat Spaß gemacht (allein die WĂŒhlerei in alten Fotos! Geeez!) und offenbar bin ich ganz gut getroffen. Das sagen jedenfalls alle, die das Interview gelesen haben und mich kennen. And here we go:

Texterella_Montagsinterview

*Es kann einfach nicht unerwĂ€hnt bleiben, dass Susi unter anderem die GrĂŒnderin meines Herzens-Netzwerks texttreff ist, ohne das mein Leben garantiert andere Bahnen genommen hĂ€tte. UnĂŒbertrieben! <3

Wer mich kennt, weiß, dass ich im Straßenverkehr ein Sicherheitsfanatiker bin – aus GrĂŒnden. Speziell das Thema „Anschnallen“ bewegt mich seit meinem Unfall sehr, und Nichtanschnaller bekommen meine HartnĂ€ckigkeit im Einfach-nicht-Losfahren-bis-alle-angeschnallt-sind schnell zu spĂŒren.

Seitdem aber fast jeder Erwachsene ein Smartphone besitzt, ist eine weitere, nicht minder große Gefahr entstanden: Lesen oder Tippen von Nachrichten auf dem Handy wĂ€hrend des Fahrens.
Handynutzung am Steuer ist heute tatsĂ€chlich eine der Top-Ursachen fĂŒr ablenkungsbedingte UnfĂ€lle! Ich darf mich da nicht ausklammern; auch ich habe schon aufs Display gelinst, wenn wĂ€hrend der Fahrt das iPhone plingte. Ja, ich habe sogar schonmal, wenn ich gerade sehr langsam fuhr, eine Antwort getippt. Das ist scheiße. Schon 30 km/h reichen bei geringer Aufmerksamkeit aus, um einen potenziell tödlichen Unfall zu provozieren.

Volkswagen hat sich zu dieser Thematik eine großartige interaktive Schocker-Sache ausgedacht.
Schauplatz: ein Kino in Hongkong.
„Opfer“: Kinobesucher, die einen ganz normalen Film sehen wollten.
Technik: eine Anlage, die allen Besuchern zeitgleich eine Nachricht aufs Handy schickte (was natĂŒrlich den sofortigen Griff zum Telefon nach sich zieht).
Und dann … aber seht selbst:

[FĂŒr meine sehbehinderten Leser: Kinobesucher fĂŒllen nach und nach den Saal, allgemeines Popcornrascheln, das Licht geht aus. Auf der Leinwand startet ein Spot, man sieht ca. 10 Sekunden lang aus Sicht eines Autofahrers eine mĂ€ĂŸig kurvige Straße mit BĂ€umen links und rechts, das Auto bewegt sich flott. Blick hinter die Kulissen, ein Techniker drĂŒckt auf „Senden“ an einem Rechner. Plötzlich bekommen alle Kinobesucher die SMS, unzĂ€hlige leise Brumm- und Piep-Signaltöne erschallen. Jeder kramt hektisch das Telefon raus und ruft die ominöse Nachricht ab. Im selben Moment, als alle aufs Display starren, crasht das Auto auf der Leinwand scheinbar ohne Grund gegen einen Baum. BremsgerĂ€usch, Stillstand, gesplitterte Scheiben. Auf der Leinwand erscheint der Schriftzug „Mobile use is now the leading cause of death behind the wheel. A reminder to keep yor eyes on the road.“, gefolgt vom VW-Logo und -Slogan. Im Saal betretenes Schweigen, alle sind ganz still und denken offensichtlich nach. Sehr eindrĂŒcklich.] 

Imagefilme! Kennste einen, kennste alle.
Von Synergien, Wertschöpfung und Kompetenz ist da die Rede. IMMER.
Die AnsprĂŒche des Marktes werden innovativ bedient, man ist zukunftsorientiert und ein Vorreiter in der Branche. IMMER.
Nicht zu vergessen, dass es die Menschen sind, die zĂ€hlen, man fĂŒr Tradition und Leidenschaft steht und Nachhaltigkeit lebt. IMMER.

Kurz gesagt: Die meisten Imagefilme sind Bullshit-Bingo vom Feinsten.

Genau wie dieser hier, vom Obststandl Didi in MĂŒnchen: „‚S Lebn is a Freid“. Mit dem kleinen Unterschied, dass er exakt dieses Bullshit-Bingo komplett auf die Spitze treibt – mit unschlagbarer Ironie und einem Augenzwinkern, das geradezu knirscht. 🙂

Mein Fazit: Eine großartige, superkreative Leistung aus der MĂŒnchner Ideenschmiede* al Dente Entertainment. Respekt!
(Pssst: Braucht Ihr alDentinos gerade Texter? Hier! Ich! *schnipsundhops* ;-))


 

*auch so’n schönes Bullshit-Bingo-Wort. Gnihi!

 

Jochen Mai, Betreiber des ziemlich fabelhaften karrierebibel-Blogs, hat zur Blogparade getrötet und ich habe den Ruf vernommen. Das Thema: „Bewerbungs-Ghostwriter: Darf man das Anschreiben von Profis pimpen lassen?

Ich finde: ja. Allerdings innerhalb sehr, sehr eng gesteckter Grenzen, auf die ich gleich nÀher eingehe.
Als Werbetexterin biete ich durchaus meine Hilfe bei der Erstellung aussagekrĂ€ftiger Bewerbungen an – unter der Vorgabe (!), dass bereits etwas vorliegen muss. Und zwar ein vollstĂ€ndig selbst verfasstes Anschreiben, in dem der Bewerber alles verwurstet, was eben in ein Bewerbungs-Anschreiben so hineingehört:

  • Warum bewerbe ich mich ausgerechnet um diese Stelle?
  • Welchen Nutzen hat der potenzielle neue Arbeitgeber davon, wenn er ausgerechnet mich einstellt?
  • Welche berufliche/schulische Laufbahen habe ich bisher vorzuweisen?
  • Wie sehen meine Gehaltsvorstellungen aus (wenn das in der Stellenanzeige so gewĂŒnscht ist)?

Dazu gebe ich auf Wunsch vorher natĂŒrlich Tipps fĂŒr Reihenfolge, Gewichtung, Dos/Don’ts und dergleichen. Liegt mir diese Rohfassung vor, geht sie meist noch einmal zurĂŒck an den Verfasser, versehen mit Anmerkungen, an welchen Stellen es hapert, was zu ergĂ€nzen ist usw. Erst diese zweite, manchmal auch dritte Fassung lektoriere und korrigiere ich, achte aber weiterhin penibel darauf, keinesfalls mich bzw. meinen Stil einzubringen. Was also durchaus bedeuten kann, dass am Schluss eine zwar fehlerfreie, aber nicht perfekte Bewerbung dabei herauskommt – ein Risiko, dessen sich mein Auftraggeber bewusst sein muss.

Warum? Darum:
Bei Bewerbungs-Anschreiben ist es wichtig, dass die Persönlichkeit des Bewerbers maximal erhalten bleibt! Eine komplett fremdverfasste Bewerbung wĂ€re ihrer Vorsilbe nicht wert und wĂŒrde ihren Urheber als etwas verkaufen, das er nicht ist. EnttĂ€uschungen beim EmpfĂ€nger wĂ€ren dann vorprogrammiert. Deshalb ĂŒbernehme ich hier das Schreiben „von Grund auf“ niemals völlig, sondern fungiere eher als eine Art Schreib-Coach mit anschließendem Lektorat/Korrektorat. AuthentizitĂ€t rulez!

Bredouillös wird die Sache dann, wenn es sich um eine Stelle mit schreibenden Aufgaben handelt (Sekretariat, Onlineredaktion, LehrtĂ€tigkeit & Co.), der mir vorgelegte Text aber von vorne bis hinten davon zeugt, dass der Verfasser des Schreibens schlicht nicht mĂ€chtig ist. In diesen gottlob seltenen FĂ€llen bekommt er von mir schon mal zu hören, dass er seine Berufswahl eventuell ĂŒberdenken sollte. Schön ist das nicht – fĂŒr keine der beiden Seiten.

Wie handhaben meine Texter-Kolleginnen und -kollegen das? Pimpt Ihr Bewerbungen im Kundenauftrag Ă€hnlich vorsichtig wie ich oder geht Ihr bewusst ans Eingemachte? Lehnt Ihr Anfragen fĂŒr „Bewerbungs-Ghostwriting“ vielleicht grundsĂ€tzlich ab und wenn ja, aus welchen GrĂŒnden? WĂŒrde mich mal interessieren.