Jochen Mai, Betreiber des ziemlich fabelhaften karrierebibel-Blogs, hat zur Blogparade getrötet und ich habe den Ruf vernommen. Das Thema: „Bewerbungs-Ghostwriter: Darf man das Anschreiben von Profis pimpen lassen?

Ich finde: ja. Allerdings innerhalb sehr, sehr eng gesteckter Grenzen, auf die ich gleich näher eingehe.
Als Werbetexterin biete ich durchaus meine Hilfe bei der Erstellung aussagekräftiger Bewerbungen an – unter der Vorgabe (!), dass bereits etwas vorliegen muss. Und zwar ein vollständig selbst verfasstes Anschreiben, in dem der Bewerber alles verwurstet, was eben in ein Bewerbungs-Anschreiben so hineingehört:

  • Warum bewerbe ich mich ausgerechnet um diese Stelle?
  • Welchen Nutzen hat der potenzielle neue Arbeitgeber davon, wenn er ausgerechnet mich einstellt?
  • Welche berufliche/schulische Laufbahen habe ich bisher vorzuweisen?
  • Wie sehen meine Gehaltsvorstellungen aus (wenn das in der Stellenanzeige so gewünscht ist)?

Dazu gebe ich auf Wunsch vorher natürlich Tipps für Reihenfolge, Gewichtung, Dos/Don’ts und dergleichen. Liegt mir diese Rohfassung vor, geht sie meist noch einmal zurück an den Verfasser, versehen mit Anmerkungen, an welchen Stellen es hapert, was zu ergänzen ist usw. Erst diese zweite, manchmal auch dritte Fassung lektoriere und korrigiere ich, achte aber weiterhin penibel darauf, keinesfalls mich bzw. meinen Stil einzubringen. Was also durchaus bedeuten kann, dass am Schluss eine zwar fehlerfreie, aber nicht perfekte Bewerbung dabei herauskommt – ein Risiko, dessen sich mein Auftraggeber bewusst sein muss.

Warum? Darum:
Bei Bewerbungs-Anschreiben ist es wichtig, dass die Persönlichkeit des Bewerbers maximal erhalten bleibt! Eine komplett fremdverfasste Bewerbung wäre ihrer Vorsilbe nicht wert und würde ihren Urheber als etwas verkaufen, das er nicht ist. Enttäuschungen beim Empfänger wären dann vorprogrammiert. Deshalb übernehme ich hier das Schreiben „von Grund auf“ niemals völlig, sondern fungiere eher als eine Art Schreib-Coach mit anschließendem Lektorat/Korrektorat. Authentizität rulez!

Bredouillös wird die Sache dann, wenn es sich um eine Stelle mit schreibenden Aufgaben handelt (Sekretariat, Onlineredaktion, Lehrtätigkeit & Co.), der mir vorgelegte Text aber von vorne bis hinten davon zeugt, dass der Verfasser des Schreibens schlicht nicht mächtig ist. In diesen gottlob seltenen Fällen bekommt er von mir schon mal zu hören, dass er seine Berufswahl eventuell überdenken sollte. Schön ist das nicht – für keine der beiden Seiten.

Wie handhaben meine Texter-Kolleginnen und -kollegen das? Pimpt Ihr Bewerbungen im Kundenauftrag ähnlich vorsichtig wie ich oder geht Ihr bewusst ans Eingemachte? Lehnt Ihr Anfragen für „Bewerbungs-Ghostwriting“ vielleicht grundsätzlich ab und wenn ja, aus welchen Gründen? Würde mich mal interessieren.

 

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6 Kommentare zu “Bewerbungen „ghosten“: Darf man das? (Blogparade)”

  1. Christine Finke/Mama arbeitet sagt:

    Ich mache das nur für Freunde und nie gegen Bezahlung – insofern kann ich vielleicht nur begrenzt mitreden. Aber dass die Persönlichkeit des Bewerbers maximal erkennbar bleiben sollte, sehe ich auch so. Es ist natürlich einfach, solange ich für Freunde die Anschreiben verfasse oder einfach nur überarbeite, je nachdem, wie „schlimm“ das Ausgangsschreiben ist.

    Bisher haben alle drei Freunde jedenfalls den Job bekommen, den sie wollten. Die Erfolgsquote ist gut. :)

    Viele Grüße, Christine

  2. Michaela sagt:

    Es ist einfach ein Geschäftsmodell. Nicht mehr, nicht weniger.
    Man sollte natürlich tunlichst darauf achten, dass die Angaben stimmen und wirklich nur die Kosmetik machen. Keinen Funken mehr.

    Dazu hat sich die HR Szene neulich schon gebloggt:

    http://www.personalblogger.net/2013/10/01/ist-ein-vom-profi-geschriebener-cv-ein-plagiat/

    Und eine ernsthafte interessierte Frage: Woher weiss ein Texter/eine Texterin/Ghostwriter – wie auch immer – welche Dos/Donts gerade für den Bewerber zu dieser angestrebten Position wichtig sind?

    Viele Grüße

  3. Herr B. sagt:

    Juhu,

    generell finde ich sowas nicht falsch, aber eher zu Unterstützung derer, die das Bewerben nicht so können oder durch irgendwelche Umstände ins Hintertreffen geraten würden. Am Ende sollte aber immer die Echtheit des Bewerbers dargestellt sein, nichts geschöntes oder gepimptes.

    LG
    Herr B.

  4. Steffen | Bewerbungschreiben.guru sagt:

    Super Artikel!

    Ich persönlich finde es auch gut, wenn ein Mensch alles dafür tut um an seine Wunschstelle zu kommen. Ich denke der Weg über professionelle und etablierte Bewerbungsservice wie http://www.tt-bewerbungsservice.de, Die Bewerbungsschreiber und wie sie alle heißen ist hier sogar der bessere Weg! Ich denke, dass diese sehr viel besser in der Lage die Persönlichkeit des Bewerbers unverfälscht und trotzdem vorteilhaft im Anschreiben weiter zugeben als es Freunde und Bekannte sind.Denn nicht jeder hat einen Personaler im Freundeskreis. 😉

  5. Alexander sagt:

    Hallo Frau Kura,

    ich bin gerade auf Ihren Beitrag aufmerksam geworden. Durch meine Tätigkeit als Personalberater bekomme ich täglich sehr viele Bewerbungen und muss dort täglich feststellen, dass die Qualität der erhaltenen Bewerbungen oftmals nicht wirklich hochwertig ist. Daher finde ich es absolut ok, wenn bei einigen Bewerbern die Unterlagen noch einmal aufgehübscht werden. Letztendlich ist das dann auch nur ein Zeichen, dass der Bewerber es wirklich ernst meint mit seiner Bewerbung und das kann ich einfach nur unterstützen.

  6. Alex sagt:

    Hallo…

    also ich finde den Artikel auch wirklich interessant und informativ. Wir beschäftigen uns in unserem kostenlosen Forum http://www.job-hilfe.de auch mit allem Themen Rund um Bewerbung, Job und Karriere und merken auch immer häufiger an den Fragen der Jobsuchenden, wie schwer eine perfekte Bewerbung wirklich zu schreiben ist.

    Schreib gerne mehr von solchen Artikeln… ich freue mich sehr auf einen Besuch von dir.

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