Mohnblumen. Ich liebe Mohnblumen! So sattrot, so zart, so luftig, so zerbrechlich sind sie … wie ein wunderschöner Augenblick, den man gern festhalten möchte – und es eben nicht kann. Denn: Mohnblumen, einmal gepflĂŒckt, verwelken im Blumenstrauß schneller, als man bis drei zĂ€hlen kann. Was furchtbar schade ist, denn sie bereichern jeden Blumenstrauß nicht nur um eine herrliche Farbe, sondern auch um eine sonst in Wiesen selten anzutreffende BlĂŒtenform.

Schon oft habe ich mich gefragt, wie manche Maler es geschafft haben, BlumenstrĂ€uße zu malen, in denen Mohnblumen eine Rolle spielen – zum Beispiel Vincent van Gogh bei seinem Bild „Vase mit Kornblumen und Mohnblumen“. Vermutlich hat er den Strauß gepflĂŒckt, auf den Tisch gestellt, sofort hektisch losgepinselt und dabei unweigerlich mit den Mohnblumen begonnen? Sehr rĂ€tselhaft.

LEF221095 Still Life: Vase with Cornflowers and Poppies, 1887 (oil on canvas) by Gogh, Vincent van (1853-90) oil on canvas 80x67 Private Collection © Lefevre Fine Art Ltd., London Dutch, out of copyright

Jedenfalls habe ich als glĂŒckliche Blumenwiesen-Anwohnerin seit ungefĂ€hr 35 Jahren immer wieder versucht, eben doch eine Mohnblume in meinen StrĂ€ußen zum Überleben zu ĂŒberreden. Vergeblich. Und jetzt: der Durchbruch!!!

Ein kĂŒrzlich von mir gepflĂŒckter Strauß enthielt nĂ€mlich rein zufĂ€llig einen einzigen StĂ€ngel noch nicht aufgeblĂŒhter Mohnblumen. Der hatte sich beim PflĂŒcken so zwischen Margeriten, Vogelwicken, GetreideĂ€hren, AckergĂ€nsedisteln und Kamille gemogelt. Die adulten, voll erblĂŒhten Mohnblumen hatte ich natĂŒrlich schweren Herzens im Feld stehen lassen, weil siehe oben. Tja, was soll ich sagen … am nĂ€chsten Morgen prangte mitten zwischen ihren Feldkollegen eine prachtvolle Mohnblume! War heimlich ĂŒber Nacht herangereift und hatte ihre BlĂŒtenblĂ€tter entfaltet. Ich freute mich natĂŒrlich sehr, nahm innerlich aber gleich wieder Abschied, denn lange wĂŒrde mir diese Freude wohl nicht erhalten bleiben.
Weit gefehlt! Ganze fĂŒnf Tage (!) leuchtete meine Überraschungs-Mohnblume, und tatsĂ€chlich machte sogar die eine oder andere BlĂŒte im Strauß vor ihr schlapp.

Seitdem bin ich beim BlumenpflĂŒcken natĂŒrlich total erpicht auf „Mohnblumen-Babys“, die ich dann gezielt im Strauß so platziere, dass sie am nĂ€chsten oder ĂŒbernĂ€chsten Tag am schönsten wirken. Das erste Bild unten zeigt den aktuell auf meinem Esstisch wohnenden Blumenstrauß, das zweite eine noch schlummernde Mohnblumen-Knospe in Nahaufnahme. Die offenen BlĂŒten sahen gestern alle noch genauso aus – es geht wirklich schnell! :-)

Als nĂ€chstes suche ich nach einer Lösung fĂŒr Wegwarten, die ich auch sooo gern mal im Strauß hĂ€tte. Aber die sind ja wahrlich noch Ă€rgere Schnellschlappmacher als Mohn.

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Rechts im Bild: eine „haarige“ MohnblĂŒten-Knospe

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Mich ĂŒberrascht das ja nicht mehr groß, denn ich kenne die Textzickenmama seit nunmehr 42 Jahren – aber vielleicht möchtet ja Ihr einen weiteren Beweis dafĂŒr lesen, dass sie der vermutlich entspannteste Mensch der Welt ist?

Location: Chez Textzicke, heute Mittag.

Textzickenmama, an der HaustĂŒr klopfend: „Öhm, hast du die Waschmaschine an oder so? Bei uns unten tropft’s durch die Decke in Papas Bett.“ (So wisset: Die KĂŒche meiner Wohnung liegt im gemeinsam bewohnten Haus genau ĂŒber dem Schlafzimmer meiner Eltern.)

[Sprint Textzicke Richtung KĂŒche, in welcher sich auch tatsĂ€chlich ein kleines BĂ€chlein von der Waschmaschine Richtung hintere Zimmerecke schlĂ€ngelt]

Waschmaschine

 

Textzicke: „Oh SHIT!“ [schaltet die Waschmaschine aus, wirft KĂŒchenhandtĂŒcher auf das munter plĂ€tschernde MinibĂ€chlein, wischt hektisch herum] „… Ich hab vorhin vorne das Sieb saubergemacht, hoffentlich hab ich das alles wieder gescheit zugeschraubt.“

Textzickenmama: „Hier, wir ziehen die Maschine auch mal vor. Nicht dass das vom Schlauch hinten kommt.“

[Gemeinschaftliche semiprofessionelle Inspektion der Waschmaschine von allen Seiten]

Ergebnis: Hinten kam das Wasser wahrscheinlich nicht raus, aber ganz vielleicht eben doch. Möglicherweise lag es auch einfach an der vorherigen Waschladung. Da hatte irgendwie ein KinderhĂŒtchen aus der Verkleidungskiste seinen Aggregatzustand von „Stroh“ in „1 Million Fussel mit 1A Rohrverstopfungspotenzial“ geĂ€ndert und war dergestalt ins Waschmaschinirvana eingegangen. Davon abgesehen, dass ich seit Stephen Kings „Der WĂ€schemangler“ keinem HaushaltsgerĂ€t auch nur einen Meter ĂŒber den Weg traue, ist hier also alles denkbar. Aber zurĂŒck zum Thema.

Denn nun hĂ€tte Mama natĂŒrlich rumstressen können, dass die Ursache aber, hallöchen, augenblicklich gefunden werden muss und ich gefĂ€lligst aufpassen und bis zur lĂŒckenlosen AufklĂ€rung der Causa Aqua prophylaktisch einen Damm bauen möge. HĂ€tte jeder verstanden. Aber Mama wĂ€re nicht Mama, wenn …

Mama: „Weißte, die HandtĂŒcher, die da gerade dreckig geworden sind, musst du ja sowieso gleich im Anschluss auch waschen. Dann sehen wir ja, ob’s nochmal passiert. Und bis dahin spanne ich ĂŒber Papas Bett einfach nen Schirm auf, höhö.“

… I’ll keep you posted. 😉 

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Netflix ist ein beliebtes Video-on-Demand-Portal. Und weil KundennĂ€he rockt, ist Netflix auf allen möglichen Social-Media-Plattformen unterwegs. Klar – das wĂŒrde einem heute jeder Marketingberater ans Herz legen, der halbwegs bei Verstand ist. Nun hat diese Art von Kommunikation mit Kunden bei Weitem nicht jeder drauf, bedient aber dennoch die entscheidenden Accounts seines Arbeitgebers. Schon viele Unternehmen haben dank unzureichend ausgebildeter, konfliktunfĂ€higer oder schlicht humorloser Mitarbeiter unfreiwillige Touren durch die FettnĂ€pfchen ihrer Leser angetreten.

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Von Humorlosigkeit kann bei Netflix allerdings nicht ansatzweise die Rede sein. Da sitzt am Twitter-Kanal ganz offensichtlich ein Mensch mit Humor und Köpfchen. Als sich Netflix- und Twitteruser @Bucksen ganz leutselig per Reply an @NetflixDE wandte und nach Filmtipps fĂŒrs Wochenende fragte – statt sich die MĂŒhe zu machen, selbst im Programm zu stöbern -, entspann sich ein absolut herrlicher Dialog. Well done, Netflix, well done! Ich hefte das dann mal unter „Social Media Best Practice“ ab, ok?

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Liebe Leser, Ihr werdet gebraucht. NatĂŒrlich auch hier von Euren Familien und Chefs und Freunden und EhrenĂ€mtern … aber jetzt ganz akut als UnterstĂŒtzer fĂŒr ein im wahrsten Wortsinne lebenswichtiges Projekt.

Der bewundernswert nimmermĂŒde Verein Kinder auf der Flucht e.V., in dem meine guten Freunde Petra und Tilman Tag und Nacht im Einsatz sind, möchte ganz, ganz am Anfang der schrecklichen Schicksalskette zahlloser FlĂŒchtlinge* ansetzen. Geplant ist die Anschaffung eines zweiten, gebrauchten Rettungsbootes, mit dem ehrenamtliche Rettungsschwimmer nun auch vor der Insel Chios Ertrinkende hoffentlich rechtzeitig erreichen können.
Ein Boot fĂŒr das „Team Lesbos“ konnte kĂŒrzlich mithilfe von Spenden bereits finanziert werden
und ist unablĂ€ssig im Einsatz. Leider sieht es vor der KĂŒste der griechischen Insel Chios nicht viel besser aus; auch dort ist die Lage dramatisch und fĂŒr das bisher gemietete Rettungsboot geht den Helfern das Geld aus.

Rettungsboot_Lesbos

Dieses Boot ist kein Luxus.
Es ist ein Arbeitsmittel, mit dessen Hilfe Leben gerettet werden! Bitte spendet deshalb und verhindert damit aktiv menschliche Tragödien, die wir uns in unseren warmen Wohnzimmern nicht einmal ansatzweise vorstellen wollen.

Verhindert, dass ein schreiendes Kleinkind, das dem Schlepper auf dem Boot lĂ€stig und deshalb „zufĂ€llig“ ĂŒber Bord geschubst wurde, vom Meer verschluckt wird.
Verhindert, dass ein Baby, das die von Erschöpfung und eisigen Wassertemperaturen geschwĂ€chte Mutter nach dem Kentern ihres Bootes loslassen musste, Stunden spĂ€ter tot ans Ufer gespĂŒlt wird.
Verhindert, dass ein Bruder mit ansehen muss, wie der andere in Sichtweite des rettenden Landes ertrinkt, weil er seine Schwimmweste der schwangeren Nachbarin gab.

Rettungsschwimmerin

Helft. BITTE. Eure Spende erreicht den Verein unkompliziert ĂŒber die extra eingerichtete betterplace-Projektseite (>>KLICK<<).

WICHTIG: Sollte zum Zeitpunkt Eures Spendenwillens das Projekt bereits „durchfinanziert“ sein, spendet bitte trotzdem!!! Ein Bedarf folgt dem nĂ€chsten; morgen können es Rettungsdecken, Gummistiefel, Zelte, Babynahrung oder ein medizinisches GerĂ€t sein. Dieser Verein genießt mein vollstes Vertrauen und ich möchte Euch ermutigen, ihm Eures auch zu schenken … und nebenbei Leben, Hoffnung, Perspektive.

Ich verbĂŒrge mich persönlich dafĂŒr, dass Euer Geld haargenau dem Zweck zukommt, fĂŒr den es laut der Spendenplattform betterplace bestimmt ist. Das kann ich besten Gewissens, weil ich fĂŒr Petra, Tilman und das gesamte Team meine Hand ins Feuer legen wĂŒrde. Der Verein hat sich wichtige Ziele gesetzt und nimmt seine Aufgabe hundertprozentig ernst.

*Auf eine Diskussion ĂŒber FlĂŒchtlingspolitik etc. werde ich an dieser Stelle ausnahmslos KEINE Stellung nehmen und entsprechende Kommentare behalte ich mir vor, zu löschen. Hier geht es zunĂ€chst mal nicht um FlĂŒchtlinge, die irgendwann in Deutschland landen und sich dann integrieren oder nicht integrieren, sondern schlicht um MENSCHENLEBEN und wunderbare Leute, die wild entschlossen sind, diese zu bewahren. Das verdient allerhöchste WertschĂ€tzung und jede UnterstĂŒtzung dieser Welt. 

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Mich wĂŒrde mal Eure (werbeprofessionelle und private) Meinung zum neuen EDEKA-Weihnachtsspot interessieren.

Denn ich als Werberin sage:
… ein Geniestreich. Auch wenn ich bezweifle, dass dadurch direkt mehr EinkĂ€ufe generiert werden. MarkenimagestĂ€rkung natĂŒrlich top.

Als Mensch hingegen sage ich:
… GrĂ€sslich. Geht gar nicht. Wie können die nur?!
Und das nicht, weil ich solche (wahren, aber schlimmen) Botschaften nicht aushalte. Einfach weil es einen Step zu krass ist, mit den tiefsten inneren Ängsten zu „spielen“ und zu manipulieren.
WĂ€re ich eines der erwachsenen Kinder im Spot, ich wĂ€re auf den Vater sowas von stocksauer – auch wenn ich mich ertappt fĂŒhlen wĂŒrde, klar. So richtig funktioniert die Botschaft nĂ€mlich dann doch nicht – außer in moralischer Hinsicht. Und ich bin total hin- und hergerissen, ob ich das gut finden oder verurteilen soll.

Ein weiterer Punkt: Als Tochter, der es im Traum nicht einfallen wĂŒrde, jemals die Eltern zu einer solchen Nebensache verkommen zu lassen, macht mich der Spot wĂŒtend. Auf die, die es einfach nicht raffen. Weil es fĂŒr mich persönlich eben total selbstverstĂ€ndlich ist, engen Kontakt mit den Eltern zu haben. Nun wohne ich ja quasi Wand an Wand mit den meinen (gottseidank) … aber ich schwöre: So weit weg könnte ich nicht wohnen, dass ich es nicht wenigstens zu Weihnachten möglich machen wĂŒrde, sie zu sehen.
[Hier wird gleich der – berechtigte – Einwand fallen „Aber wenn man im Streit mit den Eltern ist, was dann?“. Diesen möchte ich hier außen vor lassen, denn im Spot scheint es nicht so, dass irgendwer mit irgendwem im Clinch ist. Hier geht es einfach um PrioritĂ€ten.]

Sollte der Spot allerdings dazu fĂŒhren, dass nur ein erwachsener Sohn oder eine erwachsene Tochter dadurch endlich wieder auf die wichtigen Dinge um Weihnachten herum besinnt, nĂ€mlich die Familie 
 dann ist mir alle Werbepsychologie und alles „too much“ piepegal und ich sage: Danke, EDEKA. Saustark.

Was meint Ihr dazu?

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Schon lange treiben mich Gedanken rund um Missgunst, Neid und HĂ€me um und nun ist es aus bestimmten GrĂŒnden Zeit, endlich darĂŒber zu schreiben.

ZunÀchst ein bisschen Etymologie:
Das Wörterbuch bezeichnet Missgunst als „Haltung, in der man jemandem etwas nicht gönnt“ – einleuchtend, wenn man bedenkt, dass die Gunst nichts weiter ist als das Substantiv (genauer: Verbalabstraktum) des Verbs Gönnen.
Im Vergleich zu ihrem ebenso unsympathischen Bruder, dem Neid, grenzt sich Missgunst vor allem durch Aspekte der Hierarchie und des Ziels ab: Neidisch ist man auf etwas, das einer meist höher gestellten Person oder Gruppe gehört und das man selbst gern hĂ€tte. Das können materielle Dinge sein, aber auch andere Werte wie Beliebtheit, subjektiv empfundene Schönheit oder sogar Fröhlichkeit. Man kann diesem GefĂŒhl seine Daseinsberechtigung nur in einem einzigen Punkt nicht absprechen: dann nĂ€mlich, wenn Neid einen Ehrgeiz auslöst, selbst etwas ebenfalls zu erreichen. Trotz allem bezeichnete DIE WELT den Neid – nicht umsonst eine der 7 TodsĂŒnden – in einem sehr guten Artikel als „GefĂŒhl wie ein böses GeschwĂŒr“. Missgunst ist deshalb ein noch scheußlicherer Wesenszug, weil ihr sogar das Streben fehlt: Der MissgĂŒnstige missgönnt einfach um des Missgönnens willen.
HĂ€me, das weniger gebrĂ€uchliche Synonym fĂŒr Schadenfreude oder genauer: schadenfreudiger Hohn, ist wiederum der Missgunst recht Ă€hnlich, wobei ihr das gezielte Missgönnen fehlt. Ein hĂ€mischer Zeitgenosse freut sich an Missgeschicken anderer und labt sich am UnglĂŒck seiner Mitmenschen.

Alle drei Eigenschaften, besonders aber Missgunst und HĂ€me, haben eines gemeinsam:
Ihr Inhaber fĂŒhlt sich selbst innerlich klein und sucht verzweifelt nach Möglichkeiten, sein SelbstwertgefĂŒhl dadurch zu erhöhen, dass er andere geringschĂ€tzt, niedermacht oder in ein schlechtes Licht stellt. Statt an sich selbst zu arbeiten, richtet er sein ganzes Streben danach, andere noch kleiner zu machen, als er selbst es ist. Was fĂŒr ein armseliges Dasein.

In der aktuellen FlĂŒchtlingsdebatte kann man das widerliche Trio tausendfach an der Stammtischparole „So schlecht geht es denen doch gar nicht, die haben alle schicke Smartphones!“ ablesen. Niemand möchte ernsthaft den Platz mit einem hier angekommenen FlĂŒchtling tauschen … aber das Smartphone … nee, das soll der auch nicht haben, Punkt! Dies soll aber heute nicht mein Thema sein, darĂŒber haben andere schon hervorragende Artikel geschrieben, die ich allesamt zu lesen empfehle. (Besonders dieser hier: „Fakten gegen Vorurteile“)

Was aber der eigentliche Auslöser dieses Blogposts ist:
Gestern liefen mir innerhalb kurzer Zeit auf der kleinen, komprimierten Digitalwelt facebook zwei Dinge ĂŒber den Weg, die zwar nichts miteinander, aber beide auf ihre Weise mit Missgunst und HĂ€me zu tun haben. Da war einmal die facebook-Seite „Nachdenkliche SprĂŒche mit Bilder“ (ja, das fehlende Dativ-n bei „Bilder“ ist Absicht) – und ein Video ĂŒber einen alten Mann, der in einer engen Straße in Neapel beim verkorksten Umdrehversuch mit seinem Auto ein Verkehrschaos verursacht.

Indeaner

Beides soll lustig sein: Auf der SprĂŒche-Seite ĂŒbertreffen sich die postenden Mitglieder mit orthographisch möglichst fehlerreichen, dĂŒmmlichen Pseudo-SinnsprĂŒchen und feiern sich dafĂŒr gegenseitig. Diese SprĂŒche, meist hinterlegt mit den ĂŒblichen Indianer- oder Naturfotos, werden tausendfach geteilt, „lustig“ kommentiert und erhalten unzĂ€hlige Likes. Das Video vom neapolitanischen U-turn-fail wurde auf youTube zahllose Male aufgerufen und der Fahrer an vielen Stellen mit HĂ€me ĂŒbergossen.

Ich mag das nicht.

Ich mochte schon als Kind weder „Tom & Jerry“ noch „Verstehen Sie Spaß!?“ noch „Upps, die Pannenshow“. Das GefĂŒhl von AmĂŒsement darĂŒber, wenn sich etwa Menschen ernsthaft wehtun oder in furchtbar peinliche Situationen geraten, ist mir einfach weitgehend fremd.
Auch Rache ist ein Konzept, das ich nicht so ganz verstehe. Rache macht nichts besser, sondern alles nur bitterer.

Entwischt mir bei den berĂŒhmten „fail compilations“ ein Lacher (ja, meine Kinder schauen das manchmal an und dann muss ich auch), fĂŒhle ich mich schmutzig.

WĂŒrde ich auf der obengenannten Schaut-her-wie-ich-Legasthenie-und-Dummheit-vortĂ€usche-Seite ein Like setzen, wĂŒrde ich mich dafĂŒr schĂ€men. Legastheniker haben sich ihre [Blöder-Begriff-Alarm!] Teilleistungsstörung nicht ausgesucht und sie wird sich nicht in Luft auflösen, wenn möglichst viele Nichtbetroffene hĂ€misch darĂŒber frotzeln. Sogar intellektuell einfach gestrickte Menschen (ich möchte niemanden, der nichts dafĂŒr kann, „dumm“ nennen), die solche pseudo-esoterischen SprĂŒche toll finden … nun, sie sind eben so. Damit tun sie niemandem weh, nicht wahr? Gute GĂŒte, gönnt ihnen doch diese Freude. Ich rolle vielleicht ganz kurz mit den Augen und seufze – aber eher, weil sie mir leid tun und ich froh bin, diesbezĂŒglich brauchbare Gene und eine okaye Bildung erwischt zu heben. Nicht jeder hat diese Chance. Es ist gemein, jemanden wegen verpasster Chancen, auf die er keinen Einfluss hatte, geringzuschĂ€tzen oder gar zu verspotten.

Und nein, niemals stĂŒnde ich wie die anderen Gaffer auf der engen Straße in Neapel und wĂŒrde schadenfreudig den alten, verwirrten Mann auslachen, der sich wegen falschen Augenmaßes oder sonstwas in eine derart verzwickte Position gebracht hat. Stattdessen wĂŒrde ich wohl entweder anbieten, das Wendemanöver fĂŒr ihn zu einem schnellen Ende zu bringen. Oder ich wĂŒrde die Motorradrocker bei ihrer Ehre packen und sie bitten, die Karre mal eben hochzuheben und in Fahrtrichtung zu drehen. Alles, nur nicht rumstehen, gaffen, lachen und filmen. Diese Leute machen mich wĂŒtend. Die Kommentatoren des Videos auch. (Dabei ist es mir gerade ziemlich egal, ob das Video eventuell ein ĂŒberspitztes Fake ist. Meinen Teil der Überlegungen spiegelt es sehr gut wider.)

Seit ich mich mit Gf – Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg beschĂ€ftige*, hat sich diese Abneigung gegen unreflektierte HĂ€me und Vorurteile noch verstĂ€rkt.

Bei jeder Aktion – oder Reaktion – einer Person frage ich mich automatisch, was wohl ihre GrĂŒnde dafĂŒr gewesen sind.
Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch GrĂŒnde hat fĂŒr das, was er tut.
Außerdem glaube ich, dass die meisten in diesem einen Moment das Beste geben, was sie können – auch wenn ihr Handeln unseren AnsprĂŒchen nicht genĂŒgt, nicht das ist, was wir gerade brĂ€uchten, oder ihre Lösung nicht unsere wĂ€re. Nur ganz wenige sind einfach unverbesserliche Arschlöcher, wenn ich das hier mal so salopp sagen darf … und selbst sie sind vermutlich nicht ohne Grund dazu geworden.
Beispiel: Wer mich jemals als Beifahrerin dabeihatte [hier mitleidiges Winken zu meinem Freund einfĂŒgen], weiß um meine balsamischen Worte, wenn etwa der Vorausfahrer langsam/nervig/unsicher herumzuckelt. Jedes genervte Schimpfen des Fahrers kommentiere ich nĂ€mlich etwa so: „Hey, wahrscheinlich sucht der was. Schau, er hat ein ortsfremdes Nummernschild“ oder „Ach, das ist eine alte Omi. Sind wir besser mal froh, dass sie langsam fĂ€hrt – wenn sie rasen wĂŒrde, wĂ€re das viel gefĂ€hrlicher!“ oder „Wir wissen nicht, warum, der so drĂ€ngelt. Vielleicht liegt zuhause seine Frau in den Wehen oder er muss dringend aufs Klo“.

Übrigens, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin weder ein Engel noch Mutter Teresa.
Alles. Andere. Als. Das.
Auch ich flippe regelmĂ€ĂŸig aus, wenn mich etwas ĂŒber die Maßen aufregt – vor allem dann, wenn absichtliche LĂŒgerei oder Ungerechtigkeit im Spiel ist, denn LĂŒgen und Ungerechtigkeit gehen gar nicht. Manchmal ist auch die GfK-Lilian gerade im Standby-Modus oder jemand hat verdammt nochmal haargenau den Triggerpunkt gedrĂŒckt, bei dem jede Vernunft aussetzt. Schlimm ist es auch, wenn ich Hunger habe. 😉 Aber im Allgemeinen ist es so, wie ich oben schrub, und ich werde kaum jemals mĂŒde, diesbezĂŒglich an meiner Umwelt herumzuerziehen (call me NervensĂ€ge, gern auch „Gutmensch“. Mir egal).

Denn leider gibt es neben vielen wundervollen, selbstlosen, achtsamen Menschen auch einige, bei denen Schadenfreude, Neid und Missgust an der Tagesordnung sind und bei denen ich regelmĂ€ĂŸig in einem Dilemma stecke: Weglaufen oder missionieren? Diese Menschen vergiften schleichend unsere positive Energie, und deshalb sind sie gefĂ€hrlich. Manchmal habe ich genug Energie, um bei ihnen eine Portion Optimismus sprĂŒhen zu lassen, Überzeugungsarbeit zu leisten, ihre Pseudo-Argumente zu entkrĂ€ften. Manchmal will ich aber nur so schnell wie möglich ihrem Dunstkreis entkommen, weil ich weder ihr Gerede noch ihren Anblick weiter ertragen kann.
Man erkennt den Homo missgunstus haemicus ĂŒbrigens an einem ganz besonderen Gesichtsausdruck. Er (oder sie) kann Ă€ußerlich hĂŒbsch sein, vielleicht sogar klug und witzig – aber er (oder sie) hat kalte Augen, die nur beim LĂ€stern heiß aufblitzen, und diesen verĂ€chtlichen Zug um den Mund, der von tĂ€glich eintrainierter HĂ€me kommt.

„HĂ€me“ und „hĂ€sslich“ beginnen vielleicht nicht umsonst mit denselben Buchstaben.

*Hier ein ganz herzlicher Dank an Britta Weber,
die mich – als Freundin und GfK-Trainerin – in einer
schwierigen Zeit an dieses Thema heranfĂŒhrte,
das mein Denken und Reden seither tatsÀchlich grundlegend verÀndert hat.

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