“Dare” by SAGA Falabella.
20. Mai 2011
2001 entdeckte das peruanische Einkaufszentrum SAGA Falabella, dass sich die Bedürfnisse seiner Käufer geändert haben. Unter dem Leitspruch “Dare. Change.” wagte es den Wechsel und stellte sich ganz neu auf.
Im dazugehörigen Werbespot wird der Wechsel symbolisiert durch Frauen, die alte Flucht-Verhaltensmuster ablegen. Der Spot arbeitet stark mit tänzerischen Motiven, emotionalen Nahaufnahmen von Gesichtern/Füßen und wunder-, wunderschöner Violinmusik (Vivaldi). Ich finde: berührend, stark und beeindruckend. Ob ich jedoch wegen dieser Werbung bei SAGA Falabella einkaufen würde? Keine Ahnung. Kundenvorteile transportiert der Spot jedenfalls nicht.
[Für meine sehbehinderten Leser: Der Werbespot zeigt verschiedene Menschen - zumeist Frauen - die aus verschiedenen Gründen die Flucht antreten. Eine Tänzerin wagt nicht den letzten Schritt auf die Bühne, um vor einer Jury zu tanzen. Ein Kind läuft vor herannahenden Wellen am Strand weg. Ein Aktmodell hat Scham, die letzte Hülle fallen zu lassen. Eine bebrillte Angestellte hat Angst, den Konferenzraum zu betreten. Eine Frau sieht im Lokal ihren Freund mit einer anderen flirten und verlässt erschrocken den Raum. Die Stimmung ändert sich, als eine junge Frau im Wald einem Wolf begegnet. Auge in Auge stehen sie sich gegenüber; schon macht die Darstellerin erste Schritte rückwärts ... da entschließt sie plötzlich, mutig zu sein. Sie reißt den Mund zu einem Schrei auf und rennt auf den Wolf los! Schlag auf Schlag folgen die anderen Protagonisten ihrem Beispiel: Die Tänzerin betritt die Bühne und fliegt in einem atemberaubenden Spagatsprung durchs Bild. Das Kind wirft sich fröhlich in die heranbrandenden Wellen. Das Aktmodell atmet tief durch, geht festen Schrittes auf die wartenden Malerinnen und Maler zu und lässt ihren Mantel fallen. Die Angestellte öffnet die Tür, marschiert an ihren Vorgesetzten vorbei und knallt ihnen (sicher wichtige) Unterlagen auf den Tisch. Die junge Frau im Lokal lässt die flirtende Fremde einfach links liegen, schnappt sich ihren Freund und küsst ihn leidenschaftlich. Die Frau im Wald rennt dem ebenfalls durchstartenden Wolf einfach entgegen - und verschmilzt im Augenblick des Zusammenpralls einfach mit ihm. Sie bleibt stehen, dreht sich in die Kamera und zeigt und ein überlegenes Lächeln ... ihr Mut hat sich gelohnt. Es folgt die Einblendung des Claims: "Dare. Change." und das Logo von SAGA Falabella erscheint.]
Kinderrechte. Keine Selbstverständlichkeit.
18. Mai 2011
Via Twitter* flimmerte gerade dieser schockierend-berührende Spot des irischen Kinderschutzbundes ISPCC über meinen Bildschirm. Schockierend deshalb, weil der kleine Junge seine Entschlossenheit, später für Kinderrechte zu kämpfen, so überzeugend präsentiert – während er selbst gerade misshandelt wird! Berührend deshalb, weil da ein kleiner Kämpfer ist, der sich sagt “Ich halte es aus. Ich stehe das durch. Und irgendwann bin ich groß und mache es besser.”
He can’t wait to grow up. Weil Kindesmisshandlung das größte Arschloch der Welt ist.
(danke, @BiggiMM)
The Power of Words.
6. Mai 2011
Wie mächtig Worte sind, hat wahrscheinlich jeder von uns schon einmal am eigenen Leib erfahren. Sie können uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubern oder motivieren. Sie können uns aber auch wütend machen, verletzen oder zum Weinen bringen.
Wie wichtig die Wahl der haargenau richtigen Worte ist, davon kann die Werbung ein Liedchen trällern. Es reicht nicht, die Botschaft irgendwie hinzuschreiben; sie muss ankommen, und zwar mitten im Herz (oder im Geldbeutel, je nachdem). So wie in diesem ebenso bewegenden wie überzeugenden Video, das die Onlinemarketing-Agentur Purplefeather in eigener Sache produzierte. Seht selbst – aber Achtung: Spontanlosheul-Gefahr am Schluss!
[Für meine sehbehinderte Leser: Im Video sitzt ein blinder Bettler vor einem öffentlichen Gebäude, neben sich eine Sammeldose und ein Schild mit der Aufschrift "I'm blind. Please help." Nur wenige Vorbeigehende werfen Geld in seine Büchse. Eine junge Frau mit Sonnenbrille geht zunächst vorbei, zögert dann, kehrt um und nimmt das Pappschild in die Hand. Sie dreht es um, schreibt auf der Rückseite einen anderen Text, stellt es wieder hin ... und geht. Der Blinde weiß nicht, wie ihm geschieht, als plötzlich ein wahrer Geldsegen über ihn kommt. Fast jeder, der das Schild liest, spendet! Wenig später kommt die junge Frau wieder; er erkennt sie an ihren Lackschuhen wieder. Der Blinde fragt sie dankbar, aber neugierig, was sie da getan habe. Ihre Antwort: "I wrote the same. But in different words." Die Kamera zoomt auf das neue Schild. Da steht jetzt: "It's a beautiful day and I can't see it." Es folgt der Abbinder mit dem Claim "Change your words. Change the world." des Onlinemarketing-Unternehmens Purplefeather.]
Morphing-Kunst der Extraklasse: “Women in art”
5. Mai 2011
Wenn Kunst eine bekennende Kunstbanausin wie mich aufwühlt, muss sie schon richtig gut sein. Der Digitalkünstler Philip Scott Johnson hat es geschafft. Sein Morphing-Werk “Women in Art” habe ich nicht ein-, nicht zwei- und auch nicht dreimal durchlaufen lassen. Nein. Sicher 20-mal saß ich mit runtergeklappter Kinnlade vor nahtlos ineinander fließenden Frauen-Porträts aus 500 Jahren Malerei. Wahnsinn. Anschauen! Staunen! Kunst plötzlich toll finden!
[Für meine sehbehinderten Leser: Das Video zeigt auf 2:52 Minuten Länge verschiedenste Frauen-Porträts großer Meister, die im Sekundentakt wunderbar ästhetisch ineinander überfließen. Philip Scott Johnson hat die Bilder so gewählt, dass z.B. der Übergang von einer nach links blickenden Frau zu einer nach rechts schauenden schrittweise erfolgt - über weitere, dazwischengeschaltete Bilder, auf denen die Kopfdrehung jeweils nur wenig differiert. Das Ergebnis ist ein extrem harmonisches "Video", in dem nicht nur bekannte Gesichter wie die Mona Lisa oder die Venus von Botticelli zu sehen sind. Quer durch die Epochen bewegt sich die Gesichtergalerie und endet mit den abstraken Frauendarstellungen des Expressionismus.]
(Die wunderbare Musik verdanken wir übrigens Johann Sebastian Bach. Hier hören wir die Prélude aus seiner Cello Suite Nr. 1, gespielt von Yo-Yo Ma.)
Yes, that can be my next tweet.
11. April 2011
Ich MUSS meine Leser einfach an diesem herrlich prokrastinatorischen Nonsens-Tool teilhaben lassen. Es heißt “Yes, that can be my next tweet” und funktioniert maximal einfach: In ein Fenster tippt man seinen Twitternamen ein, das System strickt aus vielenvielen vergangenen Tweets neue Quatsch-Postings und spuckt sie auf Wunsch in die Timeline. Typische Phrasen, klar, kommen immer wieder vor – aber in welchen Zusammenhängen, du lieber Himmel!
Probiert’s einfach mal aus. Oder auch nicht, denn es ist nicht ohne Risiko.
Bei allen Twitterern entschuldige ich mich vorab, denn Leute – wenn Ihr einmal damit anfangt, könnt Ihr nicht mehr aufhören, das ist garantiert. Tut es außerdem nicht in der Öffentlichkeit. Tut es nicht, wenn Ihr kurz danach hübsch und unverquollen aussehen müsst. Tut es nicht, wenn irgendjemand in der Nähe ist, der Euch noch irgendwie ernst nehmen soll. Ich habe Trä-nen gelacht und tue es noch, während ich dies hier tippe. Der Gatte wird mich demnächst einweisen lassen, wenn ich nicht bald fertig werde mit der Dauerprusterei, aber … Ich. Kann. Nicht. Aufhören!
Und um was geht’s hier bitteschön? Ihr wollt Beweise? Bitte, hier zum Einstieg interessante Fakten aus dem Tierreich und Textzickes Haushalt:

Bewerbersuche auf kackdreist.
7. April 2011
Manche Stellenanzeigen sind ja kreativer als andere. Oder witziger. Oder zielgruppengerichtärätätäter. Und manche sind alles auf einmal.
Die aktuelle Grafiker-Suchkampagne “Pöbeln mit Hirn” der Münchner Werbeagentur grasundsterne scheint mir so ein seltener Geniestreich zu sein: frech, sarkastisch und immer mir der Botschaft: “Spießige Spaßnichtversteher wollen wir bei uns nicht haben.” Ein schlaues Vorgehen, um diejenigen Bewerber von vorneherein rauszufiltern, die zum hippen grasundsterne-Team sowieso nicht passen würden. Das sieht zum Beispiel so aus:

[Für meine sehbehinderten Leser: Hier steht, hübsch schnörkelig gesetzt, der unausgesprochene, aber oft gedachte Grafikerfluch "KLAR setz' ich Dir den Scheiß in 10 Minuten - Darf es auch noch ein Kaffee sein, der Herr?"]
Oder auch so:

[Für meine sehbehinderten Leser: Hier steht, typographisch ebenso hübsch aufbereitet und wirklich très charmant: "Mit der Copy kannste Dir den ARSCH abwischen, Du Blindtexter"]
Fazit: Wäre ich Grafiker, hätten die meine Bewerbung längst auf dem Tisch. Da ich aber nun mal die Text- und keine Grafikzicke bin, lehne ich mich entspannt zurück, finde die Kampagne einfach nur cool und hoffe, dass mich die Sterngräser vielleicht mal für kackdreistes Text oder Lektorat buchen.

