Liebe Leser, Ihr werdet gebraucht. NatĂŒrlich auch hier von Euren Familien und Chefs und Freunden und EhrenĂ€mtern … aber jetzt ganz akut als UnterstĂŒtzer fĂŒr ein im wahrsten Wortsinne lebenswichtiges Projekt.

Der bewundernswert nimmermĂŒde Verein Kinder auf der Flucht e.V., in dem meine guten Freunde Petra und Tilman Tag und Nacht im Einsatz sind, möchte ganz, ganz am Anfang der schrecklichen Schicksalskette zahlloser FlĂŒchtlinge* ansetzen. Geplant ist die Anschaffung eines zweiten, gebrauchten Rettungsbootes, mit dem ehrenamtliche Rettungsschwimmer nun auch vor der Insel Chios Ertrinkende hoffentlich rechtzeitig erreichen können.
Ein Boot fĂŒr das „Team Lesbos“ konnte kĂŒrzlich mithilfe von Spenden bereits finanziert werden
und ist unablĂ€ssig im Einsatz. Leider sieht es vor der KĂŒste der griechischen Insel Chios nicht viel besser aus; auch dort ist die Lage dramatisch und fĂŒr das bisher gemietete Rettungsboot geht den Helfern das Geld aus.

Rettungsboot_Lesbos

Dieses Boot ist kein Luxus.
Es ist ein Arbeitsmittel, mit dessen Hilfe Leben gerettet werden! Bitte spendet deshalb und verhindert damit aktiv menschliche Tragödien, die wir uns in unseren warmen Wohnzimmern nicht einmal ansatzweise vorstellen wollen.

Verhindert, dass ein schreiendes Kleinkind, das dem Schlepper auf dem Boot lĂ€stig und deshalb „zufĂ€llig“ ĂŒber Bord geschubst wurde, vom Meer verschluckt wird.
Verhindert, dass ein Baby, das die von Erschöpfung und eisigen Wassertemperaturen geschwĂ€chte Mutter nach dem Kentern ihres Bootes loslassen musste, Stunden spĂ€ter tot ans Ufer gespĂŒlt wird.
Verhindert, dass ein Bruder mit ansehen muss, wie der andere in Sichtweite des rettenden Landes ertrinkt, weil er seine Schwimmweste der schwangeren Nachbarin gab.

Rettungsschwimmerin

Helft. BITTE. Eure Spende erreicht den Verein unkompliziert ĂŒber die extra eingerichtete betterplace-Projektseite (>>KLICK<<).

WICHTIG: Sollte zum Zeitpunkt Eures Spendenwillens das Projekt bereits „durchfinanziert“ sein, spendet bitte trotzdem!!! Ein Bedarf folgt dem nĂ€chsten; morgen können es Rettungsdecken, Gummistiefel, Zelte, Babynahrung oder ein medizinisches GerĂ€t sein. Dieser Verein genießt mein vollstes Vertrauen und ich möchte Euch ermutigen, ihm Eures auch zu schenken … und nebenbei Leben, Hoffnung, Perspektive.

Ich verbĂŒrge mich persönlich dafĂŒr, dass Euer Geld haargenau dem Zweck zukommt, fĂŒr den es laut der Spendenplattform betterplace bestimmt ist. Das kann ich besten Gewissens, weil ich fĂŒr Petra, Tilman und das gesamte Team meine Hand ins Feuer legen wĂŒrde. Der Verein hat sich wichtige Ziele gesetzt und nimmt seine Aufgabe hundertprozentig ernst.

*Auf eine Diskussion ĂŒber FlĂŒchtlingspolitik etc. werde ich an dieser Stelle ausnahmslos KEINE Stellung nehmen und entsprechende Kommentare behalte ich mir vor, zu löschen. Hier geht es zunĂ€chst mal nicht um FlĂŒchtlinge, die irgendwann in Deutschland landen und sich dann integrieren oder nicht integrieren, sondern schlicht um MENSCHENLEBEN und wunderbare Leute, die wild entschlossen sind, diese zu bewahren. Das verdient allerhöchste WertschĂ€tzung und jede UnterstĂŒtzung dieser Welt. 

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Mich wĂŒrde mal Eure (werbeprofessionelle und private) Meinung zum neuen EDEKA-Weihnachtsspot interessieren.

Denn ich als Werberin sage:
… ein Geniestreich. Auch wenn ich bezweifle, dass dadurch direkt mehr EinkĂ€ufe generiert werden. MarkenimagestĂ€rkung natĂŒrlich top.

Als Mensch hingegen sage ich:
… GrĂ€sslich. Geht gar nicht. Wie können die nur?!
Und das nicht, weil ich solche (wahren, aber schlimmen) Botschaften nicht aushalte. Einfach weil es einen Step zu krass ist, mit den tiefsten inneren Ängsten zu „spielen“ und zu manipulieren.
WĂ€re ich eines der erwachsenen Kinder im Spot, ich wĂ€re auf den Vater sowas von stocksauer – auch wenn ich mich ertappt fĂŒhlen wĂŒrde, klar. So richtig funktioniert die Botschaft nĂ€mlich dann doch nicht – außer in moralischer Hinsicht. Und ich bin total hin- und hergerissen, ob ich das gut finden oder verurteilen soll.

Ein weiterer Punkt: Als Tochter, der es im Traum nicht einfallen wĂŒrde, jemals die Eltern zu einer solchen Nebensache verkommen zu lassen, macht mich der Spot wĂŒtend. Auf die, die es einfach nicht raffen. Weil es fĂŒr mich persönlich eben total selbstverstĂ€ndlich ist, engen Kontakt mit den Eltern zu haben. Nun wohne ich ja quasi Wand an Wand mit den meinen (gottseidank) … aber ich schwöre: So weit weg könnte ich nicht wohnen, dass ich es nicht wenigstens zu Weihnachten möglich machen wĂŒrde, sie zu sehen.
[Hier wird gleich der – berechtigte – Einwand fallen „Aber wenn man im Streit mit den Eltern ist, was dann?“. Diesen möchte ich hier außen vor lassen, denn im Spot scheint es nicht so, dass irgendwer mit irgendwem im Clinch ist. Hier geht es einfach um PrioritĂ€ten.]

Sollte der Spot allerdings dazu fĂŒhren, dass nur ein erwachsener Sohn oder eine erwachsene Tochter dadurch endlich wieder auf die wichtigen Dinge um Weihnachten herum besinnt, nĂ€mlich die Familie 
 dann ist mir alle Werbepsychologie und alles „too much“ piepegal und ich sage: Danke, EDEKA. Saustark.

Was meint Ihr dazu?

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Schon lange treiben mich Gedanken rund um Missgunst, Neid und HĂ€me um und nun ist es aus bestimmten GrĂŒnden Zeit, endlich darĂŒber zu schreiben.

ZunÀchst ein bisschen Etymologie:
Das Wörterbuch bezeichnet Missgunst als „Haltung, in der man jemandem etwas nicht gönnt“ – einleuchtend, wenn man bedenkt, dass die Gunst nichts weiter ist als das Substantiv (genauer: Verbalabstraktum) des Verbs Gönnen.
Im Vergleich zu ihrem ebenso unsympathischen Bruder, dem Neid, grenzt sich Missgunst vor allem durch Aspekte der Hierarchie und des Ziels ab: Neidisch ist man auf etwas, das einer meist höher gestellten Person oder Gruppe gehört und das man selbst gern hĂ€tte. Das können materielle Dinge sein, aber auch andere Werte wie Beliebtheit, subjektiv empfundene Schönheit oder sogar Fröhlichkeit. Man kann diesem GefĂŒhl seine Daseinsberechtigung nur in einem einzigen Punkt nicht absprechen: dann nĂ€mlich, wenn Neid einen Ehrgeiz auslöst, selbst etwas ebenfalls zu erreichen. Trotz allem bezeichnete DIE WELT den Neid – nicht umsonst eine der 7 TodsĂŒnden – in einem sehr guten Artikel als „GefĂŒhl wie ein böses GeschwĂŒr“. Missgunst ist deshalb ein noch scheußlicherer Wesenszug, weil ihr sogar das Streben fehlt: Der MissgĂŒnstige missgönnt einfach um des Missgönnens willen.
HĂ€me, das weniger gebrĂ€uchliche Synonym fĂŒr Schadenfreude oder genauer: schadenfreudiger Hohn, ist wiederum der Missgunst recht Ă€hnlich, wobei ihr das gezielte Missgönnen fehlt. Ein hĂ€mischer Zeitgenosse freut sich an Missgeschicken anderer und labt sich am UnglĂŒck seiner Mitmenschen.

Alle drei Eigenschaften, besonders aber Missgunst und HĂ€me, haben eines gemeinsam:
Ihr Inhaber fĂŒhlt sich selbst innerlich klein und sucht verzweifelt nach Möglichkeiten, sein SelbstwertgefĂŒhl dadurch zu erhöhen, dass er andere geringschĂ€tzt, niedermacht oder in ein schlechtes Licht stellt. Statt an sich selbst zu arbeiten, richtet er sein ganzes Streben danach, andere noch kleiner zu machen, als er selbst es ist. Was fĂŒr ein armseliges Dasein.

In der aktuellen FlĂŒchtlingsdebatte kann man das widerliche Trio tausendfach an der Stammtischparole „So schlecht geht es denen doch gar nicht, die haben alle schicke Smartphones!“ ablesen. Niemand möchte ernsthaft den Platz mit einem hier angekommenen FlĂŒchtling tauschen … aber das Smartphone … nee, das soll der auch nicht haben, Punkt! Dies soll aber heute nicht mein Thema sein, darĂŒber haben andere schon hervorragende Artikel geschrieben, die ich allesamt zu lesen empfehle. (Besonders dieser hier: „Fakten gegen Vorurteile“)

Was aber der eigentliche Auslöser dieses Blogposts ist:
Gestern liefen mir innerhalb kurzer Zeit auf der kleinen, komprimierten Digitalwelt facebook zwei Dinge ĂŒber den Weg, die zwar nichts miteinander, aber beide auf ihre Weise mit Missgunst und HĂ€me zu tun haben. Da war einmal die facebook-Seite „Nachdenkliche SprĂŒche mit Bilder“ (ja, das fehlende Dativ-n bei „Bilder“ ist Absicht) – und ein Video ĂŒber einen alten Mann, der in einer engen Straße in Neapel beim verkorksten Umdrehversuch mit seinem Auto ein Verkehrschaos verursacht.

Indeaner

Beides soll lustig sein: Auf der SprĂŒche-Seite ĂŒbertreffen sich die postenden Mitglieder mit orthographisch möglichst fehlerreichen, dĂŒmmlichen Pseudo-SinnsprĂŒchen und feiern sich dafĂŒr gegenseitig. Diese SprĂŒche, meist hinterlegt mit den ĂŒblichen Indianer- oder Naturfotos, werden tausendfach geteilt, „lustig“ kommentiert und erhalten unzĂ€hlige Likes. Das Video vom neapolitanischen U-turn-fail wurde auf youTube zahllose Male aufgerufen und der Fahrer an vielen Stellen mit HĂ€me ĂŒbergossen.

Ich mag das nicht.

Ich mochte schon als Kind weder „Tom & Jerry“ noch „Verstehen Sie Spaß!?“ noch „Upps, die Pannenshow“. Das GefĂŒhl von AmĂŒsement darĂŒber, wenn sich etwa Menschen ernsthaft wehtun oder in furchtbar peinliche Situationen geraten, ist mir einfach weitgehend fremd.
Auch Rache ist ein Konzept, das ich nicht so ganz verstehe. Rache macht nichts besser, sondern alles nur bitterer.

Entwischt mir bei den berĂŒhmten „fail compilations“ ein Lacher (ja, meine Kinder schauen das manchmal an und dann muss ich auch), fĂŒhle ich mich schmutzig.

WĂŒrde ich auf der obengenannten Schaut-her-wie-ich-Legasthenie-und-Dummheit-vortĂ€usche-Seite ein Like setzen, wĂŒrde ich mich dafĂŒr schĂ€men. Legastheniker haben sich ihre [Blöder-Begriff-Alarm!] Teilleistungsstörung nicht ausgesucht und sie wird sich nicht in Luft auflösen, wenn möglichst viele Nichtbetroffene hĂ€misch darĂŒber frotzeln. Sogar intellektuell einfach gestrickte Menschen (ich möchte niemanden, der nichts dafĂŒr kann, „dumm“ nennen), die solche pseudo-esoterischen SprĂŒche toll finden … nun, sie sind eben so. Damit tun sie niemandem weh, nicht wahr? Gute GĂŒte, gönnt ihnen doch diese Freude. Ich rolle vielleicht ganz kurz mit den Augen und seufze – aber eher, weil sie mir leid tun und ich froh bin, diesbezĂŒglich brauchbare Gene und eine okaye Bildung erwischt zu heben. Nicht jeder hat diese Chance. Es ist gemein, jemanden wegen verpasster Chancen, auf die er keinen Einfluss hatte, geringzuschĂ€tzen oder gar zu verspotten.

Und nein, niemals stĂŒnde ich wie die anderen Gaffer auf der engen Straße in Neapel und wĂŒrde schadenfreudig den alten, verwirrten Mann auslachen, der sich wegen falschen Augenmaßes oder sonstwas in eine derart verzwickte Position gebracht hat. Stattdessen wĂŒrde ich wohl entweder anbieten, das Wendemanöver fĂŒr ihn zu einem schnellen Ende zu bringen. Oder ich wĂŒrde die Motorradrocker bei ihrer Ehre packen und sie bitten, die Karre mal eben hochzuheben und in Fahrtrichtung zu drehen. Alles, nur nicht rumstehen, gaffen, lachen und filmen. Diese Leute machen mich wĂŒtend. Die Kommentatoren des Videos auch. (Dabei ist es mir gerade ziemlich egal, ob das Video eventuell ein ĂŒberspitztes Fake ist. Meinen Teil der Überlegungen spiegelt es sehr gut wider.)

Seit ich mich mit Gf – Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg beschĂ€ftige*, hat sich diese Abneigung gegen unreflektierte HĂ€me und Vorurteile noch verstĂ€rkt.

Bei jeder Aktion – oder Reaktion – einer Person frage ich mich automatisch, was wohl ihre GrĂŒnde dafĂŒr gewesen sind.
Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch GrĂŒnde hat fĂŒr das, was er tut.
Außerdem glaube ich, dass die meisten in diesem einen Moment das Beste geben, was sie können – auch wenn ihr Handeln unseren AnsprĂŒchen nicht genĂŒgt, nicht das ist, was wir gerade brĂ€uchten, oder ihre Lösung nicht unsere wĂ€re. Nur ganz wenige sind einfach unverbesserliche Arschlöcher, wenn ich das hier mal so salopp sagen darf … und selbst sie sind vermutlich nicht ohne Grund dazu geworden.
Beispiel: Wer mich jemals als Beifahrerin dabeihatte [hier mitleidiges Winken zu meinem Freund einfĂŒgen], weiß um meine balsamischen Worte, wenn etwa der Vorausfahrer langsam/nervig/unsicher herumzuckelt. Jedes genervte Schimpfen des Fahrers kommentiere ich nĂ€mlich etwa so: „Hey, wahrscheinlich sucht der was. Schau, er hat ein ortsfremdes Nummernschild“ oder „Ach, das ist eine alte Omi. Sind wir besser mal froh, dass sie langsam fĂ€hrt – wenn sie rasen wĂŒrde, wĂ€re das viel gefĂ€hrlicher!“ oder „Wir wissen nicht, warum, der so drĂ€ngelt. Vielleicht liegt zuhause seine Frau in den Wehen oder er muss dringend aufs Klo“.

Übrigens, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin weder ein Engel noch Mutter Teresa.
Alles. Andere. Als. Das.
Auch ich flippe regelmĂ€ĂŸig aus, wenn mich etwas ĂŒber die Maßen aufregt – vor allem dann, wenn absichtliche LĂŒgerei oder Ungerechtigkeit im Spiel ist, denn LĂŒgen und Ungerechtigkeit gehen gar nicht. Manchmal ist auch die GfK-Lilian gerade im Standby-Modus oder jemand hat verdammt nochmal haargenau den Triggerpunkt gedrĂŒckt, bei dem jede Vernunft aussetzt. Schlimm ist es auch, wenn ich Hunger habe. 😉 Aber im Allgemeinen ist es so, wie ich oben schrub, und ich werde kaum jemals mĂŒde, diesbezĂŒglich an meiner Umwelt herumzuerziehen (call me NervensĂ€ge, gern auch „Gutmensch“. Mir egal).

Denn leider gibt es neben vielen wundervollen, selbstlosen, achtsamen Menschen auch einige, bei denen Schadenfreude, Neid und Missgust an der Tagesordnung sind und bei denen ich regelmĂ€ĂŸig in einem Dilemma stecke: Weglaufen oder missionieren? Diese Menschen vergiften schleichend unsere positive Energie, und deshalb sind sie gefĂ€hrlich. Manchmal habe ich genug Energie, um bei ihnen eine Portion Optimismus sprĂŒhen zu lassen, Überzeugungsarbeit zu leisten, ihre Pseudo-Argumente zu entkrĂ€ften. Manchmal will ich aber nur so schnell wie möglich ihrem Dunstkreis entkommen, weil ich weder ihr Gerede noch ihren Anblick weiter ertragen kann.
Man erkennt den Homo missgunstus haemicus ĂŒbrigens an einem ganz besonderen Gesichtsausdruck. Er (oder sie) kann Ă€ußerlich hĂŒbsch sein, vielleicht sogar klug und witzig – aber er (oder sie) hat kalte Augen, die nur beim LĂ€stern heiß aufblitzen, und diesen verĂ€chtlichen Zug um den Mund, der von tĂ€glich eintrainierter HĂ€me kommt.

„HĂ€me“ und „hĂ€sslich“ beginnen vielleicht nicht umsonst mit denselben Buchstaben.

*Hier ein ganz herzlicher Dank an Britta Weber,
die mich – als Freundin und GfK-Trainerin – in einer
schwierigen Zeit an dieses Thema heranfĂŒhrte,
das mein Denken und Reden seither tatsÀchlich grundlegend verÀndert hat.

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Fragen zum Krieg.

7. Oktober 2015

Liebe Regierungen dieser Welt,

vielleicht erreichen Euch Bilder wie diese ja mehr als die von bombenzerfetzten Kriegsopfern, ertrunkenen FlĂŒchtlingsbabys oder protestierenden Menschenmengen.

Bitte beantwortet mir und Euch und allen, die wie ich bei diesen Videos nicht mehr aufhören können zu weinen, mal folgende Fragen:

WIE KÖNNT IHR MĂ€nner und Frauen in den Krieg schicken, die Familien haben, ein Leben, Talente, TrĂ€ume? EUREN Krieg, nicht ihren?
WIE KÖNNT IHR sie so lange von denen getrennt halten, die sie lieben und brauchen?
WIE KÖNNT IHR es ertragen, daran schuld zu sein, dass Kinder ihre VĂ€ter oder MĂŒtter niemals kennenlernen, weil es fĂŒr ein Kennenlernen irgendwann zu spĂ€t ist, weil Mommy/Daddy in einer beschissenen Kiste mit einer beschissenen Flagge drauf nach Hause kommen … oder von Traumata zerstört, in der Seele tot, wegen dem, was sie sehen mussten und tun?
WIE KÖNNT IHR diese Opfer des Krieges (denn jeder darin ist Opfer, auch die sogenannten „TĂ€ter“) auch noch sarkastisch als Helden feiern, wo Ihr sie doch einfach verheizt, benutzt, wegwerft?
WIE KÖNNT IHR Menschen von wertvollen, leer bleibenden Funktionen abziehen, in denen sie um das Tausendfache besser „angelegt“ wĂ€ren als an der Waffe?

Und, ĂŒber allem:

WIE KÖNNT IHR Politik betreiben, die unsere Welt so unstabil macht, dass es nötig ist, sie mit Waffengewalt zu schĂŒtzen?
WIE KÖNNT IHR kriegerische Konflikte sogar noch HERAUSFORDERN, indem Ihr niemals den Hals voll kriegt – voll Geld, voll Macht, voll Öl?

WIE KÖNNT IHR morgens in den Spiegel sehen? WIE!???

Es ist einfach nicht zu fassen.

 

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Der Absturz der Germanwings-Passagiermaschine 4U9525 am 24. MĂ€rz 2015 hat die Welt aufgewĂŒhlt. Vorherrschend sind GefĂŒhle von Trauer, fassungslosem Entsetzen, Hilflosigkeit, Angst und Wut auf den eventuellen Verursacher der Tragödie.

Doch als wĂ€re der Flugsteugabsturz, der 150 Menschen das Leben kostete, nicht schrecklich genug, offenbaren sich in der Berichterstattung die tiefsten stinkenden SĂŒmpfe menschlichen Seins.

Da wurden „Experten“ bereits zu einem Zeitpunkt befragt, zu dem sie noch keinerlei Aussagen machen konnten, nur damit irgendjemand irgendwas sagt.
Die Folge: wilde Mutmaßungen ohne jeden RĂŒckhalt, die man sich ebenso sparen kann.
Nutzen fĂŒr den Fortgang der Ermittlungen oder den Trost Hinterbliebener: null.

Da werden, pietĂ€tlos wie immer, Bilder von weinenden Angehörigen gezeigt, von TrĂŒmmerteilen und von Ortsschildern, nur damit man irgendwas sieht.
Die Folge: Explodierende Klickraten auf Bildstrecken, lodernder Voyeurismus unter den Betrachtern.
Nutzen fĂŒr den Fortgang der Ermittlungen oder den Trost Hinterbliebener: null.

Da befragt man wahllos Familienangehörige, Nachbarn, entfernte Bekannte, wen auch immer, nur damit wir an den Bildschirmen sehen, dass da draußen etwas Schreckliches, nicht wahr sein DĂŒrfendes geschehen ist, aber gottseidank nicht uns selbst.
Die Folge: Traumhafte Einschaltquoten bei Brennpunkten & Co. – aber vor allem alptraumhafte zusĂ€tzliche Belastungen fĂŒr Menschen, die gerade erst ihre Liebsten verloren haben und mit dem kreischenden „WARUM!?“ in ihrem Kopf sowieso schon mehr tragen mĂŒssen, als ein Mensch jemals ertragen mĂŒssen sollte.
Nutzen fĂŒr den Fortgang der Ermittlungen oder den Trost Hinterbliebener: null.

Und dann wird zu einem Zeitpunkt, an dem man zwar eine furchtbare Schuld vermutet, aber keinerlei Beweise hat, eine widerwĂ€rtige Hatz auf die Familie eines Mannes gemacht, der vielleicht aus irgendwelchen GrĂŒnden 149 weitere mit in den Freitod nahm. Vielleicht. Auch hier: null Nutzen, dafĂŒr aber Hass in Dimensionen, die mir schon beim Hinlesen Übelkeit verursachen. Dass auch diese Familie ein Mitglied verloren hat, interessiert lĂ€ngst niemanden mehr. Er ist ja vermutlich DER BÖSE, und um DEN BÖSEN darf man nicht trauern, sondern ist – hey, Pech gehabt! – als Familie automatisch mit schuld.
Was soll man zu solchen Dingen sagen? Es ist absurd.

„WitwenschĂŒtteln“ nennt man all das, und dieser Begriff umschreibt den ganzen gifttriefenden Kern der Sache leider gut.

Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, wie enorm mich die Art, in der derartige UnglĂŒcke ausgeschlachtet werden, anwidert – ebenso wie die Konsumenten dieser Art von Berichterstattung. Es beschĂ€mt mich, dass selbst respektable Medien (also nicht nur die BILD, von der man freilich nichts anderes erwartet hat) hier ohne jegliches FingerspitzengefĂŒhl agieren und sich schlicht benehmen wie eine tollwĂŒtige Axt im Wald.
Andere haben das schon zur GenĂŒge getan und ich sammle hier einfach mal diejenigen Artikel, die mir aus der Seele sprechen:

Mit diesen drei Artikeln ist fast alles gesagt, was ich zu diesem Zeitpunkt auch sagen möchte. FĂŒr weitere Hinweise auf fundierte Mitdenker bin ich aber dankbar und verlinke sie hier gern.

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Inspirierend!

Mason Wartmans Pizzeria „Rosa’s Fresh Pizza“ steht in einer der StĂ€dte mit der höchsten Armutsrate der USA: Philadelphia. Vor gut einem Jahr gab Mason seinen gut bezahlten Job an der Wall Street auf, um Pizza zu backen; so schön, so gut. Dann stand eines Tages ein Kunde vor ihm, der nicht nur sein eigenes StĂŒck Pizza bezahlen wollte, sondern im Voraus 1$ fĂŒr ein weiteres – unter der Voraussetzung, dass Mason es dem nĂ€chsten BedĂŒrftigen in die Hand drĂŒckt, der die Pizzeria betritt.
Die Idee gefiel dem jungen PizzabĂ€cker und er pappte eine Klebenotiz an die Wand, um das Weitergeben nicht zu vergessen. Schnell entwickelte sich diese erste Geste zu einer Tradition. Heute sind die WĂ€nde von Rosa’s Fresh Pizza bedeckt von bunten Post-its, auf denen die Spender kleine nette Nachrichten an die tĂ€glich 40 bis 50 EmpfĂ€nger „Ihres“ PizzastĂŒcks geschrieben haben.

Dieses so unglaublich einfache Konzept, ob mit oder ohne Post-its, wĂ€re theoretisch ĂŒberall umsetzbar, nicht nur in der Pizzeria: beim BĂ€cker, am Kiosk, an der Dönerbude, am Bratwurststand, beim GemĂŒsehĂ€ndler.

Und es wirkt ja ganz offensichtlich – siehe Minute 2:15 im Video. Immer wieder bekommt Mason außerdem gesagt, dass die Möglichkeit, legal und kostenlos eine warme Mahlzeit zu bekommen, Obdachlose von kriminellen Handlungen abhĂ€lt. Damit, sagt er, hat er nicht gerechnet. Ihm war klar, dass seine Gratispizza armen Menschen Geld spart … aber dass deshalb sogar die KriminalitĂ€t unter ihnen abnimmt, wĂ€rmt ihm das Herz.

„Pay it forward“ – auf Deutsch ungefĂ€hr „Gib es weiter“: ein guter Gedanke. Einer von wenigen, die bei der BekĂ€mpfung von offensichtlicher Armut mitten unter uns unmittelbar funktioniert.
Denn wer spĂŒrt, dass andere in ihn investieren, ihn sehen, ihn nicht aufgeben … der wird das frĂŒher oder spĂ€ter auch tun, fĂŒr sich oder weitere Menschen, die ihn brauchen.

Wichtig: Es geht dabei eben nicht um „Payback„, also RĂŒckzahlung. Wenn Menschen sich verpflichtet fĂŒhlen, gute Taten immer an den ursprĂŒnglichen Geber zurĂŒckzuzahlen, kommt dabei kein Kreislauf zustande. Entscheidend ist der Gedanke, dass man Gutes, das einem selbst widerfahren ist, einfach irgendwann dann weitergeben DARF, sobald man kann. Einfach deshalb, weil es einem ein ureigenes BedĂŒrfnis ist.

Und das hat noch nicht einmal was mit Karmapunkten zu tun. Das ist Menschsein, das ist gelebte NĂ€chstenliebe in der Gesellschaft. Wir tragen Verantwortung fĂŒreinander!

 

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