Yes, that can be my next tweet.
11. April 2011
Ich MUSS meine Leser einfach an diesem herrlich prokrastinatorischen Nonsens-Tool teilhaben lassen. Es heißt “Yes, that can be my next tweet” und funktioniert maximal einfach: In ein Fenster tippt man seinen Twitternamen ein, das System strickt aus vielenvielen vergangenen Tweets neue Quatsch-Postings und spuckt sie auf Wunsch in die Timeline. Typische Phrasen, klar, kommen immer wieder vor – aber in welchen Zusammenhängen, du lieber Himmel!
Probiert’s einfach mal aus. Oder auch nicht, denn es ist nicht ohne Risiko.
Bei allen Twitterern entschuldige ich mich vorab, denn Leute – wenn Ihr einmal damit anfangt, könnt Ihr nicht mehr aufhören, das ist garantiert. Tut es außerdem nicht in der Öffentlichkeit. Tut es nicht, wenn Ihr kurz danach hübsch und unverquollen aussehen müsst. Tut es nicht, wenn irgendjemand in der Nähe ist, der Euch noch irgendwie ernst nehmen soll. Ich habe Trä-nen gelacht und tue es noch, während ich dies hier tippe. Der Gatte wird mich demnächst einweisen lassen, wenn ich nicht bald fertig werde mit der Dauerprusterei, aber … Ich. Kann. Nicht. Aufhören!
Und um was geht’s hier bitteschön? Ihr wollt Beweise? Bitte, hier zum Einstieg interessante Fakten aus dem Tierreich und Textzickes Haushalt:

Bewerbersuche auf kackdreist.
7. April 2011
Manche Stellenanzeigen sind ja kreativer als andere. Oder witziger. Oder zielgruppengerichtärätätäter. Und manche sind alles auf einmal.
Die aktuelle Grafiker-Suchkampagne “Pöbeln mit Hirn” der Münchner Werbeagentur grasundsterne scheint mir so ein seltener Geniestreich zu sein: frech, sarkastisch und immer mir der Botschaft: “Spießige Spaßnichtversteher wollen wir bei uns nicht haben.” Ein schlaues Vorgehen, um diejenigen Bewerber von vorneherein rauszufiltern, die zum hippen grasundsterne-Team sowieso nicht passen würden. Das sieht zum Beispiel so aus:

[Für meine sehbehinderten Leser: Hier steht, hübsch schnörkelig gesetzt, der unausgesprochene, aber oft gedachte Grafikerfluch "KLAR setz' ich Dir den Scheiß in 10 Minuten - Darf es auch noch ein Kaffee sein, der Herr?"]
Oder auch so:

[Für meine sehbehinderten Leser: Hier steht, typographisch ebenso hübsch aufbereitet und wirklich très charmant: "Mit der Copy kannste Dir den ARSCH abwischen, Du Blindtexter"]
Fazit: Wäre ich Grafiker, hätten die meine Bewerbung längst auf dem Tisch. Da ich aber nun mal die Text- und keine Grafikzicke bin, lehne ich mich entspannt zurück, finde die Kampagne einfach nur cool und hoffe, dass mich die Sterngräser vielleicht mal für kackdreistes Text oder Lektorat buchen.
Von gezunkenen Karten und gagenden Geigern.
14. Januar 2011
Gerade kichere ich mal wieder wie verrückt über das linguistische Fundstück des Jahrhunderts: Die Gesellschaft zur Stärkung der Verben nämlich hat sich auf die Fahnen geschruben, den armen schwachen Verben den Rücken zu stirken und damit einer Verödung der Grammatik zu entgegenwarken.
Sie so: “Häh?” Ich so: Guckstu.
Ab sofort wird mit gezunkenen Karten gespielt, verwolkene Blumen werden weggeschmissen, Geiger gagen, Vergleiche hanken, man hat sich mit weniger Geld begnogen, der Lehrer schak den Schüler zum Direktor, wir verwandten den verborßenen Algorithmus.
Überhaupt haben die Initiatoren auffallend Recht mit ihrer Feststellung:
Warum heißt es: ich sterbe, ich starb, ich bin gestorben, aber nicht ich erbe, ich arb, ich habe georben?
Und hey: Warum sollte man das Verb “verabscheuen” nicht wie folgt beugen: verscheut ab, verschund ab, verschünde ab, verscheue ab, abverschunden? Denkbar wäre auch, dass ich mich mit einem peinlichen Kommentar in die Nesseln gesotzen oder das Kind in der Musikschule angemolden habe. Und was ist so abwegig daran, hässliche Substantiv-Endungen wie “-igkeit, -lichkeit, -ikation oder -ilität” zu eliminieren und z.B. aus der unattraktiven “Möglichkeit” ein heroisches Mögnis zu machen?
Hach. Was für eine tolle Sache für Sprachspieler wie mich. Aber Vorsicht: Festlese-Gefahr!
(Und vielen Dank an die liebe Sandra Vogel vom piepmatz Verlag, die den Link auf Twitter postete!)
Wie Mark Twain 100 Jahre nach seinem Tod einen Bestseller landete.
29. November 2010
Ich verehre Mark Twain. Und das nicht nur wegen Tom Sawyer und Huckleberry Finn, nein – spätestens nach dem Lesen seines wundervollen pointiert-witzigen Essays “Die schreckliche deutsche Sprache” (hier nochmal im englischen Original, kaufbar z.B. in einer tollen zweisprachigen Ausgabe) hänge ich an jedem seiner Worte. Mark Twain hat einen Schreibstil, der ungemein mitreißend ist, intelligent und schlichtweg wundervoll. Neben Ephraim Kishon und (herrjeh, dazu muss ich auch irgendwann noch bloggen!) Stephen King ist Mark Twain für mich ein Quell unerschöpflicher Schreibkunst und ein großes Vorbild.
Das Genie Mark Twain ist seit 100 Jahren tot. Trotzdem stürmt er in den USA gerade die Bestsellerlisten – mit dem ersten Teil seiner Autobiographie, die als Dreiteiler geplant ist.
Rund 5000 Seiten Leben hatte Mark Twain vor seinem Tod einem Freund übergeben mit der Auflage, frühestens nach 100 Jahren (yeah, das ist heute!) damit an die Öffentlichkeit zu gehen. 760 unzensierte Seiten davon liegen nun vor, weitere werden folgen. Endlich kann man nachlesen, was Mark Twain selbst über vieles dachte, wie er wirklich lebte und was ihn inspirierte! Derzeit muss man dazu noch des Englischen mächtig sein, denn die deutsche Ausgabe der Mark-Twain-Autobiographie ist noch nicht erschienen. Mich persönlich stört das aber nicht die Bohne, denn Mark Twain ist auf Englisch und Deutsch gleichermaßen die helle Lesefreude.
Und bevor ich’s vergesse: das Ganze gibt es auch als Hörbuch, oho!
Wenn das mal nix für den Wunschzettel ist … bei mir steht’s jedenfalls drauf.
Blindtext, yo, man.
27. Oktober 2010
Wem der typische “lorem ipsum”-Blindtext zu uncool ist, greift zukünftig zum “Gangsta lorem ipsum Blindtext-Generator”. Krasser Scheiß: Er mixt den Klassiker mit hippen Streetgangsta-Parolen.
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Wisster Bescheid.
Was Stephen Fry über lebende Sprache sagt.
11. Oktober 2010
Wow, was für ein Text. Über Sprache. Lebendige, sich entwickelnde Sprache, um genau zu sein, die eben nicht jahrhundertelang gleich bleibt und bei der es deshalb keinen Sinn macht*, auf jahrhundertealten Regelungen herumzureiten. Dieses von Matt Rogers wundervoll typografisch umgesetzte Exzerpt aus einem Podcast des britischen Schriftstellers, Drehbuchautors, Regisseurs und Schauspielers Stephen Fry ist ein Plädoyer dafür, der Sprache ihre Veränderung zu gewähren. Ein Plädoyer dafür, neue Strömungen auch mal wohlwollend in Augenschein zu nehmen, sie auf fruchtbaren Boden fallen zu lassen und zu sehen, was daraus keimt. Mit Worten zu spielen, wenn es dem Rahmen ihrer Verwendung dient. Neues zu erschaffen, mit Sprache zu kitzeln, zu verführen, zu provozieren. Stephen Fry erklärt die selbst ernannten “guardians of language”, die solche Wortgeburten mit einem missbilligenden Kopfschütteln betrachten, zu furzlangweiligen Spießern:
“Do they ever yoke impossible words together for the sound-sex of it? I doubt it. They’re too farting busy sneering at a greengrocer’s less than perfect use of the apostrophe.”
*haha! Ertappt! “Sinn machen” schrub ich! Böse, böse – das sollte eine Texterin doch nicht verwenden! Und ich tue es doch.
Ich persönlich finde z.B. manche Anglizismen durchaus verwendenswert. Warum sollte ich den phonetisch perfekten “Laptop” zugunsten des gartengerätehaft anmutenden “Klapprechners” über Bord werfen? Auch empfinde ich den Ausdruck “Sinn machen” als irgendwie stärker, ja aktiver denn “Sinn ergeben” und verwende ihn je nach Laune neben seiner korrekten deutschen Form. Wie verwegen!
Meinen Texten hat das bisher keinen Abbruch getan, jedenfalls hat bis heute keiner gemeckert.
“Oho”, sagen Sie, “und das aus dem Munde einer bekennenden Rechtschreibfetischistin!”? Sie haben ja Recht. Echte, richtig doll doofe und falsche Fehler lasse ich ja auch nicht durchgehen. Aber diese Diskussionsfälle, wo es nicht um Falsch und Richtig geht, sondern darum, ob ein Ausdruck, ein Wort, ein Wortgebilde vielleicht tatsächlich besser sein könnte als das Original … wenn er etwa direkt das Kopfkino anknipst, statt nur zu beschreiben … da bin ich eben flexibel. Und neugierig. Weil Sprache lebt, Trends unterliegt und – wie ich finde – ein legitimes Transportmittel für Persönlickeit sein darf. Sich dem zu verleugnen, würde Stillstand bedeuten. Und auf den habe ich keine Lust. PAMM!

