Schon lange treiben mich Gedanken rund um Missgunst, Neid und Häme um und nun ist es aus bestimmten Gründen Zeit, endlich darüber zu schreiben.

Zunächst ein bisschen Etymologie:
Das Wörterbuch bezeichnet Missgunst als „Haltung, in der man jemandem etwas nicht gönnt“ – einleuchtend, wenn man bedenkt, dass die Gunst nichts weiter ist als das Substantiv (genauer: Verbalabstraktum) des Verbs Gönnen.
Im Vergleich zu ihrem ebenso unsympathischen Bruder, dem Neid, grenzt sich Missgunst vor allem durch Aspekte der Hierarchie und des Ziels ab: Neidisch ist man auf etwas, das einer meist höher gestellten Person oder Gruppe gehört und das man selbst gern hätte. Das können materielle Dinge sein, aber auch andere Werte wie Beliebtheit, subjektiv empfundene Schönheit oder sogar Fröhlichkeit. Man kann diesem Gefühl seine Daseinsberechtigung nur in einem einzigen Punkt nicht absprechen: dann nämlich, wenn Neid einen Ehrgeiz auslöst, selbst etwas ebenfalls zu erreichen. Trotz allem bezeichnete DIE WELT den Neid – nicht umsonst eine der 7 Todsünden – in einem sehr guten Artikel als „Gefühl wie ein böses Geschwür“. Missgunst ist deshalb ein noch scheußlicherer Wesenszug, weil ihr sogar das Streben fehlt: Der Missgünstige missgönnt einfach um des Missgönnens willen.
Häme, das weniger gebräuchliche Synonym für Schadenfreude oder genauer: schadenfreudiger Hohn, ist wiederum der Missgunst recht ähnlich, wobei ihr das gezielte Missgönnen fehlt. Ein hämischer Zeitgenosse freut sich an Missgeschicken anderer und labt sich am Unglück seiner Mitmenschen.

Alle drei Eigenschaften, besonders aber Missgunst und Häme, haben eines gemeinsam:
Ihr Inhaber fühlt sich selbst innerlich klein und sucht verzweifelt nach Möglichkeiten, sein Selbstwertgefühl dadurch zu erhöhen, dass er andere geringschätzt, niedermacht oder in ein schlechtes Licht stellt. Statt an sich selbst zu arbeiten, richtet er sein ganzes Streben danach, andere noch kleiner zu machen, als er selbst es ist. Was für ein armseliges Dasein.

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte kann man das widerliche Trio tausendfach an der Stammtischparole „So schlecht geht es denen doch gar nicht, die haben alle schicke Smartphones!“ ablesen. Niemand möchte ernsthaft den Platz mit einem hier angekommenen Flüchtling tauschen … aber das Smartphone … nee, das soll der auch nicht haben, Punkt! Dies soll aber heute nicht mein Thema sein, darüber haben andere schon hervorragende Artikel geschrieben, die ich allesamt zu lesen empfehle. (Besonders dieser hier: „Fakten gegen Vorurteile“)

Was aber der eigentliche Auslöser dieses Blogposts ist:
Gestern liefen mir innerhalb kurzer Zeit auf der kleinen, komprimierten Digitalwelt facebook zwei Dinge über den Weg, die zwar nichts miteinander, aber beide auf ihre Weise mit Missgunst und Häme zu tun haben. Da war einmal die facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ (ja, das fehlende Dativ-n bei „Bilder“ ist Absicht) – und ein Video über einen alten Mann, der in einer engen Straße in Neapel beim verkorksten Umdrehversuch mit seinem Auto ein Verkehrschaos verursacht.

Indeaner

Beides soll lustig sein: Auf der Sprüche-Seite übertreffen sich die postenden Mitglieder mit orthographisch möglichst fehlerreichen, dümmlichen Pseudo-Sinnsprüchen und feiern sich dafür gegenseitig. Diese Sprüche, meist hinterlegt mit den üblichen Indianer- oder Naturfotos, werden tausendfach geteilt, „lustig“ kommentiert und erhalten unzählige Likes. Das Video vom neapolitanischen U-turn-fail wurde auf youTube zahllose Male aufgerufen und der Fahrer an vielen Stellen mit Häme übergossen.

Ich mag das nicht.

Ich mochte schon als Kind weder „Tom & Jerry“ noch „Verstehen Sie Spaß!?“ noch „Upps, die Pannenshow“. Das Gefühl von Amüsement darüber, wenn sich etwa Menschen ernsthaft wehtun oder in furchtbar peinliche Situationen geraten, ist mir einfach weitgehend fremd.
Auch Rache ist ein Konzept, das ich nicht so ganz verstehe. Rache macht nichts besser, sondern alles nur bitterer.

Entwischt mir bei den berühmten „fail compilations“ ein Lacher (ja, meine Kinder schauen das manchmal an und dann muss ich auch), fühle ich mich schmutzig.

Würde ich auf der obengenannten Schaut-her-wie-ich-Legasthenie-und-Dummheit-vortäusche-Seite ein Like setzen, würde ich mich dafür schämen. Legastheniker haben sich ihre [Blöder-Begriff-Alarm!] Teilleistungsstörung nicht ausgesucht und sie wird sich nicht in Luft auflösen, wenn möglichst viele Nichtbetroffene hämisch darüber frotzeln. Sogar intellektuell einfach gestrickte Menschen (ich möchte niemanden, der nichts dafür kann, „dumm“ nennen), die solche pseudo-esoterischen Sprüche toll finden … nun, sie sind eben so. Damit tun sie niemandem weh, nicht wahr? Gute Güte, gönnt ihnen doch diese Freude. Ich rolle vielleicht ganz kurz mit den Augen und seufze – aber eher, weil sie mir leid tun und ich froh bin, diesbezüglich brauchbare Gene und eine okaye Bildung erwischt zu heben. Nicht jeder hat diese Chance. Es ist gemein, jemanden wegen verpasster Chancen, auf die er keinen Einfluss hatte, geringzuschätzen oder gar zu verspotten.

Und nein, niemals stünde ich wie die anderen Gaffer auf der engen Straße in Neapel und würde schadenfreudig den alten, verwirrten Mann auslachen, der sich wegen falschen Augenmaßes oder sonstwas in eine derart verzwickte Position gebracht hat. Stattdessen würde ich wohl entweder anbieten, das Wendemanöver für ihn zu einem schnellen Ende zu bringen. Oder ich würde die Motorradrocker bei ihrer Ehre packen und sie bitten, die Karre mal eben hochzuheben und in Fahrtrichtung zu drehen. Alles, nur nicht rumstehen, gaffen, lachen und filmen. Diese Leute machen mich wütend. Die Kommentatoren des Videos auch. (Dabei ist es mir gerade ziemlich egal, ob das Video eventuell ein überspitztes Fake ist. Meinen Teil der Überlegungen spiegelt es sehr gut wider.)

Seit ich mich mit Gf – Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg beschäftige*, hat sich diese Abneigung gegen unreflektierte Häme und Vorurteile noch verstärkt.

Bei jeder Aktion – oder Reaktion – einer Person frage ich mich automatisch, was wohl ihre Gründe dafür gewesen sind.
Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch Gründe hat für das, was er tut.
Außerdem glaube ich, dass die meisten in diesem einen Moment das Beste geben, was sie können – auch wenn ihr Handeln unseren Ansprüchen nicht genügt, nicht das ist, was wir gerade bräuchten, oder ihre Lösung nicht unsere wäre. Nur ganz wenige sind einfach unverbesserliche Arschlöcher, wenn ich das hier mal so salopp sagen darf … und selbst sie sind vermutlich nicht ohne Grund dazu geworden.
Beispiel: Wer mich jemals als Beifahrerin dabeihatte [hier mitleidiges Winken zu meinem Freund einfügen], weiß um meine balsamischen Worte, wenn etwa der Vorausfahrer langsam/nervig/unsicher herumzuckelt. Jedes genervte Schimpfen des Fahrers kommentiere ich nämlich etwa so: „Hey, wahrscheinlich sucht der was. Schau, er hat ein ortsfremdes Nummernschild“ oder „Ach, das ist eine alte Omi. Sind wir besser mal froh, dass sie langsam fährt – wenn sie rasen würde, wäre das viel gefährlicher!“ oder „Wir wissen nicht, warum, der so drängelt. Vielleicht liegt zuhause seine Frau in den Wehen oder er muss dringend aufs Klo“.

Übrigens, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin weder ein Engel noch Mutter Teresa.
Alles. Andere. Als. Das.
Auch ich flippe regelmäßig aus, wenn mich etwas über die Maßen aufregt – vor allem dann, wenn absichtliche Lügerei oder Ungerechtigkeit im Spiel ist, denn Lügen und Ungerechtigkeit gehen gar nicht. Manchmal ist auch die GfK-Lilian gerade im Standby-Modus oder jemand hat verdammt nochmal haargenau den Triggerpunkt gedrückt, bei dem jede Vernunft aussetzt. Schlimm ist es auch, wenn ich Hunger habe. 😉 Aber im Allgemeinen ist es so, wie ich oben schrub, und ich werde kaum jemals müde, diesbezüglich an meiner Umwelt herumzuerziehen (call me Nervensäge, gern auch „Gutmensch“. Mir egal).

Denn leider gibt es neben vielen wundervollen, selbstlosen, achtsamen Menschen auch einige, bei denen Schadenfreude, Neid und Missgust an der Tagesordnung sind und bei denen ich regelmäßig in einem Dilemma stecke: Weglaufen oder missionieren? Diese Menschen vergiften schleichend unsere positive Energie, und deshalb sind sie gefährlich. Manchmal habe ich genug Energie, um bei ihnen eine Portion Optimismus sprühen zu lassen, Überzeugungsarbeit zu leisten, ihre Pseudo-Argumente zu entkräften. Manchmal will ich aber nur so schnell wie möglich ihrem Dunstkreis entkommen, weil ich weder ihr Gerede noch ihren Anblick weiter ertragen kann.
Man erkennt den Homo missgunstus haemicus übrigens an einem ganz besonderen Gesichtsausdruck. Er (oder sie) kann äußerlich hübsch sein, vielleicht sogar klug und witzig – aber er (oder sie) hat kalte Augen, die nur beim Lästern heiß aufblitzen, und diesen verächtlichen Zug um den Mund, der von täglich eintrainierter Häme kommt.

„Häme“ und „hässlich“ beginnen vielleicht nicht umsonst mit denselben Buchstaben.

*Hier ein ganz herzlicher Dank an Britta Weber,
die mich – als Freundin und GfK-Trainerin – in einer
schwierigen Zeit an dieses Thema heranführte,
das mein Denken und Reden seither tatsächlich grundlegend verändert hat.

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16 Sammlungen kruder Suchanfragen. SECHZEHN! Muss man sich mal reinziehen. Aber bitte, ich kann es nicht leugnen: Noch immer gelangen Leute auf mein Blog, wenn sie eigentlich sehr, nun, merkwürdige Dinge suchen. Zum Beispiel dies:

Anschnallen Pipi funktioniert nicht: Schlimmer wäre ja wohl, wenn man Pipi müsste und das ABschnallen funktionierte nicht. Also hömma auf zu jammern.

Sollte ich kostenlos arbeiten: Ähhh, lass mich kurz überlegen: nö. WTF?

Schlimme Gärten: Na super, das musste ja irgendwann kommen. Okay, ich bin Inhaberin des Schwarzen Daumens. Ja, ich kriege alles tot. Deshalb bin ich sehr froh um meinen kleinen Garten, in dem die Vermieterin offenbar vor 1.000 Jahren tonnenweise Blumenzwiebeln verbuddelte, die sich jetzt brav Jahr für Jahr durch dichtes Unkraut kämpfen. Und wenn die dann verblüht sind, kann ich ja immer noch sagen, dass ich das Unkraut ja brauche, wegen meines Images als Kräuterhexe. Nämlich.

Luftballons von oben: Rund und bunt, nehme ich an? Wäre das also auch geklärt. Der Nächste bitte.

Warum sieht das Gesicht von Leichen immer so einfgefallen und schief aus: Weil tierisch Bäckchen-Substanz flöten geht, sobald man tot ist. Ganz ohne Diät! Eine schlechte Nachricht für all die Magermodels, die auf Fotos immer mit viel Mühe die Wangen einziehen, um möglichst leichenartig dünn auszusehen. Sorry, Mädels.

Titanic Wasser: Spontan hatte ich jetzt eine Mineralwasserflasche mit einem „Titanic“-Etikett vor Augen. Das ist ja wohl geschmacklos. Also: was ich so für Kopfkino habe.

To be continued …

 

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„Jeder Schwammerlsucher findet irgendwann eine Leiche“, heißt es, und ich für meinen Teil kann das seit einem gewissen Tag im Jahr 2012 bestätigen.

Wie so oft bin ich mit meiner Mutter in unserem gewohnten Waldstück unterwegs, es ist ein warmer Septembertag, kurz nach dem Regen, perfektes Schwammerlwetter. In unserem Korb liegen schon einige schöne Maronen, Fichtenreizker, Rotfußröhrlinge und drei herrliche Parasolpilze. Mein Blick hängt am Boden, weiter vorne beginnt ein Dickicht, und da steht er: der kapitalste Steinpilz, den dieser Sommer wohl hergeben wird.

„Woah, Mama, den musst du dir anschauen!“, rufe ich begeistert, hopse zwei Schritte auf den Prachtkerl zu, bücke mich … und erstarre. Durch eine lichte Stelle im Gebüsch sehe ich, dass wenige Meter von mir entfernt ein Mensch liegt. Auf der Seite, den Rücken mir zugewandt, mitten im Moos, gemütlich sieht das aus. Mist, denke ich, hier will jemand ein Nickerchen machen und ich brülle so rum. Meiner heranstapfenden Mutter bedeute ich, leise zu sein, und zeige nach vorn. „Uh, da pennt einer“, sagt sie, „suchen wir lieber woanders weiter.“

Uns kommt es jedoch seltsam vor, dass ein Schlafender sich bei meinem Geplärr nicht einmal ein winziges bisschen bewegt. „Du, hm, ich weiß ja nicht, ein bisschen komisch ist das ja schon“, sagt Mama und ich muss ihr Recht geben. „Hallo? Entschuldigen Sie bitte? Wir wollten nicht stören!“, rufe ich. Keinerlei Reaktion.

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Der Sommer ist da und herrje, offenbar tut er nicht jedem unbedingt gut. Manche der seit dem letzten Mal aufgelaufenen Suchbegriffe, die Leser auf mein Blog schwuppsten, lassen jedenfalls mindestens eine hitzebedingte Hirnerweichung vermuten. Wolle gucke?

Langschwein-Metzger: Nachdem ich „Langschwein“ erstmal googeln musste, möchte ich jetzt bitte umgehend auf den Arm. AUS GRÜNDEN. Außerdem frage ich mich, warum ich das nicht wusste, wo doch in meinem Bücherregal das mir als verstörend in Erinnerung gebliebene, goldgebundene (!)  Werk „Ich fraß die weiße Chinesin“ steht. Verdrängung vermutlich.

bunte Intimhaare: Es wurde ja auch mal Zeit für einen neuen Trend. Macht Ihr mit?

nackt auf Backtrainer: Diese Begriffskombi löst bei mir ein Kopfkino der Art aus, die ich Euch echt ersparen möchte. Schön ist das nämlich nicht. Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss das Brot *öhöhöhö* aus dem Ofen *hust* holen.

Kräuter Lyrik: Jetzatle! Da kennt mich jemand. Schon lange gehe ich ja mit einer Ode an den Gundermann schwanger. Und mit einem Sonett auf den Giersch. Ganz zu schweigen von meinem Meisterwerk-to-be, der Ballade vom Gänsefingerkraut!

Ist Bonnie Tyler eine Zicke?: Jedenfalls hat sie eine Zickenfrisur. Also: so ähnlich wie die, mit der ich morgens aus dem Bett steige.

arsch fom dienst: [abgekürzt AfD = eigentlich Arschgeigen fom Dienst]: Partei mit ekelhaften, deutlich rechtslastigen und obendrein orthographisch fragwürdigen Zielen.

alles meins: Hier bitte Bild von mir, irre flackernden Blickes vor einer großen Schüssel Peperonichips, imaginieren.

der langweiligste Font: Ganz klar: Helveti*gäääääähnschnarch*.

habe seit Yoga weniger Lust auf Fleisch: Ich möchte bitte seit „Langschwein“ (siehe oben) nicht mehr über Fleisch reden. Yoga hin oder her.

To be continued …

 

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Genau mein Humor.

9. Mai 2014

Aufkleber

(gesehen auf der Toilette des entzückenden veganen Cafés „Die kleine Chaostheorie“ in Berlin.)

 

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Aber ob ich mich in diesem Gautinger Friseursalon* gut aufgehoben fühlte? Ich bin mir nicht GANZ sicher. 😉 Foto-17 (Nun gut, wir haben hier in Starnberg auch einen Zahnarzt namens Dr. Henker und die urologische Klinik in Planegg gehört einem Dr. Castringius, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.)

*Service-Info: Die eingedeutsche Schreibweise „Frisör“ ist laut DUDEN jetzt auch erlaubt, ich finde sie aber ebenso gruselig wie die Zweitschreibweisen „Majonäse“ und „Portmonee“ und boykottiere sie weitgehend. Wisster Bescheid.

 

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