Leben? Ja! Kids with a little extra.
6. Februar 2011
Nicht jeder Mensch wird mit einem perfekten Chromosomensatz geboren. Einer der häufigsten Chromosomendefekte ist die Trisomie 21, auch Down-Syndrom (früher: Mongoloismus) genannt. Die Diagnose ist für werdende Eltern meist ein Schock; nicht jeder kann sich das Leben mit einem Kind vorstellen, das sowohl im Aussehen als auch in der Entwicklung aus der Reihe tanzt. Fakt ist aber: “Downies” sind zu einem überwältigenden Teil echte Sonnenscheine, die das Leben aller Beteiligten, trotz mancher Einschränkungen, bereichern und mit ihrer positiven Lebensfreude viele Herzen im Sturm erobern.
Auch ich, wie wahrscheinlich die meisten, hatte trotzdem immer irgendwie Angst, uns “könnte das passieren”. Auch Mitleid mit mir bekannten “Betroffenen” war schon mal drin (Seite an Seite mit Ehrfurcht vor ihrer elterlichen Leistung). Ein Down-Kind haben, uh, wie heftig – ob ich das wohl könnte?
So dachte ich bis gerade eben. Bis ich über das Blog der Stuttgarter Fotografin Conny Wenk stolperte. Sie ist selbst Mutter einer Tochter mit Trisomie 21, und sie hat ihr großartiges Fotografie-Projekt nicht umsonst “A little extra” getauft. Das überzählige Chromosom als Zusatzfeature, nicht als Fehler … was für ein wundervoller Gedanke! Nicht vorstellbar, dass auch nur eines dieser Kinder abgetrieben worden wäre. Was für ein Geschenk sie doch sind.
Von gezunkenen Karten und gagenden Geigern.
14. Januar 2011
Gerade kichere ich mal wieder wie verrückt über das linguistische Fundstück des Jahrhunderts: Die Gesellschaft zur Stärkung der Verben nämlich hat sich auf die Fahnen geschruben, den armen schwachen Verben den Rücken zu stirken und damit einer Verödung der Grammatik zu entgegenwarken.
Sie so: “Häh?” Ich so: Guckstu.
Ab sofort wird mit gezunkenen Karten gespielt, verwolkene Blumen werden weggeschmissen, Geiger gagen, Vergleiche hanken, man hat sich mit weniger Geld begnogen, der Lehrer schak den Schüler zum Direktor, wir verwandten den verborßenen Algorithmus.
Überhaupt haben die Initiatoren auffallend Recht mit ihrer Feststellung:
Warum heißt es: ich sterbe, ich starb, ich bin gestorben, aber nicht ich erbe, ich arb, ich habe georben?
Und hey: Warum sollte man das Verb “verabscheuen” nicht wie folgt beugen: verscheut ab, verschund ab, verschünde ab, verscheue ab, abverschunden? Denkbar wäre auch, dass ich mich mit einem peinlichen Kommentar in die Nesseln gesotzen oder das Kind in der Musikschule angemolden habe. Und was ist so abwegig daran, hässliche Substantiv-Endungen wie “-igkeit, -lichkeit, -ikation oder -ilität” zu eliminieren und z.B. aus der unattraktiven “Möglichkeit” ein heroisches Mögnis zu machen?
Hach. Was für eine tolle Sache für Sprachspieler wie mich. Aber Vorsicht: Festlese-Gefahr!
(Und vielen Dank an die liebe Sandra Vogel vom piepmatz Verlag, die den Link auf Twitter postete!)
Schönheit des Unwetters.
12. Januar 2011
Nicht nur Fotografen kommen hier auf ihre Kosten. Auch Naturverliebte, Ewigstaunende und Allemwasschönesabgewinnenkönnende werden bei der Bildersammlung “Turbulent Photography” von Aquil Akhter aus dem verzückten Seufzen nicht mehr herauskommen. Dass Blitze und Tornados nicht nur zerstören, sondern auch faszinieren können, dürfte spätestens nach Bild Nummer 11 jedem klar sein. Boah.
(dieses Foto: Bruna Costa)
Die Weihnachtsgeschichte. Im Web Zweinull.
21. Dezember 2010
Manche Geschichten sind ja kreativer als andere. Diese hier zum Beispiel: Weihnachten im Zeitalter von Web 2.0 – erdacht und gemacht von einem portugiesischen Anbieter für digitale Inhalte namens excentric.
Was für eine großartige Idee! Was für eine tolle Umsetzung! Nicht VÖLLIG neu, okay, aber punktgenau auf die Weihnachtsgeschichte umgemünzt unter Verwendung von Google Maps (made my day: das Auswahlkästchen “Avoid Romans” bei der Routenplanung!), iPhone, Wikipedia, Outlook, Twitter, facebook, foursquare und mehr. I’m on my knees.
(Vielen Dank übrigens an meinen Kunden Sebastian Wiegärtner, der mich via Twitter darauf stupste!)
Wie Mark Twain 100 Jahre nach seinem Tod einen Bestseller landete.
29. November 2010
Ich verehre Mark Twain. Und das nicht nur wegen Tom Sawyer und Huckleberry Finn, nein – spätestens nach dem Lesen seines wundervollen pointiert-witzigen Essays “Die schreckliche deutsche Sprache” (hier nochmal im englischen Original, kaufbar z.B. in einer tollen zweisprachigen Ausgabe) hänge ich an jedem seiner Worte. Mark Twain hat einen Schreibstil, der ungemein mitreißend ist, intelligent und schlichtweg wundervoll. Neben Ephraim Kishon und (herrjeh, dazu muss ich auch irgendwann noch bloggen!) Stephen King ist Mark Twain für mich ein Quell unerschöpflicher Schreibkunst und ein großes Vorbild.
Das Genie Mark Twain ist seit 100 Jahren tot. Trotzdem stürmt er in den USA gerade die Bestsellerlisten – mit dem ersten Teil seiner Autobiographie, die als Dreiteiler geplant ist.
Rund 5000 Seiten Leben hatte Mark Twain vor seinem Tod einem Freund übergeben mit der Auflage, frühestens nach 100 Jahren (yeah, das ist heute!) damit an die Öffentlichkeit zu gehen. 760 unzensierte Seiten davon liegen nun vor, weitere werden folgen. Endlich kann man nachlesen, was Mark Twain selbst über vieles dachte, wie er wirklich lebte und was ihn inspirierte! Derzeit muss man dazu noch des Englischen mächtig sein, denn die deutsche Ausgabe der Mark-Twain-Autobiographie ist noch nicht erschienen. Mich persönlich stört das aber nicht die Bohne, denn Mark Twain ist auf Englisch und Deutsch gleichermaßen die helle Lesefreude.
Und bevor ich’s vergesse: das Ganze gibt es auch als Hörbuch, oho!
Wenn das mal nix für den Wunschzettel ist … bei mir steht’s jedenfalls drauf.
Die Nerd-Fußmatte.
20. Oktober 2010
Gniiihihihihi! Was der @formschub da schon wieder Cooles gemacht hat! Eine Fußmatte nämlich, extra für Computerfuzzis und extra lustig. Und das Beste daran ist: Man kann das Dings nicht nur im Internet anschauen, toll finden und still begehren – man kann es sogar kaufen, vor die Haustür legen und fortan kichernd mit Füßen treten! (Die englische Version Fußmatte gibt’s hier.) Die Nerd-Fußmatte ist der lebende, äh, liegende Beweis dafür, dass man dem wortgewaltigen Herrn @formschub nicht nur dringend auf Twitter folgen, sondern auch in das Nachtgebet für Kreative und Nerd-Gattinnen wie mich einschließen sollte. Finde ich. Nämlich.
[Für meine sehbehinderten Leser: Auf der Fussmatte ist ein typisches Windows-Statusfenster zu sehen mit einem Ladebalken und dem Text: "Sie haben geklingelt. Ihre Anfrage wird bearbeitet. Bitte warten.", darunter der wohlbekannte "Abbrechen"-Button.]


