Von gezunkenen Karten und gagenden Geigern.
14. Januar 2011
Gerade kichere ich mal wieder wie verrückt über das linguistische Fundstück des Jahrhunderts: Die Gesellschaft zur Stärkung der Verben nämlich hat sich auf die Fahnen geschruben, den armen schwachen Verben den Rücken zu stirken und damit einer Verödung der Grammatik zu entgegenwarken.
Sie so: “Häh?” Ich so: Guckstu.
Ab sofort wird mit gezunkenen Karten gespielt, verwolkene Blumen werden weggeschmissen, Geiger gagen, Vergleiche hanken, man hat sich mit weniger Geld begnogen, der Lehrer schak den Schüler zum Direktor, wir verwandten den verborßenen Algorithmus.
Überhaupt haben die Initiatoren auffallend Recht mit ihrer Feststellung:
Warum heißt es: ich sterbe, ich starb, ich bin gestorben, aber nicht ich erbe, ich arb, ich habe georben?
Und hey: Warum sollte man das Verb “verabscheuen” nicht wie folgt beugen: verscheut ab, verschund ab, verschünde ab, verscheue ab, abverschunden? Denkbar wäre auch, dass ich mich mit einem peinlichen Kommentar in die Nesseln gesotzen oder das Kind in der Musikschule angemolden habe. Und was ist so abwegig daran, hässliche Substantiv-Endungen wie “-igkeit, -lichkeit, -ikation oder -ilität” zu eliminieren und z.B. aus der unattraktiven “Möglichkeit” ein heroisches Mögnis zu machen?
Hach. Was für eine tolle Sache für Sprachspieler wie mich. Aber Vorsicht: Festlese-Gefahr!
(Und vielen Dank an die liebe Sandra Vogel vom piepmatz Verlag, die den Link auf Twitter postete!)
Was Astrid Lindgren sagt.
26. Juni 2010
Was Astrid Lindgren sagt, stimmt ja meistens. Zum Beispiel hat sie ja wohl sowas von Recht hiermit:
Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war.
Jawoll, so ist es! Noch viel jawoller ist aber dieses Zitat, das die fabelhafte @manomama heute auf Twitter postete. Schaut, lest, tut … es ist zu Eurem Besten.

[Für meine sehbehinderten Leser - da steht: "Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!" Astrid Lindgren]
So wahr: The Mom Song.
15. Februar 2010
Nicht mehr neu, aber immer wieder ein Staunen, betroffenes Seufzen und schließlich lautes Losgackern wert: “The Mom Song” von Anita Renfroe.
Alle Wahrheiten über das Mutterdasein in einem Song. Die ganze Litanei. Alle Mahnungen, Aufforderungen, Zum-hundertsten-Mal-Phrasen. Kurz: das gesamte Hamsterrad, das wir gemeinhin unter dem heroischen Begriff “Mutterschaft” führen. Dass wir nicht längst verrückt geworden sind, liegt wohl an dieser wie Kaugummi dehnbaren, grenzenlosen Liebe, die wir unserer Brut gegenüber empfinden – was auch immer sie uns antut. Das hat die Natur schon ganz gut gemacht, oder?
Die ganz Harten können sich den Song sogar als Klingelton herunterladen und den Text auswendig lernen: hier!
(Ich danke meinem Twitter-Follower @kopfkinoexperte dafür, dass er mich heute daran erinnerte, wie lange ich diesen Song schon bloggen wollte!)
Text-Teleskop.
16. Oktober 2009
Wunderbar! Fabelhaft! Texter-Spielwiese! Was für eine Idee! – So ähnlich dachte ich, als ich mich durch dieses Fundstück klickte: “Telescopic Text” von Joe Davis.
Die ganze Dramaturgie des Teekochens enthüllt sich, indem man auf verschiedene grau hinterlegte Satzteile klickt. Aus dem Anfangssatz “I made tea.” wird so ein Erlebnis für alle Sinne. Großartig gedacht, großartig gemacht. Congratz, Mr. Davis!
(gefunden auf Twitter via @zen_habits)
Mein schönstes Gedicht.
26. September 2009
Manche Texte berühren einen irgendwo, aus irgendeinem Grund, ganz tief drinnen. Mir ging es gerade so mit vier Zeilen aus der Feder von Mascha Kaléko, die mir die Kraft des Schweigens mal wieder bewusst gemacht haben. Im Netz drübergestolpert (bei Textaroma), gelesen, geschluckt, nochmal gelesen, verdaut, für sehr weise befunden und sofort gebloggt. Seht selbst, ob es mit Euch auch etwas macht:
Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es.
