Rotstift im Schilderwald.

12. August 2010

Vor Urzeiten schrub ich bei der Textguerilla einen Artikel über das Ärgernis “Rechtschreibfehler auf Straßenschildern”. Ich gab darin zu, dass ich selten ohne roten edding aus dem Haus gehe, um bei öffentlichen Orthographie-Unfällen direkt Erste Hilfe leisten zu können. Nennen Sie es ruhig “Verschandelung des Stadtbildes” oder “Spar-Graffitti für frustrierte Lektoren” – bei mir läuft es unter “Dienst an der orthographiefernen Menschheit”. Außerdem würde ich auf der Stelle ein Magengeschwür kriegen, wenn ich nicht … so weit, so gut.

Heute nun stieß ich auf zwei Gleichgesinnte: Jeff Deck und Benjamin D. Herson. Die zwei US-amerikanischen Rechtschreibfanatiker hatten – gerade so wie ich – die Nase voll von Buchstabendrehern in Ortsnamen, Falschschreibung italienischer Delikatessen auf Restauranttafeln und Werbeschild-Peinlichkeiten. Also gingen sie auf Korrektur-Tournee. Radierten, überklebten, strichen durch und platzierten Klebebuchstaben. Sie taten dies zweieinhalb Monate lang quer durchs Land. Natürlich zückten sie Tipp-Ex & Co. nicht ohne die Einwilligung der Schildverantwortlichen (jedenfalls fast nie), und natürlich waren nicht alle davon so begeistert wie ich. Aber hey, egal: geile Aktion! Finde ich.

Ach so, fast vergessen: Ein Buch haben sie übrigens auch darüber geschrieben. “The Great Typo Hunt”. Muss ich natürlich haben, klaro. :)

the_great_typo_hunt

(Vielen Dank übrigens an den formidablen @doppelfish, durch dessen Tweet ich heute diesen Artikel fand.)

Meine Netzwerkkollegin Mela Eckenfels postete heute einen Link, der mich lange begleiten wird. Es ist ein 20-minütiges Video einer Rede von Elizabeth Gilbert. Sie verfasste nach anderen erfolgreichen Büchern den Bestseller “Eat Pray Love” – und steht nun mit dem fulminanten Erfolg des Werks da. Aber was kommt nach, wenn man mit einer Sache alles erreicht hat? Wie geht man mit dem Druck um, immer noch bessere, erfolgreichere, weltumspannendere Dinge zu schaffen oder zu tun?

Elizabeth Gilbert sagt: Es ist egal, wie toll eine Sache A war. Auch Sache B hat ihre Berechtigung, und wenn unser Beitrag zu Sache B auch nur ein kleiner ist – er zählt. Sie nimmt dem Gespenst “kreativer Genius” seinen Schrecken, indem sie ihm respektlos begegnet und mit höchster Selbstverständlichkeit. Warum auch nicht sollte mich morgen “der Geist” durchfahren? Warum soll das immer nur “denen da oben” passieren? Und warum überhaupt sollte es erstrebenswert sein, einen Erfolg nochmal zu toppen? Das verursacht doch nur Stress. ;)

Mir leuchten Ms Gilberts Worte sehr ein und ich bin nach dem Ansehen des Videos ein bisschen lockerer meiner kreativen Arbeit gegenüber. Ich bin gespannt auf Eure Eindrücke!

Frisch aus Töchterchen Liebreizens (8) Feder und auf dem Weg in die Bestsellerlisten: der “Ratschlager für Junghexen”. Ein Standardwerk für Junghexen, die etwas auf sich halten!

ratschlager

(Sie meinen, es müsste “RatGEBER” heißen? Da sindse aber auf dem Holzweg. Findet die Liebreizende.)

Wow. Den Artikel “17 Years Later, Stage 4 Survivor Is Savoring a Life Well Lived” der Autorin Katherine Russel Rich* möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten. Es geht um eine besonders bedrohliche Variante von Brustkrebs (Typ IV), um Hoffnung, um das jahrzehntelange Überleben einer in fast allen Fällen tödlich verlaufenden Krankheit. Anders als bei anderen Brustkrebsarten, die heute bereits gut behandelt werden können, sind nämlich die Heilungschancen bei Typ IV verschwindend gering. Einmal im Jahr hebt Katherine in einem Brustkrebs-Forum ihre Hand und teilt all den Frauen dort mit: “Ich bin immer noch da. Nach 17 Jahren mit der tödlichsten aller Brustkrebs-Arten!”

Manchmal hat man eben einfach Glück. Dass sie mit der Diagnose “Typ IV”-Brustkrebs eine von wenigen ist, die ausgerechnet das Überlebens-Los gezogen haben, ist Katherine Russell Rich sehr bewusst. Sie vertritt jedoch die ermutigende Ansicht, dass es jeden treffen könnte … das Glück, zu den wenigen zu gehören. Warum also nicht – wenn auch vorsichtig – daran glauben? Ich finde: Menschen wie sie braucht die Welt, um an Prüfungen wie Krebs nicht zu verzweifeln. Besonders berührt hat mich ihre Aussage

“No one can say with ultimate authority what will happen — with cancer, with a job that appears shaky, with all reversed fortunes — so you may as well seize all glimmers that appear.”

Sie hat so Recht. Wir sollten sehen, wie gut es laufen könnte, statt uns mit dem Worst Case kaputt zu machen. Das passt zu meinem Blogpost über den Nocebo-Effekt. Und es fügt sich ein weiteres Puzzleteil in meinen komischen Zustand der letzten Zeit:

“All I wanted was ordinary life back, for ordinary life which, it became utterly clear, is more valuable than anything else.

Und jetzt nehme ich meinen Laptop, einen köstlichen Kaffee und mein Grinsen mit und setze mich mitten in die Sonne. Wer kommt mit?

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* Katherine Russell Rich ist die Autorin des Buches “Verflucht, ich will leben!” (in der Originalfassung “The Red Devil: A Memoir About Beating The Odds”)

Ich habe ja erst kürzlich übers Glücklichsein gebloggt und darüber, dass Glück nur zu den Glücksbereiten kommt. Heute stolperte ich über einen Begriff, der, allerdings von hinten aufgezäumt, gut dazu passt: Nocebo-Effekt.

Als böser Bruder des Placebo-Effekts sieht der Nocebo-Effekt (hier im nicht pharmakologischen Sinne) vor, eine negative Erwartung ohne Umwege in ein negatives Ergebnis zu überführen. Wir kennen dieses Phänomen auch unter dem Decknamen “self fulfilling prophecy” oder “selbsterfüllende Prophezeiung”. Das übrigens ein blödes, aber vermeidbares Übel ist. Weil wir nämlich bewusst denkende Menschen sind, gibt es gute Neuigkeiten: Wir können dieses Nocebo-Dings überlisten! Wie das geht, lesen Sie bitte in dem hervorragenden Artikel “Der Nocebo-Effekt: 14 Tipps, wie Sie besser mit Sorgen umgehen” auf karrierebibel.de. Dem ich nichts hinzuzufügen habe.

Manche Dinge machen einen ja stolzer als andere. Als eines von “125 deutsche Traumblogs aus deutschen Landen” geführt zu werden, ist z.B. eine der Sachen, die Seele und Ego gleichermaßen schmeicheln. Das (übrigens sehr empfehlenswerte) Blog yuccatree.de kürte auf Leser-Empfehlungen hin Blogs, die nicht unbedingt jede Trendwelle mitmachen und/oder die ein ganz besonderes Publikum ansprechen. Textzicke.de ist als “irgendwie süß” *gnihi* dabei – alphabetbedingt ausgerechnet mit der schönen Nummer 111. Das freut mich, das ehrt mich und das macht Bock aufs Weiterschreiben. Danke an alle Empfehler!

yuccatree_125_traumblogs1

Was ich auch noch super finde: Meine Lieblings-Netzwerkgründerin Susi ist mit ihrem Lifestyle-Blog texterella.de dabei. Von mir selbst aus tiefstem Herzen empfohlen und ebenfalls im Boot: Jules “Augenschmaus” sowie das tolle Blog notquitelikebeethoven.de – beide mit charmant aufbereiteten Themen für Gehörlose. Durch die anderen werde ich mich mit der Zeit durchlesen und für nichts anderes mehr Zeit haben. Ach, was soll’s. ;)