Die Kölner Journalistenschule hat eine neue Spielwiese entdeckt: Twitter. Das verwundert mich nicht weiter – schließlich tummeln sich auf Twitter viele erstaunliche Persönlichkeiten. Was mich ehrt, ist der Fakt, dass man offenbar auch mich zu den “kuriosen, lustigen und interessanten” Twitterati zählt. Zumindest interessant genug, um mich im Rahmen des Projekts 140z.de zu porträtieren.

Patrick Schwarz heißt der Student, der mein Alter Ego Textzicke unter die journalistische Lupe nahm und, wie ich finde, recht passend beschrub. Ich prangere lediglich an, dass weder meine fatale Sucht nach Chio Peperonichips noch mein penetrant allmorgendlicher “ERWACHET”!-Ruf drin vorkommen. Aber ansonsten ist mein Porträt doch recht gelungen – was meinen meine lieben Leser? :-)

Und dann ist da dieses coole, ambitionierte, wunderbare Projekt von Melanie Voss und Philippe Wyssen, das www.fuenfbuecher.de heißt.

Das Projekt ist deshalb cool, weil es auf entzückende Weise Lust auf Bücher macht. Es ist deshalb ambitioniert, weil reichlich Herzblut* der beiden Initiatoren drinsteckt. Es ist deshalb wunderbar, weil Menschen wie Du und ich und er und sie und Ihr und wir ihre fünf Herzensbücher vorstellen und man sie (die Bücher, nicht die Menschen) danach dringend haben muss. Was wiederum deshalb – aber nicht nur deshalb – genial ist, weil alle über diese Seite generierten amazon-Käufe einem sozialen Zweck zu Gute kommen, hinter dem man stehen kann.

Ja, dieses fünfbücher-Dings ist eine großartige Sache. Dass man in einem Augenblick geistiger Umnachtung auch mich eingeladen hat, meine 5 Leib- und Magenbücher zu präsentieren, ändert daran auch nichts weiter.

Lilian Kura mit ihren 5 Lieblingsbüchern im Arm

* Isabel Bogdan schrub darüber, warum das so verdammt viel Arbeit macht. Ich finde, Ihr solltet das lesen.

Nicht jeder Mensch wird mit einem perfekten Chromosomensatz geboren. Einer der häufigsten Chromosomendefekte ist die Trisomie 21, auch Down-Syndrom (früher: Mongoloismus) genannt. Die Diagnose ist für werdende Eltern meist ein Schock; nicht jeder kann sich das Leben mit einem Kind vorstellen, das sowohl im Aussehen als auch in der Entwicklung aus der Reihe tanzt. Fakt ist aber: “Downies” sind zu einem überwältigenden Teil echte Sonnenscheine, die das Leben aller Beteiligten, trotz mancher Einschränkungen, bereichern und mit ihrer positiven Lebensfreude viele Herzen im Sturm erobern.

Auch ich, wie wahrscheinlich die meisten, hatte trotzdem immer irgendwie Angst, uns “könnte das passieren”. Auch Mitleid mit mir bekannten “Betroffenen” war schon mal drin (Seite an Seite mit Ehrfurcht vor ihrer elterlichen Leistung). Ein Down-Kind haben, uh, wie heftig – ob ich das wohl könnte?

So dachte ich bis gerade eben. Bis ich über das Blog der Stuttgarter Fotografin Conny Wenk stolperte. Sie ist selbst Mutter einer Tochter mit Trisomie 21, und sie hat ihr großartiges Fotografie-Projekt nicht umsonst “A little extra” getauft. Das überzählige Chromosom als Zusatzfeature, nicht als Fehler … was für ein wundervoller Gedanke! Nicht vorstellbar, dass auch nur eines dieser Kinder abgetrieben worden wäre. Was für ein Geschenk sie doch sind.

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Ich verehre Mark Twain. Und das nicht nur wegen Tom Sawyer und Huckleberry Finn, nein – spätestens nach dem Lesen seines wundervollen pointiert-witzigen Essays “Die schreckliche deutsche Sprache” (hier nochmal im englischen Original, kaufbar z.B. in einer tollen zweisprachigen Ausgabe) hänge ich an jedem seiner Worte. Mark Twain hat einen Schreibstil, der ungemein mitreißend ist, intelligent und schlichtweg wundervoll. Neben Ephraim Kishon und (herrjeh, dazu muss ich auch irgendwann noch bloggen!) Stephen King ist Mark Twain für mich ein Quell unerschöpflicher Schreibkunst und ein großes Vorbild.

Das Genie Mark Twain ist seit 100 Jahren tot. Trotzdem stürmt er in den USA gerade die Bestsellerlisten – mit dem ersten Teil seiner Autobiographie, die als Dreiteiler geplant ist.

marktwain

Rund 5000 Seiten Leben hatte Mark Twain vor seinem Tod einem Freund übergeben mit der Auflage, frühestens nach 100 Jahren (yeah, das ist heute!) damit an die Öffentlichkeit zu gehen.  760 unzensierte Seiten davon liegen nun vor, weitere werden folgen. Endlich kann man nachlesen, was Mark Twain selbst über vieles dachte, wie er wirklich lebte und was ihn inspirierte! Derzeit muss man dazu noch des Englischen mächtig sein, denn die deutsche Ausgabe der Mark-Twain-Autobiographie ist noch nicht erschienen. Mich persönlich stört das aber nicht die Bohne, denn Mark Twain ist auf Englisch und Deutsch gleichermaßen die helle Lesefreude.

Und bevor ich’s vergesse: das Ganze gibt es auch als Hörbuch, oho!

Wenn das mal nix für den Wunschzettel ist … bei mir steht’s jedenfalls drauf. ;)

Wow, was für ein Text. Über Sprache. Lebendige, sich entwickelnde Sprache, um genau zu sein, die eben nicht jahrhundertelang gleich bleibt und bei der es deshalb keinen Sinn macht*, auf jahrhundertealten Regelungen herumzureiten. Dieses von Matt Rogers wundervoll typografisch umgesetzte Exzerpt aus einem Podcast des britischen Schriftstellers, Drehbuchautors, Regisseurs und Schauspielers Stephen Fry ist ein Plädoyer dafür, der Sprache ihre Veränderung zu gewähren. Ein Plädoyer dafür, neue Strömungen auch mal wohlwollend in Augenschein zu nehmen, sie auf fruchtbaren Boden fallen zu lassen und zu sehen, was daraus keimt. Mit Worten zu spielen, wenn es dem Rahmen ihrer Verwendung dient. Neues zu erschaffen, mit Sprache zu kitzeln, zu verführen, zu provozieren. Stephen Fry erklärt die selbst ernannten “guardians of language”, die solche Wortgeburten mit einem missbilligenden Kopfschütteln betrachten, zu furzlangweiligen Spießern:

“Do they ever yoke impossible words together for the sound-sex of it? I doubt it. They’re too farting busy sneering at a greengrocer’s less than perfect use of the apostrophe.”

*haha! Ertappt! “Sinn machen” schrub ich! Böse, böse – das sollte eine Texterin doch nicht verwenden! Und ich tue es doch. ;)

Ich persönlich finde z.B. manche Anglizismen durchaus verwendenswert. Warum sollte ich den phonetisch perfekten “Laptop” zugunsten des gartengerätehaft anmutenden “Klapprechners” über Bord werfen? Auch empfinde ich den Ausdruck “Sinn machen” als irgendwie stärker, ja aktiver denn “Sinn ergeben” und verwende ihn je nach Laune neben seiner korrekten deutschen Form. Wie verwegen! :) Meinen Texten hat das bisher keinen Abbruch getan, jedenfalls hat bis heute keiner gemeckert.

“Oho”, sagen Sie, “und das aus dem Munde einer bekennenden Rechtschreibfetischistin!”? Sie haben ja Recht. Echte, richtig doll doofe und falsche Fehler lasse ich ja auch nicht durchgehen. Aber diese Diskussionsfälle, wo es nicht um Falsch und Richtig geht, sondern darum, ob ein Ausdruck, ein Wort, ein Wortgebilde vielleicht tatsächlich besser sein könnte als das Original … wenn er etwa direkt das Kopfkino anknipst, statt nur zu beschreiben … da bin ich eben flexibel. Und neugierig. Weil Sprache lebt, Trends unterliegt und – wie ich finde – ein legitimes Transportmittel für Persönlickeit sein darf. Sich dem zu verleugnen, würde Stillstand bedeuten. Und auf den habe ich keine Lust. PAMM!

Ei, ei … da hat sich der US-amerikanische Verlag HarperCollins ein Ding geleistet. Satte 80.000 Exemplare des Romans “Freedom” von Jonathan Franzen holte man hektisch wieder aus den Bücherregalen – weil schlicht zu viele Fehler drin sind! Angeblich hat der Schriftsetzer eine unkorrigierte Fassung gedruckt. Das könne mal passieren, nöch, peinlich sei es allemal, aber man möge nun bitteschön das Buch erst recht kaufen, denn es sei einfach total großartig. Der Autor selbst bat darum, die fehlerhafte Ausgabe nicht zu lesen und noch eben den Neudruck abzuwarten; die bereits verkauften 8.000 Mängelexemplare dürfen kostenlos umgetauscht werden. Mit der Auslieferung der korrekten Version rechnet der Buchhandel spätestens nächste Woche.

Hm. Bin ich die einzige, die hier aufgrund eines angeboren bösartigen und intriganten Charakters :) einen Marketingstreich wittert? Naja, vielleicht bin ich auch nur paranoid.

Und lustig finde ich in diesem Zusammenhang, dass Jonathan Franzen mit einem Roman namens “Die Korrekturen” bekannt geworden ist. Das Leben hat manchmal einen sehr feinsinnigen Humor. ;)

cover_freedom_jonathan_franzen

(Bevor ich’s vergesse: Das Buch gibt’s auch auf Deutsch und wenn man den amazon-Rezensionen glaubt, scheint es ziemlich gut zu sein. Frau @stricktier hat es auch gelesen und auf ihrem Blog www.denkding.de wundervoll fraustricktierlike rezensiert. Überhaupt finde ich, dass Frau @stricktier aka Pia Ziefle hauptberuflich Rezensentin sein sollte, weil sie das besser kann als die aller-, allermeisten, die denken, dass sie’s können.)