Wie Mark Twain 100 Jahre nach seinem Tod einen Bestseller landete.
29. November 2010
Ich verehre Mark Twain. Und das nicht nur wegen Tom Sawyer und Huckleberry Finn, nein – spätestens nach dem Lesen seines wundervollen pointiert-witzigen Essays “Die schreckliche deutsche Sprache” (hier nochmal im englischen Original, kaufbar z.B. in einer tollen zweisprachigen Ausgabe) hänge ich an jedem seiner Worte. Mark Twain hat einen Schreibstil, der ungemein mitreißend ist, intelligent und schlichtweg wundervoll. Neben Ephraim Kishon und (herrjeh, dazu muss ich auch irgendwann noch bloggen!) Stephen King ist Mark Twain für mich ein Quell unerschöpflicher Schreibkunst und ein großes Vorbild.
Das Genie Mark Twain ist seit 100 Jahren tot. Trotzdem stürmt er in den USA gerade die Bestsellerlisten – mit dem ersten Teil seiner Autobiographie, die als Dreiteiler geplant ist.
Rund 5000 Seiten Leben hatte Mark Twain vor seinem Tod einem Freund übergeben mit der Auflage, frühestens nach 100 Jahren (yeah, das ist heute!) damit an die Öffentlichkeit zu gehen. 760 unzensierte Seiten davon liegen nun vor, weitere werden folgen. Endlich kann man nachlesen, was Mark Twain selbst über vieles dachte, wie er wirklich lebte und was ihn inspirierte! Derzeit muss man dazu noch des Englischen mächtig sein, denn die deutsche Ausgabe der Mark-Twain-Autobiographie ist noch nicht erschienen. Mich persönlich stört das aber nicht die Bohne, denn Mark Twain ist auf Englisch und Deutsch gleichermaßen die helle Lesefreude.
Und bevor ich’s vergesse: das Ganze gibt es auch als Hörbuch, oho!
Wenn das mal nix für den Wunschzettel ist … bei mir steht’s jedenfalls drauf.
Was Stephen Fry über lebende Sprache sagt.
11. Oktober 2010
Wow, was für ein Text. Über Sprache. Lebendige, sich entwickelnde Sprache, um genau zu sein, die eben nicht jahrhundertelang gleich bleibt und bei der es deshalb keinen Sinn macht*, auf jahrhundertealten Regelungen herumzureiten. Dieses von Matt Rogers wundervoll typografisch umgesetzte Exzerpt aus einem Podcast des britischen Schriftstellers, Drehbuchautors, Regisseurs und Schauspielers Stephen Fry ist ein Plädoyer dafür, der Sprache ihre Veränderung zu gewähren. Ein Plädoyer dafür, neue Strömungen auch mal wohlwollend in Augenschein zu nehmen, sie auf fruchtbaren Boden fallen zu lassen und zu sehen, was daraus keimt. Mit Worten zu spielen, wenn es dem Rahmen ihrer Verwendung dient. Neues zu erschaffen, mit Sprache zu kitzeln, zu verführen, zu provozieren. Stephen Fry erklärt die selbst ernannten “guardians of language”, die solche Wortgeburten mit einem missbilligenden Kopfschütteln betrachten, zu furzlangweiligen Spießern:
“Do they ever yoke impossible words together for the sound-sex of it? I doubt it. They’re too farting busy sneering at a greengrocer’s less than perfect use of the apostrophe.”
*haha! Ertappt! “Sinn machen” schrub ich! Böse, böse – das sollte eine Texterin doch nicht verwenden! Und ich tue es doch.
Ich persönlich finde z.B. manche Anglizismen durchaus verwendenswert. Warum sollte ich den phonetisch perfekten “Laptop” zugunsten des gartengerätehaft anmutenden “Klapprechners” über Bord werfen? Auch empfinde ich den Ausdruck “Sinn machen” als irgendwie stärker, ja aktiver denn “Sinn ergeben” und verwende ihn je nach Laune neben seiner korrekten deutschen Form. Wie verwegen!
Meinen Texten hat das bisher keinen Abbruch getan, jedenfalls hat bis heute keiner gemeckert.
“Oho”, sagen Sie, “und das aus dem Munde einer bekennenden Rechtschreibfetischistin!”? Sie haben ja Recht. Echte, richtig doll doofe und falsche Fehler lasse ich ja auch nicht durchgehen. Aber diese Diskussionsfälle, wo es nicht um Falsch und Richtig geht, sondern darum, ob ein Ausdruck, ein Wort, ein Wortgebilde vielleicht tatsächlich besser sein könnte als das Original … wenn er etwa direkt das Kopfkino anknipst, statt nur zu beschreiben … da bin ich eben flexibel. Und neugierig. Weil Sprache lebt, Trends unterliegt und – wie ich finde – ein legitimes Transportmittel für Persönlickeit sein darf. Sich dem zu verleugnen, würde Stillstand bedeuten. Und auf den habe ich keine Lust. PAMM!
Eine rauchen gehen.
9. September 2010
Wenn Raucher nach nebenan gehen, um ihrer miefenden Leidenschaft zu frönen, können sie auch gleich einen Blick in die Zukunft werfen. Bitte richten Sie die Augen nach oben – et voilà !
Ein großartig gemachtes, wunderbar böses und vor allem wahres Stück Kunst, wie ich finde. Das mich als militante Nichtraucherin zu fiesem Kichern anregt und manchen Raucher hoffentlich zum Nachdenken.
[Für meine sehbehinderten Leser: Das Foto zeigt zwei Nikotinjunkies im Raucherraum. Ener davon schaut nach oben, der andere versucht seine Zukunft noch krampfthaft zu ignorieren. An der Decke ein fotorealistisches Bild, das die Perspektive eines IM GRAB Liegenden zeigt: ein Erdloch von unten, an dessen Rand ein Pfarrer und eine Trauergemeinde stehen.]
(gefunden auf www.amazingpics.posterous.com)
Bleistiftspitzen mal anders.
5. August 2010
Wahnsinn, was manche Menschen können. Unvorstellbar für eine Grobmotorikerin wie mich, aus einer Bleistiftmine derartige Kunststücke zu schaffen!
Dalton Ghetti heißt der brasilianische Tischler, der Bleistiftschnitzerei zur Kunstform erhoben hat. Er tut es mit einer ungeheuren Akribie und geradezu unmenschlichem Feingefühl. Die Ergebnisse: filigrane Meisterwerke in Graphit. I’m on my knees.
[Für meine sehbehinderten Leser: Die Bilder zeigen Miniatur-Kunstwerke, geschnitzt aus Bleistiftminen. Abgebildet ist z.B. ein detailgetreuer Stiefel - er kann nicht größer als 1 Millimeter sein! - sowie eine Reihe von Buchstaben, ein Elvis-Kopf, eine Hütte samt Garten, eine Kathedrale, eine Garnrolle oder eine Giraffe. Das Meisterstück ist sicher eine aus einem Stück geschnitzte Kette mit ineinander greifenden Gliedern, an deren beiden Enden noch die Bleistiftstücke hängen. Das Ganze wurde aus einem (!) einzelnen Bleistift geschnitzt! Wirklich unglaublich.]
Ich glaub, ich steh’ im … Bücherwald.
4. August 2010
Äh? Ui! Huch! Hä? Naja. Boah!
Das und Ähnliches ging mir mir beim Vorbeisurfen an diesem Projekt bei lilligreen.de durch den Kopf. Ein “Bücherwald” in Quebec, Kanada? Was zum Teufel sollte ich mir darunter vorstellen? Es war dann doch nicht das, was ich gedacht hatte. Eigentlich würde der Begriff “Waldbibliothek” für diese Installation besser passen. Denn hier haben die beiden Künstler Thilo Folkerts (Landschaftsarchitektur) und Rodney Latourelle im Rahmen eines Gartenfestivals schlicht aus alten Büchern Teile einer Bibliothek gebaut. Dass die aufgestapelten Alt-Werke mit der Zeit zerfallen werden, nehmen sie in Kauf. Vergänglichkeit eben.
(Foto: Thilo Folkerts)
Human LCD. Made in Korea.
2. Juli 2010
Man kann ja über die abartige Gleichschaltung von Menschen in asiatischen Ländern halten, was man will – aber hier hat eine südkoreanische High School Gleichklang und Disziplin zur Kunstform erhoben. Auf den Rängen eines Stadions funktionieren hier Studenten als menschlicke Pixel, die Schriftzüge, Grafiken und mehr darstellen. Ich finde: cooles Zeug!
(Ich danke der fabelhaften @Mellcolm dafür, dass sie dieses Wunderdings heute auf Twitter postete!)




