Ein gutes Herz.
1. Dezember 2012
Heute sortierte ich alte Kinderzeichnungen und -basteleien aus, denn man kann ja nicht alles behalten, stimmt’s? HerzerwĂ€rmende “Liebesbriefchen” beider Kinder kamen da zum Vorschein, viele niedliche Buntstiftbilder und einige recht kryptische Klebe-Installationen. Ich bin sehr froh, die Kunstwerke jeweils rĂŒckseitig mit Namen, Datum und teils ErlĂ€uterungen versehen zu haben – denn nicht bei jedem StĂŒck erschlieĂt sich die Bedeutung auf Anhieb. ![]()
Ein Klebe-, nun … -dings fiel mir besonders auf. So sieht es aus:

Sieht eher … unspektakulĂ€r aus, ich weiĂ. Das ist aber ein riesiges MissverstĂ€ndnis! Denn was man hier sieht, hat ZauberkrĂ€fte, die die Welt verĂ€ndern können. Gefragt, was er denn da gebastelt habe, erklĂ€rte der damals DreijĂ€hrige nĂ€mlich dies:
“Das ist doch eine Zaubermaschine! Wenn man die irgendwo hinlegt und ‘Simsalabim!’ sagt … dann kriegen alle armen Kinder Pizza.”
So schlicht, so wunderbar denken Kinder. Und deshalb sollten wir unsere Augen und Ohren weit aufsperren und jeden Tag von ihnen lernen.
Wer ich bin.
24. November 2012
Vor einiger Zeit hat ein noch sehr junger, aber schon sehr weiser junger Mann einen Blogbeitrag veröffentlicht, der mich zu diesem hier inspirierte*. Den jungen Mann kenne ich unter dem Twitternamen @mitnichten, sein Artikel heiĂt âAutobiografie â Zusammenfassung meines bisherigen Lebensâ und er ist groĂartig. Zum einen, weil er auf eine schlichte Art gut geschrieben ist â und zum anderen, weil beim Lesen ein derart genaues Bild des Schreibenden entsteht, dass man fast ein bisschen verlegen wird vor so viel Offenheit.
Offenheit ist nun etwas, das ich extrem schĂ€tze. Zu verbergen habe ich nichts. Und deshalb öffne auch ich heute die TĂŒr zu meinem Backstagebereich ein wenig und stelle mich auf eine etwas andere Weise vor. Herzlich willkommen und prost.

Ich wurde am 6.6., um 18 Uhr 12, in Zimmer Nummer 6 und als 6. Kind des Tages in einer Schwandorfer Klinik geboren, weshalb, und das ist nicht gelogen, die 80-jĂ€hrige Nonne/Hebamme zu meiner Mutter sagte: “Höhö, das wird mal ne Sexbombe!”. Ich bin RechtshĂ€nderin, spiele aber mit links Federball. Ich liebe den Duft von frisch gemĂ€htem Gras, feuchtem Beton und geraspelten Salatgurken. Ich hatte eine glĂŒckliche Kindheit und es macht mich traurig, dass das eine Ausnahme zu sein scheint. Ich habe als Teenager ein Jahr lang in einer Can-Can-Truppe getanzt. Ich vertrage Unmengen klaren Schnapses, aber nur ganz wenig Bier oder Wein. Softdrinks jeder Art lasse ich als GetrĂ€nke nicht gelten, Karotten- oder Rote-Bete-Saft hingegen schon. Ich bin unglaublich ungeduldig. In meiner Hosentasche trage ich stets irgendeinen glatten Stein herum, den ich in der Hand halte, wann immer es geht. Das beruhigt mich. Ich kann keine Menschen respektieren, die stinken, weil ich ihnen unterstelle, dass ihnen andere egal sind. Ich bin so sĂŒchtig nach Lesen, dass ich in Abwesenheit von BĂŒchern auch Packungsbeilagen oder Texte auf MilchtĂŒten verschlinge. Ich finde, dass MĂ€nner Helden sein sollten, weil Zivilcourage sexy ist. WĂ€hrend meiner beiden Schwangerschaften war mir nicht ein einziges Mal ĂŒbel. Unser Sohn kam 5 Wochen zu frĂŒh auf die Welt, aber obwohl er nicht mal zwei Kilo wog, machte ich mir keine Sekunde lang Sorgen um ihn, weil ich wusste, dass er okay ist. Vielleicht liegt das daran, dass ich ihn quasi rauslachte, denn die Wehen kamen vor lauter Lachen ĂŒber den Film “VerrĂŒckt nach Mary”. Den Rest des Beitrags lesen »
Gelesen: “Sitzen vier Polen im Auto”. Von Alexandra Tobor.
9. August 2012
“Sitzen vier Polen im Auto”. Also nee. Von Titel und Einband her hĂ€tte ich dieses Buch wohl nie gekauft. Da hat sich der Verlag m.E. keinen Gefallen getan.
Zum GlĂŒck aber gibt es Blogs â und Twitter! Denn dort lese ich Alexandra Tobor (aka @silenttiffy) schon seit Jahren. Hie und da machte sie Andeutungen zum Werdegang des Buches, und eines Abend fand ich mich in einer MĂŒnchner Twitter-Veranstaltung wieder, auf der sie ein erstes Kapitel vorlas â unter der Ansage, dass sie keine Ahnung habe, ob dieses Buch je ein Buch und wenn ja, ob es je fertig wĂŒrde, aber sie lĂ€se es halt jetzt mal.
Ich lauschte und war gefesselt. Das musste ich sofort haben, sobald es gedruckt war. Irgendwann die AnkĂŒndigung: Es gibt einen Erscheinungstermin! Selten habe ich so schnell etwas vorbestellt.
Und das Warten hat sich gelohnt! “Sitzen vier Polen im Auto” ist ein wahres Juwel unter den Kultur-Aussiedler-Heimat-Kindheits-Komödien-Dramen. Mit einer unglaublich bildhaften, nie eitlen Sprache beschreibt die Autorin das Abenteuer “Rausfahren”. So nennen es die Erwachsenen um die kleine Hauptfigur Ola herum, wenn sie das sozialistische Polen heimlich verlassen â immer auf der Suche nach dem Westen, der besseren Zukunft, dem sĂŒĂeren Leben.
Die kindliche ErzĂ€hlperspektive ist klug gewĂ€hlt, denn so erhĂ€lt die Geschichte eine naive Aufrichtigkeit, die zu Herzen geht und gleichzeitig absolut glaubwĂŒrdig sowie zwerchfellzerfetzend witzig ist. Den Rest des Beitrags lesen »
Gemalt. GenÀht.
16. Juli 2012
Wenn man sich in Ideen verlieben kann, dann ist mir das gerade passiert. Und zwar mit “Child’s Own Studio”, einem an Charme kaum zu ĂŒberbietenden Handmade-Projekt der Kanadierin Wendy Tsao. Sie nĂ€ht Stofftiere – aber nicht irgendwelche Teddys von der Stange, sondern die individuellsten Kuschel-, nun … -dingse der Welt.
Der Plan ist ebenso einfach wie genial: Eine Kinderzeichnung dient als Vorlage, Wendy Tsao nĂ€ht das Motiv als Figur aus Stoff. Die Ergebnisse sind ihren eindimensionalen UrsprĂŒngen derart Ă€hnlich, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Quelle: www.childsown.com
Was ich fair und cool finde: Da Wendy Tsao – verstĂ€ndlicherweise – aus der Flut von Anfragen nicht mehr rauskommt, hat sie auf der Seite “Softiemaker Showcase” weitere TextilkĂŒnstler und -kĂŒnstlerinnen aufgelistet, die Ă€hnlich arbeiten.
ISCH. MĂSCHTE. DAS.
Rauchen: nichts fĂŒr Kinder. Eine Kampagne.
21. Juni 2012
Und zu dieser groĂartigen thailĂ€ndischen Anti-Rauchen-Werbekampagne sage ich mal nicht viel auĂer: Verdammte ScheiĂe nochmal, Ihr Raucher da drauĂen habt auch eine Vorbildfunktion! Nehmt diese Verantwortung endlich ernst! Und Eure eigene Gesundheit auch. So.
Zusammen. Und doch irgendwie allein.
24. Mai 2012
BekanntermaĂen lebe ich in Starnberg. Starnberg ist ein zwar ziemlich teures, tatsĂ€chlich aber nettes Fleckchen Erde zum Wohnen. Viele Familien ziehen deshalb aus dem Umland zu oder – und das finde ich irgendwie rĂŒhrend – sind hier aufgewachsen, gingen weg und kamen irgendwann mit ihren eigenen Kindern wieder. Zu den Nachkriegs-Siedlungen der 1950er-Jahre (in so einer wohne ich heute) gesellten sich Neubaugebiete, die meist ganz gut auf die BedĂŒrfnisse von Familien zugeschnitten sind. Zumindest in den neuen Siedlungen können sich Kinder durch SpielstraĂen, 30-km/h-Zonen und Privatwege relativ sicher bewegen. Das ist schön.
Weniger schön finde ich hingegen eine Entwicklung, die ich seit Jahren in Starnbergs GĂ€rten beobachte: die Abschottung durch akuten Spielmöglichkeiten-Overload. Im Detail meine ich damit die Hyperausstattung mit Riesentrampolins, diversen Schaukeln, SandkĂ€sten, Seilbahnen, Slacklines, Planschbecken und Tischtennisplatten; je nach GartengröĂe. Mindestens zwei Dinge aus dem vorherigen Satz finden sich nĂ€mlich in mindestens jedem zweiten Familiengarten hier, und das ist nicht ĂŒbertrieben. Den Rest des Beitrags lesen »

