Street Art? I like.
18. Januar 2012
Street und Guerilla Art sind ja Kunstrichtungen, die mir voll in den Kram passen. Gerade heute stieß ich wieder auf eine Seite, die besonders coole Street-Art-Projekte auflistet. Meine Bewunderung für die Kreativität dieser Künstler ist grenzenlos, denn wer bitte kommt schon auf die Idee, eine kaputte Mauer mal eben mit Lego-Steinen zu ergänzen?

Wer “spitzt” herumliegende Baumstämme und färbt sie so ein, dass sie wie riesige Buntstifte aussehen?

Wer schnappt sich bunte Wolle und Stricknadeln und umstrickt mal eben den nächsten Baum?

Wunderbar der Blick für die kleinen Dinge – wie hier, wo ein wellenförmiger, vom Wasserschaden verfärbter Riss in einer Mauer als Düne interpretiert wurde. Und wo Dünen sind, sind Kamel-Karawanen … logisch, oder?

Selbstgestricktes von MyOma. What a Konzept!
1. Dezember 2011
Seit Äonen stricken Omas Mützen, Schals und Socken. Als ich Kind war, hatte mindestens jeder zweite Freund irgendein selbstgestricktes Teil von Oma im Kleiderschrank. Eine schöne Art, großelterliche Fürsorge zu zeigen, finde ich. Wo aber sind all die strickenden Omas geblieben? Man muss schon ganz genau hinsehen, um heute noch WIRKLICH “Omagestricktes” zu erspähen. Selbst omagestrickt aussehende Sachen stammen heute meist aus Bangladesch oder sonstwo, wo man die armen Strickerinnen genauso übel ausbeutet wie bei kik.
Aber das ist jetzt vorbei! Wer keine eigene Strick-Omi hat, kann ganz modern eine im Internet buchen. Für Schals, Mützen, Handschuhe, Stulpen und Hausschuhe gehen echte fränkische Omas ans Werk und stricken Passendes aus feiner Merino- oder Alpakawolle in der Lieblingsfarbe. Weil MyOma nicht nur schöne Sachen hat, sondern auch eine echte soziale Vision, finde ich die auf den ersten Blick recht hoch erscheinenden Preise trotzdem okay. Schließlich ist zu erwarten, dass hochwertige Handarbeit aus gutem Material quasi ewig hält – und zeitlos sind die Farben und Schnitte auch.
Auf geht’s, Leute – Weihnachten steht vor der Tür! Bringt die Nadeln der netten alten Damen zum Glühen und bestellt Euren Lieben ein echtes Stück Handwerk! (Und nein, ich bin mit den MyOmas weder verwandt noch verschwägert. Ich habe das einfach nur im Internet ge- und für prima befunden und wollte das mit Euch teilen. So.)
Back to the future: Ein Fotoprojekt wie eine Zeitreise.
17. November 2011
Das! Ist! So! Großartig!
Für ihr Fotoprojekt “Back to the future” (Teil 2 gibt es hier) hat die Fotografin Irina Werning Menschen gebeten, alte Fotos von sich auszugraben. Sodann begab sie sich mit den “Models” an – wo möglich – haargenau denselben Ort des damaligen Geschehens, gewandete sie in haargenau die gleichen Klamotten und lichtete sie in haargenau derselben Pose wie damals ab. Jedes Detail stimmt: Haarschnitt, Accessoires, Stofffalten, Gesichtsausdruck, Schrammen, Schatten, Belichtung … ja sogar vergilbte Stellen und Schäden am Papier arbeitet Irina Werning in die “heute”-Versionen mit ein. Was für ein unfassbarer Aufwand! Und wie sehr er sich gelohnt hat!
Besonders witzig mutet dieses Vorhaben überall dort an, wo typisch kindliches Verhalten fotografiert wurde – schön zu sehen zum Beispiel hier:

[Für meine sehbehinderten Leser: Das Bild zeigt links einen nackten Säugling, der in typischer Babyfoto-Manier bäuchlings auf einer Decke liegt. Rechts räkelt sich ein erwachsener Mann auf der Decke ... ebenfalls nackt und bäuchlings, aber vollbärtig und mit demselben angestrengten Gesichtsausdruck wie das Baby, das er mal war.]
Eine ganze Schwarzweiß-Fotoserie wurde hier nachgestellt – vom bebrillten Baby über das gähnende Baby bis hin zum Baby mit Puppe. Die erwachsene Frau unten drunter ist 35 Jahre älter, aber unverkennbar in ihrer Mimik:

Irgendwie rührend auch die Verwandlung einer wilden Party-Gang in der Londoner U-Bahn. Links als coole halbwüchsige Burschen mit Weinflaschen und Zigarette posierend, rechts als gesetzte ältere Herren, denen man die Verkleidung deutlich ansieht:

Weniger witzig als eindrucksvoll finde ich dieses Fotopärchen, das links einen kleinen Jungen mit Jeansjacke zeigt, der mit einem Hammer auf die Berliner Mauer einklopft – während auf der “erwachsenen” Version des Bildes der Hammer des jeansjackengewandeten Mannes ins Leere geht. Wundervoll.

Und dann gibt es die Bilderpaare, denen man die dazwischen liegenden 25 Jahre kaum ansieht, weil sich der Mensch – in diesem Fall ein schwarzweiß fotografiertes kleines Mädchen links, rechts ihr quasi genauso aussehendes erwachsenes Pendant – kaum verändert hat. Faszinierend:

Fazit: Jedes einzelne Fotopaar ist für sich so faszinierend, dass ich stundenlang darin herumklicken könnte. Fehler wird man nicht finden – geben Sie’s auf. Denn hier hat Irina Werning eine Arbeit abgeliefert, die an Detailtreue wohl kaum zu überbieten ist. Von mir ein dickes “CHAPEAU!”
Ach, übrigens: Eine Art “Making of” und ein Interview mit Irina Werning gibt es hier!
Alle Bilder stammen von Irina Wernings Seite http://irinawerning.com/bttf2/back-to-the-future-2-2011/
Gewürfelte Fantasie: Story Cubes.
9. November 2011
Mir als Werbetexterin reichen ja oft unscheinbare Kleinigkeiten, um den Ideenpool zu öffnen. Aber auch ich kenne das böse S-Wort: SCHREIBBLOCKADE! Gegen diese Geißel der schreibenden Menschheit kann man jetzt anwürfeln – mit Story Cubes! Die 9 handlichen Holzwürfel zeigen insgesamt 54 verschiedene Bilder, die beliebig angeordnet, interpretiert und als “Aufhänger” für die nächste Geschichte verwendet werden. Praktische Ergänzung: die Story Cubes actions, welche das Ganze mit 54 bildlich dargestellten Verben aufpeppen.
Und natürlich sind die Story Cubes nicht nur Arbeitsmaterial für Kreativschaffende, sondern ein perfektes Geschenk für Geschichten erzählende Omas und ideensprudelnde Kinder. Töchterchen Liebreiz zum Beispiel wird die Story Cubes unter dem Weihnachtsbaum finden. Was dabei rauskommt, lest Ihr dann in 10 Jahren auf den Bestsellerlisten!
Hilfloses Zusehen und Schämen.
25. Juli 2011
Ich bin mit dem Fahrrad in Starnberg unterwegs. Eigentlich muss ich in den Bioladen; Brot und Käse sind alle. Als ich mein Ziel fast erreicht habe, lenkt eine Bewegung meine Blicke auf die gegenüberliegende Straßenseite. Da ist ein Dreiergespann unterwegs, augenscheinlich bestehend aus Mutter, Oma und Kind. Nein, falsch, sie sind gerade nicht unterwegs, denn die Oma ist stehen geblieben, packt den höchstens 5-jährigen Buben grob an den Oberarmen und schüttelt ihn. “Du hasch die Mama g’ärgert! Sei endlich brav, du unmöglichs Kind!” tönt es in gehässigem Schwäbisch bis zu mir hinüber. Es folgt weiteres, noch heftigeres Schütteln und weitere Beschimpfungen. Der Bub sieht zu Boden, murmelt irgendwas und lässt sich schütteln, als wäre er es gewohnt. Ein schrecklicher Anblick, der mich an einen kürzlich verbloggten Werbespot erinnert. Die Mutter steht einfach daneben. Entweder findet sie das handgreifliche Vorgehen der anderen Frau völlig okay oder sie greift aus anderen Gründen nicht ein.
Mein Mutterherz macht komische Hopser, in meinem Bauch rumpeln Wackersteine. Den Rest des Beitrags lesen »
Kinderrechte. Keine Selbstverständlichkeit.
18. Mai 2011
Via Twitter* flimmerte gerade dieser schockierend-berührende Spot des irischen Kinderschutzbundes ISPCC über meinen Bildschirm. Schockierend deshalb, weil der kleine Junge seine Entschlossenheit, später für Kinderrechte zu kämpfen, so überzeugend präsentiert – während er selbst gerade misshandelt wird! Berührend deshalb, weil da ein kleiner Kämpfer ist, der sich sagt “Ich halte es aus. Ich stehe das durch. Und irgendwann bin ich groß und mache es besser.”
He can’t wait to grow up. Weil Kindesmisshandlung das größte Arschloch der Welt ist.
(danke, @BiggiMM)


