Die Evolution. Gesprayt.

13. Dezember 2012

Über einen Adventskalender-Artikel in Lars Fischers Wissenschafts-Blog scilogs.de stieß ich gestern auf ein Video, das mich sprachlos machte. Sprachlos über die Idee, die Umsetzung, den unfassbaren Aufwand, den die Macher betrieben haben.

Achso, um was es geht? BIG BANG BIG BOOM. Die Evolution. Vom Urknall über die Entstehung der Mikroben, Einzeller, Wasserlebewesen, Vögel, Dinosaurier, Säugetiere … bis hin zum Menschen. Gesprüht in Graffiti-Manier auf Wände, Rohre, Straßen, Türme. Animiert als Stopmotion-Film. Ein Happy End erwartet man vergeblich – wie auch, da wir ja unsere Erde mit aller Kraft zugrunde richten. Der Schluss mit der Rakete, die am Turm hochsteigt, hat mir Angstschauder über den Rücken gejagt. Aber seht selbst. Der Film ist echt beeindruckend!

Seit 2. November gibt es das ebenso schräge wie wunderbare Wiesbaden-Buch “63,75″ von Stijlroyal zu kaufen. Schick ist es geworden – und Alter, es ist GROSS! Man sieht es auf dem Foto nicht so recht, aber der Titel ist außerdem silbern gedruckt. SILBERN! Muss man also haben, ganz klar. Ob man da aus Wiesbaden kommt oder nicht, ist dann doch wirklich egal.

Weil ich bekanntlich wahnsinnig bescheiden bin, habe ich mich bisher nicht getraut, meine Geschichte auch online zu veröffentlichen. Da aber nun der Herr Verleger Huck Haas himself uns dazu ermutigt hat … bittesehr. Hier ist meine in höchstem Maße unglaubwürdige, verquere und hanebüchene Geschichte über Burg Frauenstein, Graf Ingo den Impotenten und sein, hihi, blutrünstiges Gefolge. Im Buch findet man sie auf Seite 192, tadaa.

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63,75. Und ich mittendrin.

18. Oktober 2012

Naja, “mittendrin” stimmt nur bedingt. Aber Seite 192 ist doch gar nicht sooo schlecht. Auf der steht nämlich, eingekeilt zwischen illustren Schreibern wie Sibylle Berg, Alexandra Tobor und Peter Breuer, meine hanebüchene Geschichte. Über einen impotenten Frustgrafen, zum kollektiven Menstruieren verdammte Hofdamen und eine Wiesbadener Burg, in der das Grauen seinen Lauf nahm. Mehr wird nicht verraten und gelogen ist die Story sowieso.

Von was ich da um Himmels Willen fasle? Achso, klar, können Sie ja nicht wissen: 63,75. Das ist die neueste Ausgabe eines coolen Heimatmagazins aus dem Hause Stijlroyal. Diesmal erscheint es in SCHAU-WIE-GROSS-ICH-BIN-DIN-A3-Buchform, auf dass es bloß nicht in handelsübliche Bücherregale passt. Das hat er sich fein ausgedacht, der Herr Haas. Und dann bis ins Detail wunderschänn designt, wie man es von den Stijlroyalern eben gewohnt ist (weswegen man die Vorgänger-Ausgaben ja auch schon mit dem red dot Award schmückte und so weiter).

Kurz gesagt, geht es in dem Buch um 75 Plätze, Dinge und Geschehnisse in und um Wiesbaden. Wir 63 Autoren wussten darüber nix weiter als das, was wir auf einem freundlicherweise frei Haus gelieferten Foto sahen. Der Rest entsprang unserer mehr oder minder schmutzigen Fantasie, die echten Fakten zum Bild lieferte der Huck.
Ich für meinen Teil werde Wiesbaden zum ersten Mal im Leben am 2. November betreten – zur Buch-Release-Party nämlich. Dem Schreibspaß tat diese selige Unwissenheit übrigens keinerlei Abbruch.
Bis zum 2. November kostet übrigens das sensationelle Riesenbuch nur 29,90 € statt später 39,90 €. Wer also auch nur ein bisschen Grips im Kopf hat, bestellt sofort heute!

Irgendwas hatte mich doch immer gestört an dieser zwar waaahnsinnig romantischen, aber furchtbar traurigen Szene aus “Titanic”. Ihr wisst schon: Die, in welcher der schöne Jack Dawson *schmacht* im Eiswasser erfriert/ertrinkt, weil Rose (auch schön, wenn auch etwas derangiert) im Abendkleid das schwimmende Wrackteil okkupiert. Irgendwas war doch faul an der ganzen Katastrophenromantik. Aber was?

Na das:

Quelle: http://lolsnaps.com/news/21594/0/

[Für meine sehbehinderten Leser und alle anderen, denen Jacks Tod schon immer so unnötig vorkam wie mir: Es handelt sich hier um eine Serie aus 6 Bildern. Oben links: Original-Screenshot aus "Titanic" (Jack klammert sich, im Eiswasser paddelnd, sterbend an die Schranktür, auf der Rose zwar nass, aber sicher liegt). Oben rechts: Die Schranktür ist mit Tatort-Klebeband als Umriss maßstabsgetreu auf den Fußboden geklebt. Darin/darauf liegt eine junge Frau in Rose-Pose, ein junger Mann baumelt außerhalb des Umrisses - also im Wasser - herum. Alle anderen Bilder: Derselbe Umriss ... und  4 Beweise, dass durchaus 2 Personen auf der bescheuerten Tür hätten überleben können: a) auf dem Rücken liegend mit den Köpfen in verschiedene Richtungen zeigend, b) in - öhm - "eindeutiger" Pose (das wäre auch noch schön warm gewesen!), c) Karten spielend im Schneidersitz (gnihihi!) und d) sofaähnlich lümmelnd.]

Das! Ist! So! Großartig!

Für ihr Fotoprojekt “Back to the future” (Teil 2 gibt es hier) hat die Fotografin Irina Werning Menschen gebeten, alte Fotos von sich auszugraben. Sodann begab sie sich mit den “Models” an – wo möglich – haargenau denselben Ort des damaligen Geschehens, gewandete sie in haargenau die gleichen Klamotten und lichtete sie in haargenau derselben Pose wie damals ab. Jedes Detail stimmt: Haarschnitt, Accessoires, Stofffalten, Gesichtsausdruck, Schrammen, Schatten, Belichtung … ja sogar vergilbte Stellen und Schäden am Papier arbeitet Irina Werning in die “heute”-Versionen mit ein. Was für ein unfassbarer Aufwand! Und wie sehr er sich gelohnt hat!

Besonders witzig mutet dieses Vorhaben überall dort an, wo typisch kindliches Verhalten fotografiert wurde – schön zu sehen zum Beispiel hier:

[Für meine sehbehinderten Leser: Das Bild zeigt links einen nackten Säugling, der in typischer Babyfoto-Manier bäuchlings auf einer Decke liegt. Rechts räkelt sich ein erwachsener Mann auf der Decke ... ebenfalls nackt und bäuchlings, aber vollbärtig und mit demselben angestrengten Gesichtsausdruck wie das Baby, das er mal war.]

Eine ganze Schwarzweiß-Fotoserie wurde hier nachgestellt – vom bebrillten Baby über das gähnende Baby bis hin zum Baby mit Puppe. Die erwachsene Frau unten drunter ist 35 Jahre älter, aber unverkennbar in ihrer Mimik:


Irgendwie rührend auch die Verwandlung einer wilden Party-Gang in der Londoner U-Bahn. Links als coole halbwüchsige Burschen mit Weinflaschen und Zigarette posierend, rechts als gesetzte ältere Herren, denen man die Verkleidung deutlich ansieht: ;-)

Weniger witzig als eindrucksvoll finde ich dieses Fotopärchen, das links einen kleinen Jungen mit Jeansjacke zeigt, der mit einem Hammer auf die Berliner Mauer einklopft – während auf der “erwachsenen” Version des Bildes der Hammer des jeansjackengewandeten Mannes ins Leere geht. Wundervoll.

Und dann gibt es die Bilderpaare, denen man die dazwischen liegenden 25 Jahre kaum ansieht, weil sich der Mensch – in diesem Fall ein schwarzweiß fotografiertes kleines Mädchen links, rechts ihr quasi genauso aussehendes erwachsenes Pendant – kaum verändert hat. Faszinierend:

Fazit: Jedes einzelne Fotopaar ist für sich so faszinierend, dass ich stundenlang darin herumklicken könnte. Fehler wird man nicht finden – geben Sie’s auf. Denn hier hat Irina Werning eine Arbeit abgeliefert, die an Detailtreue wohl kaum zu überbieten ist. Von mir ein dickes “CHAPEAU!”

Ach, übrigens: Eine Art “Making of” und ein Interview mit Irina Werning gibt es hier!

Alle Bilder stammen von Irina Wernings Seite http://irinawerning.com/bttf2/back-to-the-future-2-2011/

In einem aktuellen Kundenprojekt arbeite ich mit der fabelhaften Grafik-Designerin Michaela von Aichberger zusammen. Sie ist nicht nur selbst ein Ausbund an Kreativität, sondern versorgt mich auch immer wieder mit bestaunenswerten Design-Links aus aller Welt. Heute empfahl sie mir eine Sammlung kreativer Business-Visitenkarten im Netz, die ich natürlich alsbald durchstöberte. Und was soll ich sagen: boah!

Den ersten Kicherer entlockte mir die Visitenkarte aus Gummi, auf der ein Personal Trainer für sein Engagement warb: Erst durch Auseinanderziehen des Formats wird der im Ruhezustand eng gepresse Schriftzug überhaupt lesbar.

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