Hilfloses Zusehen und Schämen.
25. Juli 2011
Ich bin mit dem Fahrrad in Starnberg unterwegs. Eigentlich muss ich in den Bioladen; Brot und Käse sind alle. Als ich mein Ziel fast erreicht habe, lenkt eine Bewegung meine Blicke auf die gegenüberliegende Straßenseite. Da ist ein Dreiergespann unterwegs, augenscheinlich bestehend aus Mutter, Oma und Kind. Nein, falsch, sie sind gerade nicht unterwegs, denn die Oma ist stehen geblieben, packt den höchstens 5-jährigen Buben grob an den Oberarmen und schüttelt ihn. “Du hasch die Mama g’ärgert! Sei endlich brav, du unmöglichs Kind!” tönt es in gehässigem Schwäbisch bis zu mir hinüber. Es folgt weiteres, noch heftigeres Schütteln und weitere Beschimpfungen. Der Bub sieht zu Boden, murmelt irgendwas und lässt sich schütteln, als wäre er es gewohnt. Ein schrecklicher Anblick, der mich an einen kürzlich verbloggten Werbespot erinnert. Die Mutter steht einfach daneben. Entweder findet sie das handgreifliche Vorgehen der anderen Frau völlig okay oder sie greift aus anderen Gründen nicht ein.
Mein Mutterherz macht komische Hopser, in meinem Bauch rumpeln Wackersteine. Den Rest des Beitrags lesen »
Kinderrechte. Keine Selbstverständlichkeit.
18. Mai 2011
Via Twitter* flimmerte gerade dieser schockierend-berührende Spot des irischen Kinderschutzbundes ISPCC über meinen Bildschirm. Schockierend deshalb, weil der kleine Junge seine Entschlossenheit, später für Kinderrechte zu kämpfen, so überzeugend präsentiert – während er selbst gerade misshandelt wird! Berührend deshalb, weil da ein kleiner Kämpfer ist, der sich sagt “Ich halte es aus. Ich stehe das durch. Und irgendwann bin ich groß und mache es besser.”
He can’t wait to grow up. Weil Kindesmisshandlung das größte Arschloch der Welt ist.
(danke, @BiggiMM)
Öko-Chipstüte zu laut: eat this, Umwelt!
25. November 2010
Der US-amerikanische Kartoffelchipshersteller Frito-Lay wollte ein bisschen auf öko machen und hat seine Sunchips in eine revolutionäre biologisch abbaubare Tüte gepackt. Natürlich ist es toll, eine Chipstüte nach dem Leerfuttern auf dem Komposthaufen zu entsorgen – aber wenn einem vorher das Rascheln zu laut ist, wirft man als Amerikaner schon mal sein Umweltbewusstsein über den Haufen. (Ja, ich habe diese Art von Vorurteilen. Wobei viele Deutsche natürlich nicht besser sind.)
Okay: An die 90 Dezibel laut ist das Rascheln der Öko-Chipstüte. Das entspricht etwa dem Lärm eines Rasenmähers und ist somit nicht gerade das, was man abends auf der Couch so braucht:
Videothek, aber für Bücher.
24. November 2010
Ein Gebet für den Fragesteller wäre hier wohl angebracht. Ich mache das, sobald ich damit fertig bin, meinen Kopf auf den Tisch zu hauen. Mann, mann, mann.

[Für meine sehbehinderten Leser: Hier sieht man ein typisches Fenster aus einem Frage-und-Antwort-Forum mit der, naja, lieb gemeinten Frage eines Users namens Selekta: "my sister does a lot of reading and spends like a $ 1000 a year on just books alone. Most of them she reads once then never looks at again. Is there any kind of ... like video rental store but for books? Would make things a lot cheaper, plus once one person has read one the next person can get enjoyment from it etc." - Sehr schön darauf die Antwort des Users kombiman: "Yes, it is called a lib-ra-ry. Available in most councils and big cities. You can even order them!"]
(gefunden auf http://lolsnaps.com)
Atmen erlaubt.
9. September 2010
Da sag nochmal einer, wir Deutschen wären verbotsgeil! Dieses Schild hier, aufgenommen in einer offensichtlich englischsprachigen Gegend, verbietet quasi alles außer Atmen. Naja – besser als nix.
[Für meine sehbehinderten Leser: Da steht "No pets except those assisting the handicapped. No bicycles. No roller skates. No roller blades. No hand trucks. No skateboards. No smoking. No eating and drinking."]
(gefunden auf www.neon.de)
Anschnallen. Bitte.
29. Januar 2010
Wow. Dass mich manche Themen mehr bewegen als andere, wusste ich. Aber dass mir mal ein Werbespot direkt Sturzbäche aus den Augen fluten und ich frühmorgens haltlos in mein Porridge weinen würde … das hätte ich nicht gedacht.
Ich spreche von einem Aufklärungs-Spot der englischen Sussex Safer Road Partnership, der heute Morgen durch einen Blogpost der wunderbaren @ApfelMuse in meine Twitter-Timeline gespült wurde. Der Titel: “Embrace Life” (nie war ein Titel passender). Das Thema: Anschnallen. Die Umsetzung: völlig anders als die Schocker-Werbungen, die man gemeinhin als abschreckende Maßnahme einsetzt. Ich halte auch die Schocker für durchaus effektiv, aber dieser Spot hier strahlt eine Tiefe aus, die seine brutalen Vorgänger vermissen lassen. Er erreicht mich auf eine Weise, die ich nur ganz schwer beschreiben kann. Hier kommt er. Ton an! Herz auf! Verstand auf Empfang! Und fahrt NIE wieder unangeschnallt. Bitte.

