Liebe Leser, Ihr werdet gebraucht. Nat├╝rlich auch hier von Euren Familien und Chefs und Freunden und Ehren├Ąmtern … aber jetzt ganz akut als Unterst├╝tzer f├╝r ein im wahrsten Wortsinne lebenswichtiges Projekt.

Der bewundernswert nimmerm├╝de Verein Kinder auf der Flucht e.V., in dem meine guten Freunde Petra und Tilman Tag und Nacht im Einsatz sind, m├Âchte ganz, ganz am Anfang der schrecklichen Schicksalskette zahlloser Fl├╝chtlinge* ansetzen. Geplant ist die Anschaffung eines zweiten, gebrauchten Rettungsbootes, mit dem ehrenamtliche Rettungsschwimmer nun auch vor der Insel Chios Ertrinkende hoffentlich rechtzeitig erreichen k├Ânnen.
Ein Boot f├╝r das „Team Lesbos“ konnte k├╝rzlich mithilfe von Spenden bereits finanziert werden
und ist unabl├Ąssig im Einsatz. Leider sieht es vor der K├╝ste der griechischen Insel Chios nicht viel besser aus; auch dort ist die Lage dramatisch und f├╝r das bisher gemietete Rettungsboot geht den Helfern das Geld aus.

Rettungsboot_Lesbos

Dieses Boot ist kein Luxus.
Es ist ein Arbeitsmittel, mit dessen Hilfe Leben gerettet werden! Bitte spendet deshalb und verhindert damit aktiv menschliche Trag├Âdien, die wir uns in unseren warmen Wohnzimmern nicht einmal ansatzweise vorstellen wollen.

Verhindert, dass ein schreiendes Kleinkind, das dem Schlepper auf dem Boot l├Ąstig und deshalb „zuf├Ąllig“ ├╝ber Bord geschubst wurde, vom Meer verschluckt wird.
Verhindert, dass ein Baby, das die von Ersch├Âpfung und eisigen Wassertemperaturen geschw├Ąchte Mutter nach dem Kentern ihres Bootes loslassen musste, Stunden sp├Ąter tot ans Ufer gesp├╝lt wird.
Verhindert, dass ein Bruder mit ansehen muss, wie der andere in Sichtweite des rettenden Landes ertrinkt, weil er seine Schwimmweste der schwangeren Nachbarin gab.

Rettungsschwimmerin

Helft. BITTE. Eure Spende erreicht den Verein unkompliziert ├╝ber die extra eingerichtete betterplace-Projektseite (>>KLICK<<).

WICHTIG: Sollte zum Zeitpunkt Eures Spendenwillens das Projekt bereits „durchfinanziert“ sein, spendet bitte trotzdem!!! Ein Bedarf folgt dem n├Ąchsten; morgen k├Ânnen es Rettungsdecken, Gummistiefel, Zelte, Babynahrung oder ein medizinisches Ger├Ąt sein. Dieser Verein genie├čt mein vollstes Vertrauen und ich m├Âchte Euch ermutigen, ihm Eures auch zu schenken … und nebenbei Leben, Hoffnung, Perspektive.

Ich verb├╝rge mich pers├Ânlich daf├╝r, dass Euer Geld haargenau dem Zweck zukommt, f├╝r den es laut der Spendenplattform betterplace bestimmt ist. Das kann ich besten Gewissens, weil ich f├╝r Petra, Tilman und das gesamte Team meine Hand ins Feuer legen w├╝rde. Der Verein hat sich wichtige Ziele gesetzt und nimmt seine Aufgabe hundertprozentig ernst.

*Auf eine Diskussion ├╝ber Fl├╝chtlingspolitik etc. werde ich an dieser Stelle ausnahmslos KEINE Stellung nehmen und entsprechende Kommentare behalte ich mir vor, zu l├Âschen. Hier geht es zun├Ąchst mal nicht um Fl├╝chtlinge, die irgendwann in Deutschland landen und sich dann integrieren oder nicht integrieren, sondern schlicht um MENSCHENLEBEN und wunderbare Leute, die wild entschlossen sind, diese zu bewahren. Das verdient allerh├Âchste Wertsch├Ątzung und jede Unterst├╝tzung dieser Welt.┬á

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Mich w├╝rde mal Eure (werbeprofessionelle und private) Meinung zum neuen EDEKA-Weihnachtsspot interessieren.

Denn ich als Werberin sage:
… ein Geniestreich. Auch wenn ich bezweifle, dass dadurch direkt mehr Eink├Ąufe generiert werden. Markenimagest├Ąrkung nat├╝rlich top.

Als Mensch hingegen sage ich:
… Gr├Ąsslich. Geht gar nicht. Wie k├Ânnen die nur?!
Und das nicht, weil ich solche (wahren, aber schlimmen) Botschaften nicht aushalte. Einfach weil es einen Step zu krass ist, mit den tiefsten inneren ├ängsten zu „spielen“ und zu manipulieren.
W├Ąre ich eines der erwachsenen Kinder im Spot, ich w├Ąre auf den Vater sowas von stocksauer – auch wenn ich mich ertappt f├╝hlen w├╝rde, klar. So richtig funktioniert die Botschaft n├Ąmlich dann doch nicht – au├čer in moralischer Hinsicht. Und ich bin total hin- und hergerissen, ob ich das gut finden oder verurteilen soll.

Ein weiterer Punkt: Als Tochter, der es im Traum nicht einfallen w├╝rde, jemals die Eltern zu einer solchen Nebensache verkommen zu lassen, macht mich der Spot w├╝tend. Auf die, die es einfach nicht raffen. Weil es f├╝r mich pers├Ânlich eben total selbstverst├Ąndlich ist, engen Kontakt mit den Eltern zu haben. Nun wohne ich ja quasi Wand an Wand mit den meinen (gottseidank) … aber ich schw├Âre: So weit weg k├Ânnte ich nicht wohnen, dass ich es nicht wenigstens zu Weihnachten m├Âglich machen w├╝rde, sie zu sehen.
[Hier wird gleich der – berechtigte – Einwand fallen „Aber wenn man im Streit mit den Eltern ist, was dann?“. Diesen m├Âchte ich hier au├čen vor lassen, denn im Spot scheint es nicht so, dass irgendwer mit irgendwem im Clinch ist. Hier geht es einfach um Priorit├Ąten.]

Sollte der Spot allerdings dazu f├╝hren, dass nur ein erwachsener Sohn oder eine erwachsene Tochter dadurch endlich wieder auf die wichtigen Dinge um Weihnachten herum besinnt, n├Ąmlich die Familie ÔÇŽ dann ist mir alle Werbepsychologie und alles „too much“ piepegal und ich sage: Danke, EDEKA. Saustark.

Was meint Ihr dazu?

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Schon lange treiben mich Gedanken rund um Missgunst, Neid┬áund H├Ąme um und nun ist es aus bestimmten Gr├╝nden Zeit, endlich dar├╝ber zu schreiben.

Zun├Ąchst ein bisschen Etymologie:
Das W├Ârterbuch bezeichnet Missgunst als „Haltung, in der man jemandem etwas nicht g├Ânnt“ – einleuchtend, wenn man bedenkt, dass die Gunst nichts weiter ist als das Substantiv (genauer: Verbalabstraktum) des Verbs G├Ânnen.
Im Vergleich zu ihrem ebenso unsympathischen Bruder, dem Neid, grenzt sich Missgunst vor allem durch Aspekte der Hierarchie und des Ziels ab: Neidisch ist man auf etwas, das einer meist h├Âher gestellten Person oder Gruppe geh├Ârt und das man selbst gern h├Ątte. Das k├Ânnen materielle Dinge sein, aber auch andere Werte wie Beliebtheit, subjektiv empfundene Sch├Ânheit oder sogar Fr├Âhlichkeit. Man kann diesem Gef├╝hl seine Daseinsberechtigung nur in einem einzigen Punkt nicht absprechen: dann n├Ąmlich, wenn Neid einen Ehrgeiz ausl├Âst, selbst etwas ebenfalls zu erreichen. Trotz allem bezeichnete DIE WELT den Neid – nicht umsonst eine der 7 Tods├╝nden – in einem sehr guten Artikel als „Gef├╝hl wie ein b├Âses Geschw├╝r“. Missgunst ist deshalb ein noch scheu├člicherer Wesenszug, weil ihr sogar das Streben fehlt: Der Missg├╝nstige missg├Ânnt einfach um des Missg├Ânnens willen.
H├Ąme, das weniger gebr├Ąuchliche Synonym f├╝r Schadenfreude oder genauer: schadenfreudiger Hohn, ist wiederum der Missgunst recht ├Ąhnlich, wobei ihr das gezielte Missg├Ânnen fehlt. Ein h├Ąmischer Zeitgenosse freut sich an Missgeschicken anderer und labt sich am Ungl├╝ck seiner Mitmenschen.

Alle drei Eigenschaften, besonders aber Missgunst und H├Ąme, haben eines gemeinsam:
Ihr Inhaber f├╝hlt sich selbst innerlich klein und sucht verzweifelt nach M├Âglichkeiten, sein Selbstwertgef├╝hl dadurch zu erh├Âhen, dass er andere geringsch├Ątzt, niedermacht oder in ein schlechtes Licht stellt. Statt an sich selbst zu arbeiten, richtet er sein ganzes Streben danach, andere noch kleiner zu machen, als er selbst es ist. Was f├╝r ein armseliges Dasein.

In der aktuellen Fl├╝chtlingsdebatte kann man das widerliche Trio tausendfach an der Stammtischparole „So schlecht geht es denen doch gar nicht, die haben alle schicke Smartphones!“ ablesen. Niemand m├Âchte ernsthaft den Platz mit einem hier angekommenen Fl├╝chtling tauschen … aber das Smartphone … nee, das soll der auch nicht haben, Punkt! Dies soll aber heute nicht mein Thema sein, dar├╝ber haben andere schon hervorragende Artikel geschrieben, die ich allesamt zu lesen empfehle. (Besonders dieser hier: „Fakten gegen Vorurteile“)

Was aber der eigentliche Ausl├Âser dieses Blogposts ist:
Gestern liefen mir innerhalb kurzer Zeit auf der kleinen, komprimierten Digitalwelt facebook zwei Dinge ├╝ber den Weg, die zwar nichts miteinander, aber beide auf ihre Weise mit Missgunst und H├Ąme zu tun haben. Da war einmal die facebook-Seite „Nachdenkliche Spr├╝che mit Bilder“ (ja, das fehlende Dativ-n bei „Bilder“ ist Absicht) – und ein Video ├╝ber einen alten Mann, der in einer engen Stra├če in Neapel beim verkorksten Umdrehversuch mit seinem Auto ein Verkehrschaos verursacht.

Indeaner

Beides soll lustig sein: Auf der Spr├╝che-Seite ├╝bertreffen sich die postenden Mitglieder mit orthographisch m├Âglichst fehlerreichen, d├╝mmlichen Pseudo-Sinnspr├╝chen und feiern sich daf├╝r gegenseitig. Diese Spr├╝che, meist hinterlegt mit den ├╝blichen Indianer- oder Naturfotos, werden tausendfach geteilt, „lustig“ kommentiert und erhalten unz├Ąhlige Likes. Das Video vom neapolitanischen U-turn-fail wurde auf youTube zahllose Male aufgerufen und der Fahrer an vielen Stellen mit H├Ąme ├╝bergossen.

Ich mag das nicht.

Ich mochte schon als Kind weder „Tom & Jerry“ noch „Verstehen Sie Spa├č!?“ noch „Upps, die Pannenshow“. Das Gef├╝hl von Am├╝sement dar├╝ber, wenn sich etwa Menschen ernsthaft wehtun oder in furchtbar peinliche Situationen geraten, ist mir einfach weitgehend fremd.
Auch Rache ist ein Konzept, das ich nicht so ganz verstehe. Rache macht nichts besser, sondern alles nur bitterer.

Entwischt mir bei den ber├╝hmten „fail compilations“ ein Lacher (ja, meine Kinder schauen das manchmal an und dann muss ich auch), f├╝hle ich mich schmutzig.

W├╝rde ich auf der obengenannten Schaut-her-wie-ich-Legasthenie-und-Dummheit-vort├Ąusche-Seite ein Like setzen, w├╝rde ich mich daf├╝r sch├Ąmen. Legastheniker haben sich ihre [Bl├Âder-Begriff-Alarm!] Teilleistungsst├Ârung nicht ausgesucht und sie wird sich nicht in Luft aufl├Âsen, wenn m├Âglichst viele Nichtbetroffene h├Ąmisch dar├╝ber frotzeln. Sogar intellektuell einfach gestrickte Menschen (ich m├Âchte niemanden, der nichts daf├╝r kann, „dumm“ nennen), die solche pseudo-esoterischen Spr├╝che toll finden … nun, sie sind eben so. Damit tun sie niemandem weh, nicht wahr? Gute G├╝te, g├Ânnt ihnen doch diese Freude. Ich rolle vielleicht ganz kurz mit den Augen und seufze – aber eher, weil sie mir leid tun und ich froh bin, diesbez├╝glich brauchbare Gene und eine okaye Bildung erwischt zu heben. Nicht jeder hat diese Chance. Es ist gemein, jemanden wegen verpasster Chancen, auf die er keinen Einfluss hatte, geringzusch├Ątzen oder gar zu verspotten.

Und nein, niemals st├╝nde ich wie die anderen Gaffer auf der engen Stra├če in Neapel und w├╝rde schadenfreudig den alten, verwirrten Mann auslachen, der sich wegen falschen Augenma├čes oder sonstwas in eine derart verzwickte Position gebracht hat. Stattdessen w├╝rde ich wohl entweder anbieten, das Wendeman├Âver f├╝r ihn zu einem schnellen Ende zu bringen. Oder ich w├╝rde die Motorradrocker bei ihrer Ehre packen und sie bitten, die Karre mal eben hochzuheben und in Fahrtrichtung zu drehen. Alles, nur nicht rumstehen, gaffen, lachen und filmen. Diese Leute machen mich w├╝tend. Die Kommentatoren des Videos auch. (Dabei ist es mir gerade ziemlich egal, ob das Video eventuell ein ├╝berspitztes Fake ist. Meinen Teil der ├ťberlegungen spiegelt es sehr gut wider.)

Seit ich mich mit Gf – Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg besch├Ąftige*, hat sich diese Abneigung gegen unreflektierte H├Ąme und Vorurteile noch verst├Ąrkt.

Bei jeder Aktion – oder Reaktion – einer Person frage ich mich automatisch, was wohl ihre Gr├╝nde daf├╝r gewesen sind.
Ich bin der festen ├ťberzeugung, dass jeder Mensch Gr├╝nde hat f├╝r das, was er tut.
Au├čerdem glaube ich, dass die meisten in diesem einen Moment das Beste geben, was sie k├Ânnen – auch wenn ihr Handeln unseren Anspr├╝chen nicht gen├╝gt, nicht das ist, was wir gerade br├Ąuchten, oder ihre L├Âsung nicht unsere w├Ąre. Nur ganz wenige sind einfach unverbesserliche Arschl├Âcher, wenn ich das hier mal so salopp sagen darf … und selbst sie sind vermutlich nicht ohne Grund dazu geworden.
Beispiel: Wer mich jemals als Beifahrerin dabeihatte [hier mitleidiges Winken zu meinem Freund einf├╝gen], wei├č um meine balsamischen Worte, wenn etwa der Vorausfahrer langsam/nervig/unsicher herumzuckelt. Jedes genervte Schimpfen des Fahrers kommentiere ich n├Ąmlich etwa so: „Hey, wahrscheinlich sucht der was. Schau, er hat ein ortsfremdes Nummernschild“ oder „Ach, das ist eine alte Omi. Sind wir besser mal froh, dass sie langsam f├Ąhrt – wenn sie rasen w├╝rde, w├Ąre das viel gef├Ąhrlicher!“ oder „Wir wissen nicht, warum, der so dr├Ąngelt. Vielleicht liegt zuhause seine Frau in den Wehen oder er muss dringend aufs Klo“.

├ťbrigens, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin weder ein Engel noch Mutter Teresa.
Alles. Andere. Als. Das.
Auch ich flippe regelm├Ą├čig aus, wenn mich etwas ├╝ber die Ma├čen aufregt – vor allem dann, wenn absichtliche L├╝gerei oder Ungerechtigkeit im Spiel ist, denn L├╝gen und Ungerechtigkeit gehen gar nicht. Manchmal ist auch die GfK-Lilian gerade im Standby-Modus oder jemand hat verdammt nochmal haargenau den Triggerpunkt gedr├╝ckt, bei dem jede Vernunft aussetzt. Schlimm ist es auch, wenn ich Hunger habe. ­čśë Aber im Allgemeinen ist es so, wie ich oben schrub, und ich werde kaum jemals m├╝de, diesbez├╝glich an meiner Umwelt herumzuerziehen (call me Nervens├Ąge, gern auch „Gutmensch“. Mir egal).

Denn leider gibt es neben vielen wundervollen, selbstlosen, achtsamen Menschen auch einige, bei denen Schadenfreude, Neid und Missgust an der Tagesordnung sind und bei denen ich regelm├Ą├čig in einem Dilemma stecke: Weglaufen oder missionieren? Diese Menschen vergiften schleichend unsere positive Energie, und deshalb sind sie gef├Ąhrlich. Manchmal habe ich genug Energie, um bei ihnen eine Portion Optimismus spr├╝hen zu lassen, ├ťberzeugungsarbeit zu leisten, ihre Pseudo-Argumente zu entkr├Ąften. Manchmal will ich aber nur so schnell wie m├Âglich ihrem Dunstkreis entkommen, weil ich weder ihr Gerede noch ihren Anblick weiter ertragen kann.
Man erkennt den Homo missgunstus haemicus ├╝brigens an einem ganz besonderen Gesichtsausdruck. Er (oder sie) kann ├Ąu├čerlich h├╝bsch sein, vielleicht sogar klug und witzig – aber er (oder sie) hat kalte Augen, die nur beim L├Ąstern hei├č aufblitzen, und diesen ver├Ąchtlichen Zug um den Mund, der von t├Ąglich eintrainierter H├Ąme kommt.

„H├Ąme“ und „h├Ąsslich“ beginnen vielleicht nicht umsonst mit denselben Buchstaben.

*Hier ein ganz herzlicher Dank an Britta Weber,
die mich – als Freundin und GfK-Trainerin – in einer
schwierigen Zeit an dieses Thema heranf├╝hrte,
das mein Denken und Reden seither tats├Ąchlich grundlegend ver├Ąndert hat.

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Fragen zum Krieg.

7. Oktober 2015

Liebe Regierungen dieser Welt,

vielleicht erreichen Euch Bilder wie diese ja mehr als die von bombenzerfetzten Kriegsopfern, ertrunkenen Fl├╝chtlingsbabys oder protestierenden Menschenmengen.

Bitte beantwortet mir und Euch und allen, die wie ich bei diesen Videos nicht mehr aufh├Âren k├Ânnen zu weinen, mal folgende Fragen:

WIE K├ľNNT IHR M├Ąnner und Frauen in den Krieg schicken, die Familien haben, ein Leben, Talente, Tr├Ąume? EUREN Krieg, nicht ihren?
WIE K├ľNNT IHR sie so lange von denen getrennt halten, die sie lieben und brauchen?
WIE K├ľNNT IHR es ertragen, daran schuld zu sein, dass Kinder ihre V├Ąter oder M├╝tter niemals kennenlernen, weil es f├╝r ein Kennenlernen irgendwann zu sp├Ąt ist, weil Mommy/Daddy in einer beschissenen Kiste mit einer beschissenen Flagge drauf nach Hause kommen … oder von Traumata zerst├Ârt, in der Seele tot, wegen dem, was sie sehen mussten und tun?
WIE K├ľNNT IHR diese Opfer des Krieges (denn jeder darin ist Opfer, auch die sogenannten „T├Ąter“) auch noch sarkastisch als Helden feiern, wo Ihr sie doch einfach verheizt, benutzt, wegwerft?
WIE K├ľNNT IHR Menschen von wertvollen, leer bleibenden Funktionen abziehen, in denen sie um das Tausendfache besser „angelegt“ w├Ąren als an der Waffe?

Und, ├╝ber allem:

WIE K├ľNNT IHR Politik betreiben, die unsere Welt so unstabil macht, dass es n├Âtig ist, sie mit Waffengewalt zu sch├╝tzen?
WIE K├ľNNT IHR kriegerische Konflikte sogar noch HERAUSFORDERN, indem Ihr niemals den Hals voll kriegt – voll Geld, voll Macht, voll ├ľl?

WIE K├ľNNT IHR morgens in den Spiegel sehen? WIE!???

Es ist einfach nicht zu fassen.

 

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Der Absturz der Germanwings-Passagiermaschine 4U9525 am 24. M├Ąrz 2015 hat die Welt aufgew├╝hlt. Vorherrschend sind Gef├╝hle von Trauer, fassungslosem Entsetzen, Hilflosigkeit, Angst und Wut auf den eventuellen Verursacher der Trag├Âdie.

Doch als w├Ąre der Flugsteugabsturz, der 150 Menschen das Leben kostete, nicht schrecklich genug, offenbaren sich in der Berichterstattung die tiefsten stinkenden S├╝mpfe menschlichen Seins.

Da wurden „Experten“ bereits zu einem Zeitpunkt befragt, zu dem sie noch keinerlei Aussagen machen konnten, nur damit irgendjemand irgendwas sagt.
Die Folge: wilde Mutma├čungen ohne jeden R├╝ckhalt, die man sich ebenso sparen kann.
Nutzen f├╝r den Fortgang der Ermittlungen oder den Trost Hinterbliebener: null.

Da werden, piet├Ątlos wie immer, Bilder von weinenden Angeh├Ârigen gezeigt, von Tr├╝mmerteilen und von Ortsschildern, nur damit man irgendwas sieht.
Die Folge: Explodierende Klickraten auf Bildstrecken, lodernder Voyeurismus unter den Betrachtern.
Nutzen f├╝r den Fortgang der Ermittlungen oder den Trost Hinterbliebener: null.

Da befragt man wahllos Familienangeh├Ârige, Nachbarn, entfernte Bekannte, wen auch immer, nur damit wir an den Bildschirmen sehen, dass da drau├čen etwas Schreckliches, nicht wahr sein D├╝rfendes geschehen ist, aber gottseidank nicht uns selbst.
Die Folge: Traumhafte Einschaltquoten bei Brennpunkten & Co. – aber vor allem alptraumhafte zus├Ątzliche Belastungen f├╝r Menschen, die gerade erst ihre Liebsten verloren haben und mit dem kreischenden „WARUM!?“ in ihrem Kopf sowieso schon mehr tragen m├╝ssen, als ein Mensch jemals ertragen m├╝ssen sollte.
Nutzen f├╝r den Fortgang der Ermittlungen oder den Trost Hinterbliebener: null.

Und dann wird zu einem Zeitpunkt, an dem man zwar eine furchtbare Schuld vermutet, aber keinerlei Beweise hat, eine widerw├Ąrtige Hatz auf die Familie eines Mannes gemacht, der vielleicht aus irgendwelchen Gr├╝nden 149 weitere mit in den Freitod nahm. Vielleicht. Auch hier: null Nutzen, daf├╝r aber Hass in Dimensionen, die mir schon beim Hinlesen ├ťbelkeit verursachen. Dass auch diese Familie ein Mitglied verloren hat, interessiert l├Ąngst niemanden mehr. Er ist ja vermutlich DER B├ľSE, und um DEN B├ľSEN darf man nicht trauern, sondern ist – hey, Pech gehabt! – als Familie automatisch mit schuld.
Was soll man zu solchen Dingen sagen? Es ist absurd.

„Witwensch├╝tteln“ nennt man all das, und dieser Begriff umschreibt den ganzen gifttriefenden Kern der Sache leider gut.

Ich m├Âchte an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, wie enorm mich die Art, in der derartige Ungl├╝cke ausgeschlachtet werden, anwidert – ebenso wie die Konsumenten dieser Art von Berichterstattung. Es besch├Ąmt mich, dass selbst respektable Medien (also nicht nur die BILD, von der man freilich nichts anderes erwartet hat) hier ohne jegliches Fingerspitzengef├╝hl agieren und sich schlicht benehmen wie eine tollw├╝tige Axt im Wald.
Andere haben das schon zur Gen├╝ge getan und ich sammle hier einfach mal diejenigen Artikel, die mir aus der Seele sprechen:

Mit diesen drei Artikeln ist fast alles gesagt, was ich zu diesem Zeitpunkt auch sagen m├Âchte. F├╝r weitere Hinweise auf fundierte Mitdenker bin ich aber dankbar und verlinke sie hier gern.

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Dass das Versicherungsunternehmen ALTE LEIPZIGER nicht umsonst ein Adjektiv im Namen tr├Ągt, das pure Verstaubung impliziert, zeigt sein neuester „Geniestreich“: zwei Erkl├Ąrvideos zu den Themen Berufsunf├Ąhigkeit und Privathaftpflicht.

Wir m├Âchten vor dem Lesen des hervorragenden Blogposts meiner Kollegin Birte Vogel kurz innehalten, auf den Kalender schauen und uns versichern (gnihi! „versichern!“), dass wir tats├Ąchlich das Jahr 2015 schreiben.
Und nun stelle ich Euch kurz die Hauptdarsteller der zwei Filmchen vor, an denen sich gerade zu Recht die Gem├╝ter erhitzen:

Quelle:  http://thea.pressevogel.com/keiner-will-mehr-eine-gesellschaft-wie-in-den-50er-jahren-wirklich/

Quelle:
http://thea.pressevogel.com/keiner-will-mehr-eine-gesellschaft-wie-in-den-50er-jahren-wirklich/

– DER VATER (selbstverst├Ąndlich !!! Alleinverdiener, respektabel schnauzb├Ąrtig und pullundertragend, anpackend, alleswissend, an alles denkend, streng-aber-gerecht, in Erziehungsdingen DIE INSTANZ, wie sich das eben f├╝r einen deutschen Familienvater geh├Ârt)

– DIE MUTTER (selbstverst├Ąndlich !!! 100% Hausfrau/Gattin/Mutter ohne eigenes Einkommen, leicht d├╝mmlich, 100% lebensunt├╝chtig ohne den fabelhaften, mehrmals t├Ąglich anzuhimmelnden Gatten, wie sich das eben f├╝r eine deutsche Hausfrau geh├Ârt)

– DER SOHN (selbstverst├Ąndlich !!! super Skateboarder, daf├╝r aber schlecht in der Schule; ein echter Rabauke – wie sich das f├╝r einen richtigen Buben eben geh├Ârt)

– DIE TOCHTER (selbstverst├Ąndlich !!! niedliches Zopf-und-Rock-G├Ârl, vermutlich ebenso d├╝mmlich wie ihre Mutter, wie sich das f├╝r ein richtiges M├Ądchen eben geh├Ârt; in allen Filmen maximal als namenlose Randdekoration gebraucht)

– DIE NACHBARIN (siehe DIE MUTTER – weil das in guten deutschen Familien eben so ist -, nur auf der anderen Seite des Gartenzauns)

Und jetzt kopf├╝ber rein in die Lekt├╝re (Achtung, Schleudertraumagefahr).

Was meiner Netzwerkkollegin Mela Eckenfels passiert ist, als sie es wagte, das Unternehmen via offenem Brief auf seine weltanschauliche R├╝ckst├Ąndigkeit anzusprechen, kann man ebenso kopfsch├╝ttelnd und strahlkotzend hier nachlesen:

Und nun entschuldigt mich bitte, ich muss mich um das Lieblingsessen des Mannes k├╝mmern und den rosa Bademantel b├╝geln, in dem ich am Gartenzaun immer die neuesten Rezepte mit der gleichd├╝mmlichen Nachbarin austausche.

Ach nee, Moment, falscher Film: Ich muss den Text ├╝ber Hyperthyreose f├╝r MEINEN Kunden fertigschreiben, daf├╝r eine buchhalterisch korrekte Rechnung stellen, die Umsatzsteuer-Voranmeldung fertigmachen, die FRITZ!box konfigurieren, den aktuellen Goldkurs checken, meinen selbst bezahlten Leasingvertrag abheften, aus Interesse ┬ž 1356 BGB* konsultieren, ein Inkassoverfahren gegen einen s├Ąumigen Exkunden einleiten und dann, naja dann gehe ich heim und koche und wasche f├╝r meine Kinder. Wie so ne d├╝mmliche Hausfrau.

UPDATE:
Meine Netzwerkkollegin Daniela Warndorf beleuchtet in ihrem Blogpost zum selben Thema eine weitere Seite des Dramas: die v├Âllige Planlosigkeit der ALTEN LEIPZIGER in Sachen Social Media und Shitstorm-Management. Uiuiui, die m├╝ssen aber noch viel lernen.

UPDATE vom UPDATE:
Die ALTE LEIPZIGER hat die Erkl├Ąrvideos des Ansto├čes mittlerweile vom Netz genommen. Wer auf den „Play“-Pfeil im Vorschaubild klickt, erh├Ąlt immerhin folgendes Popup mit einer allgemeinen Entschuldigung:

Alte_leipziger_Erkla╠łrvideos_wegIch finde: Viel besser als nix, aber immer noch ganz sch├Ân sp├Ąt, ganz sch├Ân versteckt „irgendwo auf der Seite“ und deshalb – sorry – ganz sch├Ân schwach. Schade auch, dass die Filme nun ja weg sind und Interessierte sich gar nicht mehr ansehen k├Ânnen, um was es urspr├╝nglich ging. Oder kann man die noch irgendwo anders im Netz nachsehen? F├╝r Hinweise bin ich dankbar!

 

*Bis zur Gesetzes├Ąnderung im Jahr 1977 (!)
– Abschaffung der so genannten „Hausfrauenehe“ –
stand in besagtem ┬ž 1356 BGB tats├Ąchlich:

„Die Frau f├╝hrt den Haushalt in eigener Verantwortung.
Sie ist berechtigt [sic!!!], erwerbst├Ątig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie [sicissimo!!!]┬á vereinbar ist.“

… WTF.

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