Legasthenie ist weit verbreitet und, ich sage es jetz mal so frank und frei, Legasthenie ist ein Arschloch. Natürlich gibt es weit schlimmere Teilleistungsstörungen und manches ist für Legastheniker heute einfacher als vor 20 Jahren … aber hallo? Auch im Jahr 2012 laufen Betroffene noch Gefahr, als „dumm“ oder „unambitioniert“ angesehen zu werden. Weil sie eben nicht korrekt lesen und schreiben können, so sehr sie sich auch bemühen! Und das ist doch zum Kotzen.
Mit modernen Therapiemethoden kann man der Legasthenie zwar ein Stück weit ein Schnippchen schlagen. Das flüssige Lesen etwa kann damit recht gut trainiert werden und hey, die Rechtschreibfehler werden auch weniger. Trotzdem bleibt beides, das Lesen und das Schreiben, für Menschen mit Legasthenie ein Leben lang wahnsinnig anstrengend.

Umso besser, dass man inzwischen an vielen kleinen Baustellen daran arbeitet, ihnen das Leseleben zu erleichtern!
Ein kluger und netter Mensch namens Abelardo Gonzalez etwa hat jetzt eine Spezialschrift entwickelt, die das in besonderem Maße tut: OpenDyslexic.

Der Font packt durch seine besonders „bodenschwere“ Gestaltung die gängigsten Legasthenie-Mechanismen beim Schopfe (Verdrehen und Verwechseln von Buchstaben, Verrutschen in der Zeile) und lacht ihnen so einfach ins Gesicht. Die begeisterten Kommentare von OpenDyslexic-Usern sprechen für sich – das Lesen scheint damit tatsächlich um Klassen einfacher zu sein.

Aber es kommt noch besser: Immer mehr Dienste integrieren den OpenDsylexic-Font in ihre Nutzeroberfläche und ermöglichen Legasthenikern damit, ihr „Lesefutter“ entspannt zu genießen!

  • So erlaubt zum Beispiel InstaPaper in seiner neuen Version die Einstellung auf die Leichtlese-Schrift.
  • Erweiterungen für Safari und Google Chrome stellen die Leseschrift im Browser auf OpenDyslexic um.
  • Für das Surfen am iPhone und iPad (Safari ist dort leider nicht anpassbar) hat Herr Gonzalez sogar einen eigenen Browser entwickelt: openWeb.
  • Firefox-User installieren den Font einfach auf ihrem Computer und setzen ihn in den Einstellungen unter „Inhalt“ –> „Schriftarten & Farben“ als Standard.
  • Bei iPhones mit Jailbreak kann die Standardschrift in Cydia auf OpenDyslexic gewechselt werden (fragt mich hier bloß nicht nach technischen Details; ich kenne diese Cydia nicht und gebe das nur so weiter! *g*)
  • Mehrere eBooks sind inzwischen in OpenDyslexic erschienen. Ein Trend, den ich befürworte!

Alles in allem hört sich das doch ziemlich gut an, finde ich. Danke, Mr. Gonzalez!

(Und danke an Elke Fleing von www.berufung-selbststaendig.de, die diesen Tipp kürzlich auf Twitter postete!)

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9 Kommentare zu “Besser lesen. Mit einer Spezialschrift für Legastheniker.”

  1. Dice sagt:

    Coole Sache. Und irgendwie sieht die Schriftart dann auch noch richtig schick aus.

  2. Alexander sagt:

    Und hier die Gegenmeinung: http://www.examiner.com/article/opendyslexic-does-the-new-dyslexia-font-help-review-by-teacher-and-students

    Ich hab auch den Verdacht, dass die Schriftgröße hier ein Faktor sein könnte. Auf der OpenDyslexic-Seite ist der Text extrem groß abgebildet, aber die Schrift ist in kleinen Größen kaum verwendbar. Aber wenn es auch nur irgendjemandem hilft, ist das natürlich prima!

  3. Dieter sagt:

    Sieht ja nett aus. Mehr noch kann man anscheinend mit Spacing erreichen, sowohl letter- als auch word-spacing. Stand zumindest letztens auf Spiegel Online. Ich habe eine Idee dazu gehabt, die ich in meinem Blog kurz vorgestellt habe:
    http://dieterjosef.blogspot.de/2012/07/legasthenie-eine-idee-fur-webentwickler.html

    Vielleicht hat ja ein Webdesigner Lust, das mal auszuprobieren.

  4. tschill sagt:

    Auf Twitter habe ich ihn gefragt, woher er weiß, daß die Schrift besser lesbar ist für Legastheniker. Er meinte, a) die Schrift sei frei, ich solle mich nicht so haben, und b) ich solle mal googlen, wer das alles toll findet. Ich tat das und imho sagt die eine Hälfte, es sei besser lesbar, die andere, es sei schlechter lesbar. Die ganze Argumentation ähnelt stark den Auseinandersetzungen um Homöopathie. Aber klar, wenn es gut gemeint ist, dann kann es auch nicht schlecht sein!!1!

  5. Infobib » Spezielle Schriftart für Legastheniker sagt:

    […] Die Textzicke berichtet über Open Dyslexic, eine Schriftart, die Dyslektikern das Lesen erleichtert. Der Font packt durch seine besonders “bodenschwere” Gestaltung die gängigsten Legasthenie-Mechanismen beim Schopfe (Verdrehen und Verwechseln von Buchstaben, Verrutschen in der Zeile) und lacht ihnen so einfach ins Gesicht. Die begeisterten Kommentare von OpenDyslexic-Usern sprechen für sich – das Lesen scheint damit tatsächlich um Klassen einfacher zu sein. […]

  6. Linkspam zum Nachtisch sagt:

    […] OpenSource Schriftart macht vor, dass es möglich ist denn Lesealltag auch für Leser_innen mit Legasthenie durch technische Kniffe zu verbessern. Immer mehr Anwendungen bieten die OpenDsylexic-Font […]

  7. Ina sagt:

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob einfach eine andere Schriftart wirklich hilft. Aber selbst wenn es nur einem Teil der Betroffenen hilft, ist es ja schon eine tolle Sache.

  8. Lady Bedfort – Die Stille des Todes > Bücher / eBooks > Hörbuch, Hörspiele, Lady Bedfort sagt:

    […] dazu könnt ihr bei Textzicke selbst […]

  9. Markierungen 02/03/2016 - Snippets sagt:

    […] Textzicke. Das Blog. » Archiv » Besser lesen. Mit einer Spezialschrift für Legasthenike… […]

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